Wir pflügen und wir streuen“ (Evangelisches Gesangbuch Nr.508)

Das Lied ist auf eine ursprüngliche Dichtung von Matthias Claudius zurückzuführen:

Paul Erdmanns Fest. In dieser Dichtung wird beschrieben, wie ein Bauer namens Erdmann mit Nachbarn und dem adeligen Ortsherren das 50jährige Jubiläum seiner Hofübernahme feiert.

Es wird gelacht, gegessen und getrunken. Und es werden Gespräche geführt, die man als Gespräche über Gott und die Welt beschreiben kann. Dabei geht es um Besitztum und Verantwortung, Kirche und Adel, Vorrechte und gegenseitige Achtung. Auf dem Höhepunkt des Festes stimmen die Gäste ein Lied an, das Bauernlied, welches die Grundlage für unser Lied bildet. Es beginnt mit einem Wechselgesang zwischen Vorsänger (V) und Chor (C):

V: Am Anfang wars auf Erden nur finster, wüst und leer;

und sollt was sein und werden, mußt´ es wo anders her.

C: Alle Bauern.

Alle gute Gabe kam oben her von Gott,

vom schönen blauen Himmel herab!

V: So ist es hergegangen im Anfang als Gott sprach;

und wie sich´s angefangen, so geht´s noch diesen Tag.

C: Alle gute Gabe kömmt oben her, von Gott,

vom schönen blauen Himmel herab.

Im weiteren Verlauf des Bauernliedes klingen dann die uns bekannten Strophen an. Aber dann auch uns nicht überlieferte Worte:

Auch Frommsein und Vertrauen, und stiller edler Sinn,

ihm flehn, und auf ihn schauen, kömmt alles uns durch ihn.

Er gehet ungesehen im Dorfe um und wacht,

und rührt die herzlich flehen im Schlafe an bei Nacht.

Schließlich stimmen die Gäste als besondere Überraschung einige gedichtete Strophen auf Bauer Erdmann an. Bewegt bedankt sich dieser dafür mit folgenden Worten:

Nachbarn! Ich danke euch! Gott lasse einen jeden von euch den Tag auch erleben, und gebe ihm denn auch solche Nachbarn als er mir gegeben hat.

Durch den Ursprung des Liedes verdeutlichen sich neue Zusammenhänge. Das Lied kann anregen, eigenes Reden und Handeln immer wieder neu auszurichten. Am Rande eines Festes entstehen Gespräche. Inmitten von Freude und Dankbarkeit wird nicht vergessen, was nachbarschaftlich und mitmenschlich auf der Tagesordnung steht. Fülle und Wohlergehen haben auch immer ein Gegenüber. Schön, wenn es gute Nachbarn und Mitmenschen gibt. Und dabei kann uns bewusst sein, dass Nachbarschaft weit gefasst werden kann.

Stephan Paul Audersch, 9.September 2021

Aufnahme:
Barbara Kroll-Hiecke, Flöte
Hans-Martin Schlegel, Trompete
Constanze Hirsch, Gesang
Andreas Mitschke, Klavier