15.04.2021 – Gott liebt Tango!

Gott liebt Tango!

Langanhaltender Applaus. Soeben bekannten Besucher*innen mit dem 1600 Jahre alten Apostolischen Glaubensbekenntnis ihren christlichen Glauben. Das Tangotänzerpaar Angela Sallat und Andreas Küttner tanzten das Credo aus der Misa a Buenos Aires von Martín Palmeri (1996).

Foto: Markus Eckardt

Ein Bekenntnis vereint Menschen, die sich zu einem Sachverhalt verständigt haben. Ein Bekenntnis stellt klar und grenzt aus.

Ich glaube an Gott, den Vater… an Jesus Christus, seinen Sohn…. Und an den Heiligen Geist.

Das Paar tanzt mit einer ausdrucksstarken Haltung, kommuniziert in Gestik, Mimik und einer klaren Körpersprache miteinander. Beide nehmen sich mit jedem neuen Schritt und in jeder Bewegung mit auf den Weg durch das Credo. Ja, eigentlich ist es ein Weg durch das Leben. Ich bin in dieser Welt gewollt. Ich bin getragen in Not, bejubelt im Glück, begleitet im Tod, mit Ewigkeit beschenkt und in Gemeinschaft geborgen. Die alten Worte beginnen zu schwingen und öffnen sich. Alles wird zu einer Einladung Gottes. Eine Haltung zeigen für das Leben.

Aufeinander hören und miteinander reden, damit wir uns nicht fremd bleiben.

Sich öffnen für die Fragen der Zeit.

Der Tanz öffnete begrenzte Herzen und Sichtweisen. Schritt für Schritt!

Gott liebt Tango!

Martin Staemmler-Michael

 

14.06.2021 – Wie Flügel

Rot ist die Ampel an der Kreuzung, blau sind die Klamotten des Jungen. 12 ist er – oder erst 10, vielleicht?

Der Mann, der von hinten auf ihn zurennt, trägt Bart, seine Brille wackelt, so sehr beeilt er sich.

“Hier!” ist alles, wozu sein Atem noch reicht.

Der kleine Junge breitet seine Arme aus wie Flügel. Turnbeutel-Schlaufen gleiten über Kinderarme.

Ein Himmelreich auf Erden ist das Lächeln in den Augen des Vaters, der immer noch um Luft ringt.

Die Ampel schaltet auf Grün.

PATRIK SCHWARZ

13.06.2021 – Perfekt oder kompatibel?

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Mat11,28).

Dieses Jesuswort begleitet uns als Spruch in die neuen Woche.

Das klingt einladend. Wir haben doch alle unser Päckchen zu tragen. Gegen Erquickung und Entlastung wird wohl niemand etwas einzuwenden haben. Und wenn Jesus das anbietet, dann ist es sicher auch kein billiger Werbetrick, bei dem uns wieder so ein supergünstiges Abo aufgeschwatzt wird, dass unser Leben in kürzester Zeit nachhaltig verändern soll.

Aber eine Frage muss ich doch stellen: Wie ist das genau zu verstehen, und wie soll es funktionieren?

 

Bei der Suche nach einer Antwort stoße ich zunächst auf die Frage nach der angemessenen Übersetzung aus dem griechischen Urtext. Luthers Übersetzung ist uns zwar recht lieb und vertraut geworden, aber sie trifft in diesem Fall doch nicht so ganz den Kern der Sache.

Die wörtliche Übersetzung heißt: Kommt zu mir, alle, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, und ich werde euch Ruhe verschaffen.
Damit spielt Jesus auf die Lasten an, die den Menschen seiner Zeit mit den vielen religiösen Gesetzen und Vorschriften auferlegt waren. Sie wurden mit einem Joch verglichen, unter dem Lasttiere ihre tägliche Arbeit verrichten mussten.

Das wird auch durch die beiden folgenden Verse in der Lutherbibel bestätigt: Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. (Mat11,29f.)

 

Haben wir dem Vers mit dieser Erklärung seine erquickende Verlockung und Frische genommen? Schließlich leben und leiden wir doch heute nicht mehr unter diesem Joch des (religiösen) Gesetzes?

Im engeren Sinne stimmt das wohl, doch jetzt kommt ein großes ABER: In unserer Gesellschaft gibt es längst ein neues Joch, das weite Teile des öffentlichen wie des privaten Lebens bestimmt – das Joch des Perfektionismus. Glauben und essen dürfen alle, was sie wollen, aber was man sagt und tut, das muss passen und klappen und stimmen.

