Vaterunser im Himmelreich EG 344

Das Lied „Vater unser im Himmelreich“ entstand 1538 und wurde ein Jahr später im Leipziger Gesangbuch Valentin Schumanns gedruckt. Martin Luther schrieb es als Nachdichtung seiner Erklärungen zum Vaterunser im Kleinen Katechismus, wobei er auf eine Melodie „Tischsegen des Mönchs von Salzburg“ aus dem Gesangbuch der Böhmischen Brüder von 1531 zurückgriff. Das ganze Lied ist ein von Mt 6, 9-12 beziehungsweise Lk 11,2-4 übernommenes Gebet und zugleich eine Reflexion über dieses Gebet der Gebete; im Singen betend und lehrend. Insgesamt schlägt das Lied einen großen Bogen vom Vater im Himmelreich zum Menschen in seiner täglichen irdischen Not und wieder zurück zur Seel in Gottes Händen. Die mehrfachen Korrekturen Luthers zeigen, wie wohlüberlegt Aufbau und Wortwahl des Liedes sind.

Sofort nach seiner Entstehung erfuhr das Lied große Beachtung und Verbreitung. Schon früh druckten es auch katholische Gesangbücher ab. Auch regte das Lied zahlreiche Komponisten zu Bearbeitungen und Variationen an.

Johann Sebastian Bach komponierte mehrere Choralvorspiele und Choralsätze. Eines der bekanntesten entstammt dem Orgelbüchlein (BWV 636). Dieses Kompendium von Choralbearbeitungen kleinsten Formats gehört heute zum Standardrepertoire der meisten Organisten. In Weimar niedergeschrieben, lässt sich über die näheren Entstehungshintergründe wie auch über die Datierung der einzelnen Einträge nur spekulieren. Interessant ist der Vergleich der Bearbeitung mit der einzeln überlieferten Bearbeitung des Chorals (BWV 737). Während letzterer große Ruhe ausstrahlt und den Cantus firmus mal fugiert und mal im Sopran mit Zwischenspielen verarbeitet, ist die Bearbeitung aus dem Orgelbüchlein viel kompakter gehalten und besteht aus einer einzelnen Strophe eines durchlaufenden Sopran-cantus-firmus. Dagegen setzt Bach in den drei Unterstimmen kunstvoll Kreuzmotive.

BWV 636 Vater unser im Himmelreich
BWV 245 Choralsatz aus der Johannespassion
BWV 737 Vater unser im Himmelreich

Orgel: Andreas Mitschke an der Eule-Orgel der Taborkirche

 

 

 

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