10.03.21 – „Liebe, Liebe, nichts als Liebe, (…) aber anders“

Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.  Jeremia 31,3

Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.  1.Johannes 4,16

 

„Liebe, Liebe, nichts als Liebe, (…) aber anders“

„Liebe!“

Ich habe es versucht. Habe versucht, jeden Menschen so anzusehen, dass ich in mir dieses schöne, überwältigende, rosarote Gefühl spürte. Denn ich hatte gedacht, dass das Liebe sei: Schmetterlinge im Bauch. Auf diese Weise hatte ich versucht zu lieben und bin gescheitert. Es gab zu viele Menschen, die ich nach wie vor nicht riechen konnte. Erst spät merkte ich, dass ich einem Irrtum aufgesessen bin. Liebe ist anders.

Für Erich Fromm (Philosoph und Psychoanalytiker) sind Liebe und die Schmetterlinge im Bauch nicht deckungsgleich. In seinem Buch „Die Kunst des Liebens“ geht er dem “Lieben” nach.

Drei Zitate zum Nachdenke habe ich Ihnen herausgesucht:

„Liebe ist eine Aktivität und kein passiver Affekt. Sie ist etwas, das man in sich selbst entwickelt, nicht etwas, dem man verfällt. Ganz allgemein kann man den aktiven Charakter der Liebe so beschreiben, dass man sagt, sie ist in erster Linie ein Geben und nicht ein Empfangen.“ (Fromm, E.: Die Kunst des Liebens. 2004 S.33)

„Liebe ist die tätige Sorge für das Leben und das Wachstum dessen, was wir lieben.“ (a.a.O. 37f.)

„Erst in der Liebe zu denen, die für uns keinen Zweck erfüllen, beginnt die Liebe sich zu entfalten.“ (a.a.O. 61.)

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

09.03.21 – Kinder der Lichtes

Ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages.  (1.Thessalonicher 5,5)

Der Spruch aus der heutigen Tageslosung enthält Frühlingsgedanken: Kinder des Lichtes – das klingt für mich nach Neuanfang, nach Leben und nach Fröhlichkeit. Mich erinnert er unmittelbar an die Geburt meiner Tochter. Sie kam am Morgen eines Himmelfahrtstags zur Welt, es war in diesem Jahr zugleich der erste frühsommerlich warme Tag und ihre Geburt wird für mich immer verbunden bleiben mit dem hellen, klaren Morgenlicht, das nach einer bangen und anstrengenden Nacht durch das Krankenhausfenster schien.
Und auch in diesen länger werdenden Tagen kann man es schon sehen, wie das Licht das Leben weckt: Schneeglöckchen und Krokusse blühen, der Auwald ist bereits wieder grün vom Bärlauch und wer genau hinschaut, kann die eine oder andere Biene schon bei der Arbeit sehen.

Paulus schreibt die Worte aus dem Bibelvers aber nicht an Blumen und Bienen und wohl auch nicht in erster Linie an Neugeborene. Er schreibt an eine Gemeinde – an Menschen, die durch Jesus Christus in eine Beziehung zu Gott getreten sind. Damit gelten die Worte auch uns: Der Gott des Lebens macht uns zu Kindern des Lichtes und lässt aus jedem Neuanfang etwas wachsen.

Vielleicht haben Sie selbst eine Erinnerung, die Licht und Leben in besonderer Weise miteinander verbindet, oder Lust, den Zusammenhang bei einem Spaziergang durch den Park zu erkunden? Dazu wünsche ich Ihnen als Kindern des Lichts den Segen des Gottes des Lebens!

Herzliche Grüße
Ihr Konstantin Enge

08.03.21 – Internationaler Frauentag

Zu Beginn meines Theologiestudiums nahm ich an einem Seminar teil, in dem wir mit katholischen Brüdern über unser zukünftiges Amt als PfarrerIn oder Priester diskutierten. Dabei entspann sich folgende Diskussion zwischen mir und einem jungen Priesteramtsanwärter.

