17.02.21 – Mehr MIT als OHNE

Heute beginnt die Fastenzeit. Wenn ich in letzter Zeit auf das Thema zu sprechen kam, schlug mir oft eine ungewohnte Unlust entgegen – ist doch normalerweise inzwischen das Fasten selbst unter Menschen, die sich als unreligiös oder nichtkirchlich bezeichnen, erstaunlich populär geworden. Als eine Form der inneren Einkehr, der Zeit für sich selbst in Form von Meditation oder Yoga genießt das Fasten den Ruf, gesund für Leib und Seele zu sein. Nicht zuletzt als Verzicht auf ungesunde Lebensweise und Ernährung. Ob mit oder ohne Gottesbezug.
In diesem Jahr aber spüre ich eine gewisse Müdigkeit am Verzichten. Entbehren wir nicht schon seit Monaten Lebensfreude und vieles von dem, was uns gut tut? Und jetzt will mir auch noch einer mein Bier nehmen? Nee, lass mal. Und noch mehr Zeit mit und für mich selbst brauch ich grade wirklich auch nicht. Nach dem Gegenteil sehne ich mich: Ich will Menschen um mich, ich will das volle Leben, ich will wieder feiern, Freunden in den Armen liegen! Ich will wieder hinaus ins Leben, will Reisen, will Musik, Tanz und Theater, ich will essen und trinken nach Lust und Laune und Lebendigkeit wieder spüren! Nein, ich will nicht mehr verzichten. Schlechtes Timing also?
Nein, im Gegenteil. Gerade deshalb, weil ich das Gefühl habe, auf soviel Schönes zu verzichten, lohnt es sich, die Fastenzeit zu einer besonderen Zeit „mit“, nicht „ohne“ zu machen. Was tut mir, was tut dem anderen gut? Was tut uns als Paar, als Familie gut? Wo schöpfe ich Kraft und Energie? Wo finde ich Zeit, mich von Gott finden und berühren zu lassen? Sind es Texte, die ich seit langem nicht gelesen habe, die gute Musik, wenn die Kinder abends im Bett, sind, der Weg durch die Natur ganz allein, nur mit meinen Gedanken? Ist es der Sport, die Radtour oder die Laufrunde? Ist es das Schreiben, das Zeichnen, oder das Gebet?
Ich will die diesjährige Fastenzeit nicht ignorieren. Aber versuchen, sie mit mehr „mit“ und mit weniger „ohne“ zu füllen.

Johanna Stein

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