 

Ich denke da zum Beispiel an junge Paare, die den schönsten Tag ihres Lebens bis ins kleinste Detail vorbereiten und dabei weder Kosten noch Mühe scheuen. Und dann genügt schon eine sprichwörtliche Regenwolke, die aus einer Mücke einen Elefanten werden lassen und alles zum Platzen bringen kann…

 

Im Evangelium für den 2. Sonntag nach Trinitatis aus Lukas 14,16-24 zeigt Jesus, dass Gott da ganz anders denkt und handelt: Das Fest wird gefeiert, auch wenn zunächst alles schief zu gehen scheint und die wichtigsten Gäste absagen. Die Einladung gilt und geht weiter. Kommt, auch wenn ihr nicht perfekt seid!

 

Die Geschichte scheint sich zu wiederholen: Perfektionisten haben es besonders schwer, weil sie es sich besonders schwer machen.

Es ist wohl wieder einmal Zeit zum Umdenken.
Was könnte die Alternative zu unserem heutigen Perfektionismus sein? Mir fällt dazu das Wort kompatibel ein. Entscheidend und wichtig ist nicht, dass ich perfekt bin. Aber ich möchte kompatibel sein – im Sinne von passend und verträglich und zuträglich – in meiner Beziehung und Familie, im Freundeskreis und in der Gemeinde, in der Nachbarschaft und in unserer Gesellschaft und – nicht zu vergessen: auch mir selbst und Gott gegenüber.

 

Ich verstehe den Wochenspruch als Jesu Einladung zum Umdenken in diese Richtung: Wo wir es wagen, mehr auf Kompatibilität als auf Perfektionismus zu setzen, da wird das Leben für alle erquicklicher.

Einen gesegneten Sonntag und eine erquickliche neue Woche wünscht Ihnen

Ihr Heinz Schneemann

12.06.2021 – Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind. (2. Kor. 1,-3)

Am vergangenen Wochenende durfte ich zwei Gottesdienste mitgestalten. Meine Predigt sollte durchaus nachdenkenswert, aber auch heiter sein. Ich war ja auch nachdenklich und heiter. Das Lied, welches in der Predigt zum Mittelpunkt wurde (kein Kirchenlied, sondern ein Schlager aus den 60er Jahren – oje :-)) war nachdenkenswert, aber auch heiter.

Es waren schöne Gottesdienste, es gab gute, fröhliche Rückmeldungen. Ich war glücklich.

Nach dem zweiten Gottesdienst winkte mir eine Frau zu und ich trat zu ihr. Die Augen über der Maske sahen mich an. Groß und dunkel. Die Haut ringsum war bleich. „Geht es ihnen nicht gut?“ fragte ich besorgt. „Nein, gar nicht“ sagte sie. „Dieses Lied, um das sich ihre Worte drehten, hat so unendlich viel in mir aufgewühlt, der Gottesdienst wurde mir zur Qual.“

Ich bin zutiefst erschrocken. Meine Freude wandelte sich in einen schweren Kloß, der sich auf mein Herz legte. Das war doch nicht das, was ich wollte. Wir sprachen noch eine Weile miteinander. Zwischen uns war alles gut. Sie wusste ja, dass ich keine böse Absicht hegte.

Aber mir hing es an. Da wollte ich Gutes, Heiteres – und sah Tränen und Traurigkeit.

Am Nachmittag ging ich über einen Friedhof. Das Vogelzwitschern, der herrlich blühende Rhododendron, das satte Grün – alles tat mir gut. Natürlich betrachtete ich auch die Grabsteine. An diesem blieb mein Blick haften.

(Foto: privat)

Die trauernde Frau stützt sich auf. Die Namen derer, um die sie trauert, sind nicht mehr leserlich. Aber ganz deutlich zu lesen sind die Worte: „Gott ist die Liebe“.

Ja“, dachte ich. „Das ist das, was bleibt. Das ist das Wichtigste. Meine Worte vergehen wie die Namen auf dem Stein, so wichtig sie mir erschienen. Manches Wort war gut, manches schmerzhaft. Alles hat seine Zeit. Aber was beständig ist, ist Gottes Liebe. Und er vermag alles zu wandeln, auch das, was ich – unbefangen –‚angerichtet‘ habe.“

Ich war in diesem Moment so beruhigt und getröstet. Und ich wusste, so lange ich getröstet werde von Gott, kann auch mein Tun und Lassen, mein Reden und Schweigen Gutes bewirken und bestenfalls trösten, auch wenn es manchmal nicht danach aussieht.

Am anderen Morgen schlug ich mein Büchlein auf, welches mir zur Losung oft gute Texte schenkt. Dort stand:

Wenn man glücklich ist, so gibt es noch viel zu tun: das Trösten der anderen.