„Also Charlotte, ich glaube, dass Gott jedem und jeder von uns eine Berufung geschenkt hat. So eine Berufung, die spürt man ganz tief in sich und die füllt alles aus, was einem wichtig ist. Stell dir vor, du müsstest dich entscheiden zwischen deinem angestrebten Amt als Pfarrerin und deinem Wunsch nach einer Familie! Wie würdest du dich entscheiden?“
Nach langem Nachdenken sagte ich: „Wahrscheinlich würde ich am Ende die Familie wählen…“
„Siehst du! Ist das nicht wunderbar? Gott hat dir diese Berufung geschenkt! Es ist ein großes Geschenk und Privileg, dass du als Frau Kinder haben kannst! Nur muss dir dann auch klar sein, dass das andere – also dein Amt als Pfarrerin keine wahre Berufung sein kann. Das ist den Männern vorbehalten, weil ihnen die Berufung, Kinder zu bekommen, verwehrt ist!“

Lange hing mir das Gespräch nach. Ich spürte doch ganz klar den Drang, diesem Beruf nachzugehen, der mir so viel bedeutete! Wieso wurde mir das einfach aberkannt?

Leider beherrscht die Vorstellung, dass Frauen nur für die Familie wirklich berufen sind, immer noch manche gesellschaftliche Diskussion. Besonders am Arbeitsplatz werden viele Frauen strukturell diskriminiert: sie verdienen weniger Geld als ihre männlichen Kollegen mit gleicher Eignung, werden durch Schwangerschaft und Elternzeit in ihrer Karriere um Jahre zurückgeworfen und müssen immer wieder unter Beweis stellen, dass sie trotz ihres Mutter- oder Frauseins auch wirklich für ihren Beruf geeignet sind.

Irgendwann fiel mir eine Ungereimtheit in der Argumentation des jungen Bruders auf: „Gott hat jedem und jeder eine Berufung geschenkt!“ Wieso nur EINE Berufung?
Wir Menschen neigen dazu, andere in Schubladen zu stecken. Es macht vieles einfacher, wenn wir uns nicht mit der Vielfalt des Einzelnen beschäftigen müssen. Ich glaube allerdings nicht, dass Gott denselben Fehler macht. Das Geschöpf „Mensch“ egal ob Mann, ob Frau, ist schillernder und bunter, als wir es uns zuweilen klar machen. Macht es unser Miteinander nicht viel spannender, dass wir wandelbar sind, vielfältige Berufungen verspüren können und in verschiedenen Kontexten unterschiedliche Seiten unseres Selbst zum Vorschein bringen?

Und so kann ich mit Goethes Faust seufzen „Zwei Seelen wohnen, ach!, in meiner Brust!“.
Ich muss mich nicht entscheiden zwischen meinen Berufungen, Begabungen und Interessen.
Gott hat mich in meiner Vielfalt geschaffen und dafür bin ich dankbar.

Charlotte von Ulmenstein

05.03.21 – Vanuatu!

Vanuatu!  – heißt nicht Hallo in einer fremden Sprache, nein „Vanuatu“ ist ein Südseeparadies: Blaues Meer, Traumstrände und dahinter ein tropischer Regenwald mit Früchten, überall freundliche Gesichter – zu Recht, denn die Bevölkerung der Ni-Vanuatu stand mehrere Jahre an erster Stelle des weltweiten Glücksindex.

Das Leben findet in besonderer Beziehung mit dem Land statt. Sethy Regenvanu, der ehemalige stellvertretender Ministerpräsident, sagte einmal: “Land ist für einen Ni Vanuatu (Einwohner_in), was eine Mutter für ein Baby ist.“  Und das Land ernährt die Menschen, aber birgt auch regelmäßig Gefahren, wie Erdbeben, Vulkanausbrüche oder Zyklone (einer der schlimmsten im März 2015 Z. Pam mit der Kategorie 5). Zusätzlich leidet das Land unter dem steigenden Meeresspiegel, den Kunststoffabfällen und Verschmutzungen im Meer.

