Trozdem – 02.02.2022

Ich hatte mein Mittwort zum Schnapszahl-Mittwoch fertig. Es stand unter der – zugegeben ironischen – Überschrift „So schönes Wetter und ich noch dabei“ – ein Zitat von Wilhelm Raabe. Ich wollte ein bisschen Fröhlichkeit in dieses wirklich depressionsbegünstigende Wetter hineinschreiben, was ja wohl Vielen von uns zur Zeit echt auf den berühmten „Senkel“ geht. Aber die gestrige Schlagzeile (31.1.22) haut mir dazwischen.

Mord an zwei jungen Polizisten bei einer Verkehrskontrolle.

Zur falschen Zeit am falschen Ort?

Augen auf bei der Berufswahl?

Jeden Tag sterben Menschen…

Noch mehr platte Sprüche gefällig? Lieber nicht.

Na und, Claudia, was schreibst Du nun? Wie passen Zitat und wetterfühlige Fröhlichkeit

zum Mord …?

zum Missbrauchsskandal in der Kirche?

zum Säbelrasseln im Ukraine-Konflikt?

zum Desaster von Syrien und Afghanistan und und und …?

zum Partyspaß von Johnson im Lockdown und Trump reloaded?!

zum „Fang mich doch …!“ – Spiel der Viren mit der Welt?

Ja, schreib ruhig: Gott wird alles zum Guten führen, Gott verlässt nicht, Gott ist gerecht und hilft.

Und dann lachen die Menschen, zeigen dir einen Vogel und sagen: du und dein Gott!

Und stellen die Frage: WARUM – lässt er das zu ? Das Leid, das Unrecht, das Böse?

Und alle, die sich von niemandem reinreden lassen wollen in ihr Leben, weil es schließlich – gerade jetzt und in diesen Zeiten – IHNEN SELBST gehört … möchten, dass Gott da mal für Ordnung sorgt und zwar richtig.

Und ja, auch ich komme nicht umhin, immer wieder diese Warum-Frage zu stellen und – an ihr zu scheitern, weil es keine Antwort gibt, so sehr man sich theologisch an ihr abarbeitet. Manch einer resigniert und manch einer protestiert und …. ich ?

Ich streiche das zerknitterte Kalenderblatt glatt, was seit Jahrzehnten in meinem abgewetzten Portemonnaie klemmt, auf dem steht: Die Geschichte meines Lebens wird der Welt sagen, was sie mir sagt: Es gibt einen liebevollen Gott, der alles zum Besten führt.“ H. Ch. Andersen

Glauben ist ein großes gelebtes TROTZDEM. Und so schreibe ich trotzig: „So schönes Wetter – und ich noch dabei“. Wie oft habe ich schon spüren dürfen, dass die Sonne auch dann scheint, wenn ich sie nicht sehe. TROTZDEM!

Und TROTZDEM ziehe ich traurig die Gummistiefel an, gehe mit dem Hund in den matschigen Park und weine eine Runde, weil man es im Regen nicht sieht … und weil das manchmal sein muss und sein darf … bis ich den liebevollen Blick von Jesus wieder spüre, der um all das weiß …

Am nächsten Tag (1.2.22) schlage ich mein Morgenbüchlein auf und lese: „Jesus fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!“ Markusevangelium 5,41-42

Und auch wenn ich längst kein Mädchen mehr bin, fallen mir diese weichen Worte ins Herz: Talita kum! Und ich weiß, dass Gott mir gerade die Hand gereicht hat …

Vielleicht helfen auch Ihnen diese Worte durch den Tag, durch das Wetter, durch das Leben: Talita kum! – auch wenn Sie kein Mädchen sind.

Das wünscht von Herzen Ihre /Eure Claudia Krenzlin

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