Schwerter zu Pflugscharen! (Es wird sein – EG426)

Wer die DDR noch aktiv erlebt hat, erinnert sich bestimmt an die runden Aufnäher mit diesem Satz. In der Mitte war ein Mann abgebildet, der mit kraftvollen Schlägen ein Schwert zum Pflugschar umarbeitet. Die Vorlage dieser Graphik stammte von Jewgeni Wutschetitsch – eine Bronzeskulptur, die seit 1959 als Geschenk der Sowjetunion im Garten des UNO-Hauptgebäudes in New York steht – und ein zweites mal vor der Tretjakow-Galerie in Moskau. Die Ökumenische Friedensdekade hatte bei ihrer Gründung 1980 das Motiv und den Bibelvers aus Micha 4,3 zu ihrem Leitmotiv gemacht. Die Staatsmacht der DDR fühlte sich provoziert und bedroht von den Friedensbewegten, die den Aufnäher auf ihren Jacken trugen und reagierte dementsprechend repressiv. So wurde es gleichermaßen zu einem Hoffnungs- und zu einem Bekenntniszeichen. Manfred Schlenker – „wahres Urgestein und leidenschaftlichen Förderer der zeitgenössischen Kirchenmusik“ (so beschrieben anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 2017) komponierte damals eine Melodie, die heute im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 426 zu finden ist: Es wird sein in den letzten Tagen. Auch dort geht es um die Vision eines Friedensreiches, in dem die Schwerter zu Pflugscharen werden. Den Text hatte Walter Schulz gedichtet nach Jesaja 2, 2-5. Am drittletzten Sonntag des Kirchenjahres, dem Beginn der jährlichen Friedensdekaden, ist es eines der beiden möglichen Wochenlieder. In unseren Gottesdiensten scheint es dennoch nicht recht verwurzelt zu sein – leider. Denn die politischen Verhältnisse wögen heute wohl sehr verschieden sein von denen vor 50 Jahren. Aber Schwerter und Waffen aller Art, die das friedliche Zusammenleben der Menschen behindern, gibt es nach wie vor ohne Zahl. Manche existieren nur in unseren Gedanken und können dennoch verletzen und töten. Die jährliche Friedensdekade ist als Hoffnungszeichen heute so nötig wie damals. Und als Vergewisserung all jener, die sich mit Krieg und Leid nicht abfinden wollen und können. In der dritten Strophe fragt das Lied danach, was die alte biblische Vision mit unserem Leben zu tun haben könnte. Es spricht von Mut, von Wagnis, von Zuversicht. Vielleicht haben wir sie neugierig gemacht und sie schauen selbst in den Text und fragen sich: Was ist meine Hoffnung? Was ist mein Bekenntnis?

Hans-Martin Schlegel

 

 

Ausführende:
Gesang: Constanze Hirsch
Flöte: Barbara Kroll-Hiecke
Posaune: Hans-Martin Schlegel
Klavier: Stephan Paul Audersch