21.01.21 – Gott ohne Grenzen

Gott ohne Grenzen

Immer wieder höre ich in Gesprächen mit Leuten aus der Theater- und Musikszene von der gefühlten Ungleichbehandlung von Kirche und Kultur in diesen Zeiten der Beschränkungen: Sie fragen sich, warum Religionsgemeinschaften, geschützt von der Freiheit zur Religionsausübung, andere Rechte zugesprochen bekommen im Lockdown. Wir dürfen Gottesdienste feiern. Mit Hygienekonzepten, die Konzerthäuser und Theater ebenso gut umsetzen würden. An denen liegt es also nicht. Woran liegt es dann? Ist es der Ort, der eine Veranstaltung zu einer Religiösen macht? Ist es ein Geistlicher, der anwesend sein muss? Oder ist es das Publikum, welches zu einer eingetragenen Glaubensgemeinschaft gehören muss? Oder ist es der Vollzug, die Elemente, die Liturgie? Was ist dann, wenn zu einem Gottesdienst nur ungetaufte Besucher kämen? Oder wenn ein Pfarrer eine Andacht im Theatersaal hielte, mit Altar und unterm Kreuz? Was ist mit dem Konzert, das in der Kirche stattfindet?
Ich habe darauf keine befriedigende Antwort. Aber mich machen diese Fragen sensibel dafür, zu sehen, dass Religiosität so viel mehr ist als ein Raum oder ein Format. Was Menschen berührt, wo sie spirituelle Erfahrungen machen, wo sie Gott begegnen – das ist so verschieden, wie wir es sind. Das kann im Park sein, unterm Sternenhimmel, in den Armen eines Geliebten, beim Hören ergreifender Musik oder großer Fragen auf der Bühne. Ich bin dankbar für diese Sichtweise: „Glaube“ als Beziehung zwischen mir und Gott lässt sich nicht begrenzen. Und Gott ist größer als unsere Vorstellungen und Institutionen.

Johanna Stein

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