… das Feld sei fröhlich – 12.Januar 2022

 

„… das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; und lasst rühmen alle Bäume im Walde…“

Psalm 96/12

Dieser Vers kam mir in den Sinn, als ich mit einer sehr guten Freundin vor nicht allzu langer Zeit den FriedWald Planitzwald aufsuchte.

Wir sind nicht zufällig dorthin gegangen, sondern wir suchten ganz bewusst diesen so stillen Ort. Die schwere Krankheit meiner Freundin lässt solche „Ausflüge“ zu, sie bedingt sie geradezu. Unsere Gedanken sind unterschiedlich, und wir sind froh, dass wir offen miteinander reden können. Ich bewundere ihren Mut, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Sie ist froh, dass ich sie begleite, denn ihre Nächsten sind, sagen wir mal, zurückhaltend in dieser Thematik.

Fast drei Stunden sind wir bei angenehmer klarer kalter Luft, aber auch bei Sonnenschein, bis es zu dämmern anfing, durch die verschiedenen Abteilungen gelaufen. Diese waren durch verschiedene Baumarten mal dicht bewachsen, mal ließen sie viel Licht durch. Wie wird es dort im Frühjahr, im Sommer aussehen, wenn die Bäume Laub tragen? Viele Namen, teils mit Geburts- und Sterbejahren, lasen wir an den Bäumen – und erfanden Geschichten dazu. Am Andachtsplatz ließen wir uns nieder, hörten dem Gezwitscher der Vögel zu und ruhten uns aus. Ein Meditationsweg führte uns zu einer Schutzhütte. Unser gemeinsamer Tag war ein schöner, ein wunderschöner.

Immer schon, seit unserer gemeinsamen Kindheit, gehen wir gern in den Wald. Der Wald ist uns nah, was der Grund der Suche wohl auch ist. Aber wir haben auch bemerkt, dass es nicht einfach ist, sich für diesen oder einen anderen Ort zu entscheiden. Da kommen verschiedene Gedanken auf, ein Für und Wider. Eigentlich möchte man sich doch nicht entscheiden und möchte noch lange die Möglichkeit zur Entscheidung haben.

Und dann kommt mir wieder dieser Psalmvers in den Sinn. Ich weiß, dass er anders gemeint ist, aber ich lese darin Tröstliches. Da ist vom Feld und vom Wald die Rede, ein fröhliches Feld, ein Wald voll rühmender Bäume. Das heißt für mich, jede Entscheidung ist richtig, überall gehöre ich zur Natur – und Gott ist sowieso überall.

Dass ich heute vom FriedWald schreibe hängt auch damit zusammen, dass meine Freundin heute ihren Geburtstag feiern darf. Das ist ein großes Geschenk. Und dafür dürfen die Felder und Bäume jubeln und rühmen.

 

Baberina Müller  (Foto: privat)

 

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