Eine Frage – 23.Februar 2022

Vor einer Woche lief das MittWort auf eine Frage hinaus. Ob wir „eine Ahnung haben, wo und wie man seinen Glauben schärfen kann“? Wir wurden eingeladen, darauf zu antworten. Auf der Website der Taborkirche gibt es dazu die Möglichkeit. Dort lädt ein Kommentarfeld ein, auf das MittWort eine AntWort zu schreiben.

Doch es war, wie es fast immer ist: Es gab keine AntWort.

Dabei haben wir doch am letzten Sonntag im Gottesdienst vom Wort Gottes, um das es hier geht und das so scharf und lebendig sein soll, gehört: „Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen.“ (Jes 55,11)

Oder ist das eine unberechtigte (um nicht zu sagen: anmaßende) Verknüpfung?

Oder ist es einfach so, dass sich viele nicht trauen, etwas ins Internet zu schreiben, weil ihnen das doch irgendwie nicht so recht geheuer ist?

Statt einer AnWort stellen sich also weitere Fragen.

Sie mögen etwas provozierend klingen.

Ja, ich will hier auch (jetzt wollen meine ängstlichen Finger fast automatisch „ein wenig“ schreiben) „provozieren“.

Und das ist auch schon meine persönliche Haupt-AntWort auf die im letzten MittWort gestellte Frage, „wie man seinen Glauben schärfen kann: Indem man sich provozieren lässt!

Dieses Wort hat bei uns einen eindeutig negativen Klang. Eine „Provokation“ – das klingt wie eine Beleidigung, wie ein Angriff, wie der Vorwand oder Beginn zu einem Streit und Krieg.

Aber das Wort bedeutet in seinem ursprünglichen Sinn: „etwas hervorrufen. Kann und muss das denn immer nur etwas Schlechtes oder Böses sein??

Und Gott sprach: Es werde Licht!“ (1Mose1,3). Das ist die allererste Provokation, die wir – bitte schön! – auch sinnbildlich verstehen dürfen. Nicht auszudenken, wenn statt dessen jemand „Och nö…“ gesagt hätte!

Dass die Frage, „wie man seinen Glauben schärfen kann“, überhaupt gestellt wird und gestellt werden muss, weist uns doch wohl darauf hin, wie es heute um unseren Glauben bestellt ist.

Nicht, dass wir keinen Glauben hätten!

Aber behandeln wir ihn nicht sehr oft wie das ererbte Silberbesteck unserer Urgroßeltern? Dieses liegt wohl verwahrt in seinem mit edlem Samt ausgeschlagenen Kästchen. Es ist im Laufe der Zeit schwarz angelaufen, und schneiden lässt sich mit den Messern, wenn man sie wirklich einmal benutzen wollte, meistens nur schlecht.

Und ohne Bild gesprochen? Wir gehen am Sonntag in den Gottesdienst, hören eine Auslegung von Gottes Wort, sagen hinterher „Ja, schön!“ oder auch „Naja…“ Und dann reden wir vor der Kirchentür über alles Andere, aber kaum über das Gehörte und unseren Glauben. Es mag Ausnahmen geben, aber das dürfte wohl die Regel sein.

Gehört das, was wir glauben, heute in den menschlichen Intim- und Schambereich?

Ist es ein Tabubruch, darüber außerhalb von kirchlich kanalisierten Kommunikationswegen ein Gespräch zu beginnen? Haben wir Angst, uns damit zu entblößen und bei anderen Befremden auszulösen?

Leiden wir vielleicht an einer Art Vermeidungszwang, der uns schließlich zu der scheinbar entlastenden Gegenfrage verführt: „Ist es denn wirklich so nötig, den guten alten Glauben zu schärfen?

Natürlich muss und soll sich niemand gezwungen fühlen, auf diese Fragen und Provokationen öffentlich im Internet zu antworten, wenn er oder sie sich dabei nicht wohlfühlt. Das wäre eine wirklich unverschämte und ziemlich unbarmherzige Forderung! Aber wenn es ein paar Beherzte gäbe, die eine AntWort wagen würden… Das könnte aus meiner Sicht dazu beitragen, unseren Glauben zu schärfen, und auch eine beispielgebende, befreiende Wirkung haben.

Gäbe, würde, könnte?
Ja, warum denn nicht? Hat Glauben nicht auch damit zu tun, über das, was ist, hinauszudenken?

Herzlichst und in Hoffnung grüßt Sie

Ihr Heinz Schneemann

 

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