Jules Renard (franz. Schriftsteller)

Da war ich doch wieder so glücklich …. Möge mir und dir und uns allen, immer Gottes Trost zu teil werden. Möge Gottes Liebe uns allen so spürbar bleiben. Damit in uns die Kraft zum Trösten ist und wächst.

Claudia Krenzlin

 

11.06.2021 – Im Land der rollenden Steine

 

Sollten Sie einmal in Südtirol sein und auf’s wunderbare Stilfser Joch hinauffahren wollen, dann planen Sie doch einen Halt im kleinen Ort Prad, direkt am Fuß der Berge ein, um den Lorenz Kuntner, einen sehr originellen Bildhauer und Dichter zu besuchen. Sie können ihn gar nicht verfehlen, denn sein weitläufiges Anwesen liegt gleich an der Hauptstraße. Da fließt der Bach, der ihm unerschöpfliche Mengen an runden Steinen aus dem Gebirge mitbringt, aus denen er seine überraschenden, teilweise skurrilen Werke zaubert. Zu Hunderten stehen sie dort im Freien aufgestellt. Einige kann man kaufen, doch gern trennt er sich nicht von seinen Lieblingen. Aber bewundern lässt er sie sehr gern, und es ist einfach eine Freude, mit ihm über Gott und die Welt in’s Gespräch zu kommen. Nein, er ist kein Schwätzer, aber ein großartig bodenständiger Mensch, der sich unglaublich viele Gedanken über das Leben macht. Ich gebe Ihnen eine Seite aus einem seiner Bücher zum Mitfreuen und Mitdenken.

Ihr Günther Jacob

Aus: Lorenz Kuntner, Im Land der rollenden Steine
Eigenverlag 2010, L.K., Hauptstraße 129, I-39026 Prad am Stilfserjoch

10.06.2021 – Kennen Sie sie (noch)?

Ich hab sie geliebt, die Kindergottesdienste, die in meiner Kindheit immer nach dem Hauptgottesdienst stattfanden. Auf dem Weg zur Kirche begegneten wir unseren Eltern, die auf dem Heimweg waren.

Ganz besonders freute ich mich jedes Mal auf das kleine Geschenk zum Abschluss. Wir konnten uns aus dem großen Angebot etwas aussuchen. Die Leporellos gefielen mir am besten, aber auch die Bilderbögen und einzelnen Bilder und Kärtchen.

Am 1. Advent gab es ein ganz besonderes Geschenk, den Christlichen Kinderkalender. Eigentlich war es nicht ein Kalender im eigentlichen Sinne, sondern ein Büchlein mit Geschichten, Gedichten, Bastelideen und vielem mehr. Ein Büchlein für das ganze kommende Kirchenjahr. Ich fand es immer spannend und hab es Seite für Seite durchgelesen.

Meine Sammlung konnte ich stetig vergrößern, da wir uns auch nach der Christenlehre, dem Kinderkreis und Veranstaltungen für Kinder solch ein Geschenk aussuchen durften.

Ob es diese Dinge immer noch gibt? Wenn ja, dann werden sie wohl anders aussehen, moderner. Und so kontinuierlich werden sie wohl auch nicht mehr verschenkt.

(Foto: privat)

Ich hab alles gehütet wie einen Schatz, bis zum heutigen Tag. Sie sehen es auf dem Foto, obwohl ich da nur eine kleine Auswahl getroffen habe. Nichts davon könnte ich wegwerfen. Meinen Stolz, den ich als Kind beim Vervollständigen der Sammlung verspürte, und meine Freude über jedes einzelne Teil spüre ich immer noch. Natürlich liegt alles jetzt in einer Kiste und diese hol ich nun nicht ständig hervor. Aber ich weiß wo sie steht und kann die Dinge verwenden.

An den Tauf-Gedenktagen meiner Kinder habe ich ihnen ein Leporello aus meiner Sammlung als Geschenk auf den Frühstückstisch gelegt. Mit meinen Enkelkindern will ich den Schatz nun nutzen um ab und zu ein Teil gemeinsam rauszusuchen und vielleicht die Geschichte, die darauf zu sehen ist, zu erzählen. Sicher werden dabei auch in mir wieder Erinnerungen wach.

Und ist das nicht auch wieder ein Schatz?

Baberina Müller

09.06.2021 –  Erwachsene Versager

Nehmt das Reich Gottes auf wie die Kinder“ (MK 10,15). Gute Nachricht für Chaoten und Versager! Kinder leben nicht nach der Uhr, sie sind verspielt, abenteuerlustig, sind alles andere als gut organisiert und wenn sie auf die Nase fallen, stehen sie einfach wieder auf. So kommen sie ins Reich Gottes.