Nun will ich Ihnen kein Reiseziel für die Zeit nach Corona vorschlagen, sondern Sie einladen, Vanuatu hier bei uns zu erleben, von dort zu hören, Bilder zu sehen und mehr: beim Weltgebetstag 2021.

Der Weltgebetstag hat mir schon als Jugendliche gezeigt, dass für das gemeinsame Gebet weite Entfernungen, Grenzen und Abstände keine Hindernisse sind.
Lust den Weltgebetstag mit zu erleben – dann machen Sie sich auf den Weg.

Sie sind eingeladen:
17 Uhr in der Hoffnungskirche / Knauthain
19 Uhr in der Bethanienkirche / Schleußig

Oder am Sonntag, 7. März, 9.30 Uhr ZOOM-Familien-Gottesdienst (Bitte anmelden unter  angela.langner_stephan@evlks.de)

Einen schönen 5. März,
Ihre Angela Langner-Stephan

04.03.21 – Das Tempo der Worte

Vor einer Weile las ich von einer Studie, die aufzeigte, dass Singvögel in der Stadt deutlich lauter singen (müssen) als ihre Artgenossen auf dem Lande.

Über die Lautstärke von menschlicher Sprache im ländlichen und urbanen Kontext ist mir bisher nichts bekannt. Bekannt sein soll aber – gemäß einer weiteren Studie –, dass Stadtbewohner*innen signifikant schneller sprechen, als Menschen, die nicht in der Stadt leben. Offenbar passen sich Lebewesen in vielfältiger Weise an die Rahmenbedingungen ihrer Um- und Mit-Welt an.

Ich selbst – da bin ich mir sicher –, rede zu schnell. Eine schöne Übung nicht nur für eine Woche der Fastenzeit wäre es da, bewusst langsamer zu reden. Vielleicht wird es dadurch auch weniger. Das wäre auch nicht schlecht! Worte sind wirkmächtig. Das wissen nicht nur Bibelleser*innen der Schöpfungsgeschichte. Darum sollte es von Nutzen sein, sich über das Gewicht von Worten Klarheit zu verschaffen, und so oder so bewusster mit Reden, Schweigen und dem Tempo der Worte zu verfahren.

Ich nehme dies als Anregung mit in den Tag und in die Wochen.
Wer dafür noch ein Bibelwort braucht, könnte dieses nehmen: Ihr sollt wissen: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.  (Jakobusbrief 1,19)

Dr. Ronny Valdorf

03.03.21 – Ein unbeschriebenes Blatt

„Nimm dir eine große Tafel und schreib darauf mit deutlicher Schrift.“ (Jes. 8/1)
„Nimm dir ein Holz und schreibe darauf.“ (Hes. 37/16)
In der Bibel findet man wenig solcherlei „Anweisungen“ – und zugegebenermaßen: liest man die Texte weiter, geht es um andere Dinge als um das Schreiben an sich. Doch die Bibel ist gefüllt mit Briefen.

Briefe schreiben. Für mich ist das ein Abenteuer. Da liegt auf dem Tisch vor mir ein weißes, ein unbeschriebenes Blatt. Es ist leer und aufnahmebereit. Ich zögere. Im Kopf sind Gedanken über Gedanken. Aber wie schreibe ich sie darnieder? Womit beginne ich?
Um wenigstens zu beginnen schreibe ich das Datum und eine Anrede. Liebe, Lieber …
Jetzt ist es kein unbeschriebenes Blatt mehr, ich kann loslegen.
Die Hand zögert noch, sie zuckt, sie hält sich zurück.
Doch sobald ich mit dem ersten Satz beginne sprudeln die Gedanken nur so aus meinem Kopf, die Hand mit dem Stift kommt kaum hinterher, ich muss die Worte und Sätze festhalten, sie müssen warten bis sie aufgeschrieben sind. Plötzlich kann ich erzählen, kann ich berichten, kann ich fragen, kann ich mein Freud und
Leid mitteilen. Ich kann Erlebnisse verarbeiten, über Vergangenes nachdenken, an Gemeinsames erinnern, auf Zukünftiges gespannt machen.

