Kommt her und sehet …. – 09.Fenruar 2022

Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.“

Psalm 66,5

Was geht in mir vor, wenn ich diese Zeilen des Wochenspruches lese? Ein sehr zwielichtiges Gefühl.

Zuallererst kann ich es nur bejahen und denke spontan an meine Kinder, meine Enkelkinder. Menschenkinder sind ein Wunder, das erfahre ich immer und immer wieder. Wenn ein Kind geboren wird, kann ich nur an dieses Wunder der Menschwerdung denken. Alles ist „organisiert“ und alles ist nicht wirklich mit unserem menschlichen Verstand begreifbar. Aus Zellen entsteht ein Leben, ein Lebewesen, ein Menschenkind.

Und wenn ich weiter schaue, ist alles da, was wir Menschen brauchen: die Luft zum Atmen, die Natur zum Leben, der Vorrat an Nahrung, die menschliche Gemeinschaft, die Intelligenz, das Leben zu meistern.

Eigentlich könnte ich jetzt meine Gedanken dazu enden lassen – und es wäre gut.

Aber fast gleichzeitig sehe und höre ich die Widersprüche, den Zweifel.

Ist wirklich alles so wunderbar?

Es gibt so viel Leid, so viel gefühlte Ungerechtigkeit, so viel Schmerz, so viel menschliches Versagen, so viel nicht Begreifbares, so viel Verzweiflung, so viel Unvollendetes, so viel Hass, Wut, Gewalt, Böses, so Vieles, was wir als kein wunderbares Tun ansehen.

Ist das auch ein Werk Gottes, welches wir uns ansehen sollen?

Der Beter des Psalm 66 hat ein Danklied für Gottes wunderbare Führung geschrieben. Es ist ein großer, ein wunderbarer ehrfürchtiger Dank. Und doch schreibt er auch, dass Gott uns prüft und läutert, uns Lasten auferlegt, uns untertänig sein und uns in Feuer und Wasser geraten lässt. Aber der Beter lässt sich nicht abbringen von seinem Dank. Er schreibt auch: Kommt her, höret zu, alle, die ihr Gott fürchtet, ich will erzählen, was er an mir getan hat.

Und genau dieser Satz: „was er an mir getan hat“, ist der, der mich den oben stehenden Text bejahen lässt. Die Werke müssen für mich nicht begreifbar sein, meist sind sie es auch wirklich nicht. Aber ich bin da. Ich lebe ein, mein, Leben. Ich sehe, fühle, höre, spüre, begreife das Leben um mich herum. Ich bin glücklich und froh, und ich zweifle und bin mit so vielem nicht einverstanden. Ich fühl mich lebendig und gesund, und ich fühl mich ausgelaugt, krank und matt. Aber es ist so für mich vorgesehen. Ich sollte es annehmen und mein Leben damit aus-füllen.

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Dieses „Vorgesehen“, dieses „Wunder“ ist es, was wir uns ansehen sollen.

Und dann können wir auch unseren eigenen Psalm, unser eigenes Danklied anstimmen.

Das Bild hat einer meiner Enkelsöhne von sich selber gemalt, voller eigener Emotionen.

Baberina Müller

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