Geistlich Erwachsen zu werden bedeutet für mich, in ganz kleinen, kaum wahrnehmbaren Schritten weniger chaotisch zu werden, aber das ist nur ein Nebenaspekt. Viel wichtiger ist es, dass ich die Unvollkommenheit des Lebens anerkenne. Ich bin ehrlich mit mir selbst, mit meinen Gefühlen, mit meiner Angst, meinen Enttäuschungen und mit meinem Versagen. Ich erkenne mich und meine Grenzen an, denn ich habe mein Leben nach wie vor nicht im Griff. Ich komme als unaufhörlicher Versager und Sünder zu Gott, der mich jeden Tag neu mit liebevollen offenen Armen erwartet. So ermutigt mich Gott, mit den Menschen um mich herum ebenso umzugehen. Ihre Unvollkommenheit ist meine Chance Barmherzigkeit und Liebe zu leben. Eine Liedzeile aus dem Lied „Grace“ der irischen Band U2 beschreibt diese Realität:

Grace makes beauty out of ugly things, Grace finds beauty in everything” (Gnade lässt aus hässlichen Dingen etwas Schönes werden, Gnade entdeckt Schönheit in allen Dingen). Der heutige Tag ist eine Einladung, als Erwachsener von Gottes Gnade zu leben.

 

Volker Klein

08.06.2021 – Frieden und Gerechtigkeit

 

Frieden mache ich zu deiner Wache und Gerechtigkeit zu deiner Obrigkeit.“ Jesaia 60, 17, Tageslosung für den 08.06.2021

(Foto: privat)

Der heutige Losungstext stammt aus der Zeit, als viele Menschen jüdischen Glaubens aus dem babylonischen Exil nach Jerusalem zurückgekehrt waren. Mit einer ungeheuren poetischen Kraft reiht sich im 60. Kapitel des Jesajabuchs Verheißung an Verheißung. In Vers 17 folgt auf bildhafte Versprechungen materiellen Wohlergehens die immaterielle Verheißung, die Gegenstand der heutigen Losung ist und in der Lutherübersetzung 2017 so lautet: „Und ich will den Frieden zu deiner Obrigkeit machen und die Gerechtigkeit zu deinem Herrscher.“. Sie mündet im nächsten Vers in „Man soll nicht mehr von Frevel hören in deinem Lande noch von Schaden oder Verderben in deinen Grenzen, sondern deine Mauern sollen »Heil« und deine Tore »Lob« heißen.“ Der Text zeigt, bedeutender als materielle Versprechungen sind Frieden zusammen mit Gerechtigkeit.

Wichtig scheint mir hier der Zusammenklang von Frieden und Gerechtigkeit. Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Streit. Frieden ist eine grundlegende Voraussetzung für das menschliche Zusammenleben. Daher wird dem Frieden zu Liebe nur zu gern die Gerechtigkeit, der zweite wichtige Begriff aus unserer Tageslosung, vernachlässigt. Aus Furcht vor Chaos finden sich Menschen mit Ungerechtigkeit ab. Wo das ausgenutzt wird, können Gesellschaften zu Diktaturen werden. Dabei muss ich an Belarus denken, ein Land in dem sich der Präsident mit einer Wahlfälschung an der Macht halten will und Menschen viel riskieren, um dagegen zu protestieren. Unrecht zieht Unrecht nach sich. Jüngste Entwicklung in Belarus ist die rechtswidrige Inhaftierung des belarussischen Journalisten Raman Pratasevich und seiner Freundin Sofia Sapega nachdem ihr Flugzeug unter einem Vorwand zur Landung gezwungen wurde. Frieden und Gerechtigkeit – sich für diese Verheißung einzusetzen ist für uns als Christ*innen, die aus der bleibenden Relevanz biblischer Zeugnisse schöpfen, Verpflichtung, damit nicht nur unsere Mauern „Heil“ und nicht nur unsere Tore „Lob“ heißen.

 

Christian Marquering

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Wenn es Ihnen ein Anliegen ist, dass Raman und Sofia Gerechtigkeit widerfährt, können Sie sich an der urgend action von Amnesty International beteiligen:

https://www.amnesty.org/en/get-involved/take-action/belarus-protasevich-action/

07.06.2021 – Jona

Gestern wurde von ihm in allen Gottesdiensten erzählt, gepredigt und auch mit ihm gebetet. Er, der nicht wollte und weglief. Er, der Angst vor denen in der schlimmen Stadt hatte.