Als ich gefragt wurde, ob ich für das „Wort für den Tag“ etwas formulieren würde, sah ich in meinem Inneren ein weißes unbeschriebenes Blatt.
Was schreibt man darauf, was kann man sagen, was ist mir wichtig?
Was kann ein Wort für den Tag sein?
Kann ich das?

Dabei fiel mir meine so lieb gewordene Gewohnheit ein: eben das Briefeschreiben, ein weißes leeres Blatt zu füllen.
Ist das erzählenswert, gerade weil es heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist?
Briefe zu schreiben ist für mich Gemütlichkeit, ist ein Ritual. Im gemütlichen Zimmer, bei einer brennenden Kerze und ruhiger Musik einer CD, mit einer Tasse Tee oder einem Glas Wein – und gern auch beim Duft eines Räucherkerzchens. Mit den Gedanken bin ich bei dem Menschen, dem ich schreibe. Ich bin ihm ganz nahe.
Ich kann nur Mut machen, es ist einfach wunderbar.

Johann Wolfgang von Goethe behauptet sogar: Briefe gehören zu den wichtigsten Denkmälern, die der einzelne Mensch hinterlassen kann.

Baberina Müller

02.03.21 – Wenn Ruinen erzählen

Anruf am Sonnabend.: Sag mal, bist du auch gerade am Predigtschreiben über das Weinberglied von Jesaja? Ich brauche mal eine Idee.

Jesaja singt vom Winzer, der alles für seinen Weinberg tut und trotzdem bringt er nur sauren Ertrag. Er fragt die Zuhörer*innen, was er tun soll und antwortet gleich selbst. Alles wird er abreißen, es nicht regnen lassen, Disteln wachsen und der Weinberg wird wüst daliegen. Die Leute sind erschrocken, weil sie genau wissen, wer hier besungen wird. Sie selbst, ihr Land, ihr Volk und Gott ist der Winzer.
„Der wartet auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.“ Jes 5,7b
Ist denn in dieser scheinbar gottverlassenen Welt kein Ort des Friedens, der Gerechtigkeit und des Rechts? Wo wachsen gute Früchte?

Eine Geschichte von mir:
Im Familienbesitz befindet sich ein altes Rittergut. Rechtsbruch und Geschrei haben dem Haus und dem Garten so zugesetzt, dass es heute als Ruine und wüsten Flecken wie eine Wunde aus der Landschaft ragt. Holunder, stark wie Buchen, Dornen und Brenneseln haben schon längst die alten Obstbäume niedergedrückt.
Der alte Mann steht am Fuße der Ruine und beackert den alten Gemüsegarten. Er kennt Haus, Hof und Garten noch in voller Blüte.
Seit einigen Jahren hat er ein Stück des Gartens wieder urbar gemacht. Um das Refugium hat er Steine aufgeschichtet, die von seinem Kindheitshaus herabgestützt sind. Damit hält er die Wildnis zurück.
„Weißt du, wenn ich hier bin, dann erinnere ich mich an früher, wie es hier war und wie unser Vater alles so liebevoll und streng im Griff hatte. Alles hatte seinen Platz, seine Zeit und seinen Sinn. Hier habe ich meine Zeit, kann über das Leben und über Gott nachdenken. Und nebenbei wachsen hier wieder Erdbeeren, Tomaten und Kohlrabi. Naja und in mir wächst auch vieles neu auf und zusammen, was so brach dalag. Und wenn ich hier im Gelände bekannte, alte Gegenstände finde, dann lege ich sie hier auf das Mäuerchen. Jedes Teil erzählt mir Geschichten. Der verbeulte Milcheimer…in der Hand meiner Mutter, den verrosteten Rechen, mit dem Vater die Beete exakt anlegte. Jetzt wächst es hier wieder wie damals.“
Er strahlt mich an.
Und woher bekommst du das Wasser?
„Ich fange es auf oder ich frage da OBEN den Nachbarn. Komm jetzt, lass uns ein Glas Wein trinken. Der Wein ist in diesem Jahr besonders gut.“
Wir sitzen an einem wackligen Brettertisch. „Das sind alte Dielen aus dem Haus, da bin ich früher barfuß drüber gerannt.“ Na prost denn!