Doch Gott hatte eine Aufgabe für ihn. Gott wusste, er kann das – auch wenn er selber sich dies nicht zutraut. Gott schaut nicht in die erste Reihe, sondern in die Herzen, auf die Kraft und das Vertrauen. Gott erwählt nicht

So war das schon immer – auch bei: Noah, dem Trinker; Eva, die einer Schlange vertraute; Petrus, dem Verräter; Maria Magdalena, die von Dämonen besessen war; Und … Jona, der davon rannte!

Kennen sie Jona – vielleicht aus dem Kindergottesdienst oder von den vielen Bildern, wo Jona im Bauch des Fisches zu sehen ist?

Bild: pixabay.com

Jona will den Menschen in Ninive nicht die Strafe Gottes ansagen. Warum – können wir nicht in der Bibel lesen. Während Jona weit weg von Ninive flieht, bleibt Gott bei seinem Vorhaben. Noch schläft Jona im Bauch des Schiffes – mitten im Sturm. Plötzlich wird er aus dem Schlaf gerissen und erhält die nächste Aufforderung: Er soll beten! Es bleibt stürmisch und das Schiff droht unterzugehen. Dann fällt das Los auf ihn und er wird über Bord geworfen. Gott schickt einen großen Fisch, weil Gott Jona braucht. Was dort passiert, können wir in der Bibel nachlesen. Jona redet zu Gott, der ihm Halt und Hoffnung gibt. Und Jona wird vom Fisch an Land gespuckt.

Dort wartet die gleiche Aufgabe auf ihn. Jetzt übernimmt Jona den Auftrag.

Auch uns geht es manchmal ähnlich! Wir brauchen eine Pause oder eine Umleitung, um dann unseren (neuen) Weg zu gehen oder etwas zu ändern. Und Gott hilft dabei, Gott erwählt, Gott traut zu – auch Dir!

Pfarrerin Angela Langner-Stephan

06.06.2021 – D-Day und Freiheit

Die Besichtigung der Gedenkstätten für die Landung der Alliierten am 6. Juni 1944 stand eigentlich erst am Ende unserer Reise durch Südengland und Nordfrankreich auf dem Programm. Bis dahin waren es vor allem die großartigen Kathedralen von Canterbury, London, Salisbury, Winchester, Wells und Exeter, die unsere Reiseroute bestimmten.

Doch dann kam es anders: Als wir am ersten Tag nach der Überfahrt von Dünkirchen nach Dover die Kathedrale von Canterbury besichtigten, entdeckte ich im Innern an eine schlichte Steintafel mit einem Wappen der Normandie-Veteranen-Vereinigung. Mit roten und zum Teil goldenen Buchstaben stand dort (frei übersetzt und etwas gekürzt):

Zur Erinnerung an die Tausende der alliierten Streitkräfte, die während der Invasion von Westeuropa im Juni 1944 ihr Leben verloren. Damit begann die Rückkehr der Freiheit nach Europa!

Der zweite Satz mag uns vielleicht heute etwas pathetisch klingen, aber er hat mich sehr bewegt.

Nach vielen wunderbaren touristischen Erlebnissen in Cornwall erreichten wir die kleine Hafenstadt Poole an der Südküste, um nach Cherbourg überzusetzen. Eine Bronzetafel im Hafen von Poole erinnerte an die Besatzung von 60 Holzbooten der United States Coast Guard, die an der Invasion beteiligt waren – ein kaum vorstellbares Detail der gewaltigen Aktion!

Zwei Tage später standen wir in der Nähe der nordfranzösischen Stadt Caen auf einem Friedhof, auf dem die alliierten Opfer der Invasion begraben worden waren: weiße Marmorkreuze – und Marmorsterne für die jüdischen Gefallenen – soweit das Auge reichte. Und in dem sehr gut besuchten Dokumentationszentrum wurde die totale Stille nur durch gelegentliches Schluchzen unterbrochen . . .

45 Jahre später ging es im Herbst 1989 wieder um die Freiheit. Der Leipziger Künstler Matthias Klemm hat dazu Tagebuchblätter gestaltet, mit denen er einen weiten Bogen spannt vom Putsch in Chile, über die Ereignisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking bis zu dem, was in Leipzig und Berlin geschah und – Gott sei Dank! – eben auch nicht geschah.

Diese Tagebuchblätter sind für mich ebenso wie die Gedenktafeln in Canterbury und Poole oder die Gedenkstätten in der Normandie eine nachdrückliche Mahnung und Motivation, sich stets für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen.

Übrigens stand unten auf der Tafel in der Kathedrale von Canterbury – in einer anderen Schrift – noch folgender Satz (Joh. 15,13; hier in der Übersetzung der Luther-Bibel von 2017): Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.

Martin Meigen