Aus mancher Wüste unseres Alltags wächst Neues und wir leben.
Gebe es Gott, dass wir alle solche Oasen entdecken. Es gibt sie.

Ihr Martin Staemmler-Michael

01.03.21 – Es nützt nichts …

Von Martin Luther überliefert sind die Worte:
Wir kommen nie aus der Traurigkeit heraus, wenn wir uns ständig den Puls fühlen.

Die anhaltenden Kontaktbeschränkungen in der Pandemiezeit erinnern mich immer ein bisschen an den Verlauf meiner eigenen individuellen Krankheit. Pandemie und Krebs haben etwas gemeinsam: Das Warten.

Oft hatte ich das Gefühl, die lange Zeit von Diagnose bis Heilung verlangt mir in der Hauptsache eins ab: WARTEN. Auf die nächste Untersuchung, den nächsten Befund, die nächste Behandlung, die Chemo, die OP, wieder den Befund und immer so weiter. Das Hauptwort in unserer Familie wurde in dieser Zeit:

Nützt ja nichts.“  

So fatalistisch sich das anhören mag, so wahr ist es. Natürlich konnte ich einen Teil dazu tun. Mich informieren, gesund ernähren, mir Unterstützung suchen usw. Das ist absolut richtig und nötig. Das Tun.

Aber – eben auch das Lassen, was in diesem Falle mit einer gesunden Form des Annehmens einhergeht. Manches kann ich beeinflussen, aber nicht alles. Ich bin kein Arzt und ich bin nicht Gott. Das beschränkt meine Möglichkeiten, aber es beschenkt mich auch: ich kann etwas abgeben. Ich kann etwas geschehen lassen und im allerbesten Fall, ich kann etwas im Vertrauen geschehen lassen.

Diese Erfahrung hilft mir auch im Umgang mit der Pandemie. Es nützt nichts.Das heißt nicht, dass ich nichts tun kann, dass ich alles gut und richtig finde. Aber ich bin kein Virologe, kein Psychologe, kein Politiker und – keinesfalls Gott. Ich kann meinen Teil dazu tun, in dieser Zeit Gutes zu tun, mir und anderen. Manches kann ich beeinflussen, aber vieles nicht.

Ich kann alles anzweifeln und alle Zahlen aufrufen und vergleichen, ich kann ständig dagegen und unzufrieden sein  – aber ich kann es auch lassen und die vielen Möglichkeiten nutzen, die es TROTZDEM gibt – bis zur Heilung.

Ich halte es in diesem Punkt mit Luther: Wir kommen nie aus der Traurigkeit heraus, wenn wir uns ständig den Puls fühlen.

​​​Claudia Krenzlin

26.02.21 – Brauchen wir den…

… Teufel überhaupt? So schrieb mir vor ein paar Tagen ein Schulfreund in einer Email, nachdem er meinen Beitrag vom letzten Wochenende gelesen hatte.
Was für eine Frage! Wir brauchen vieles nicht und den Teufel schon gar nicht!

Aber so war die Frage natürlich nicht gemeint. Sondern so: Der Teufel hat früher im Leben der Menschen eine wichtige Rolle gespielt. Er war eine Erklärung für den Ursprung des Bösen, und er hat den Menschen Angst vor der Macht des Bösen und den damit verbundenen (Höllen-) Strafen gemacht.
Auf beides werden wir doch heute liebend gern verzichten wollen!

So weit, so gut. Aber wie halten wir es dann mit dem Bösen? Das lässt sich ja leider nicht so einfach weg-reden…
Mein Schulfreund schrieb mir, “dass wir den Teufel als Instanz benutzen, um unsere eigenen Schwächen und Fehler zu verdrängen und nach außen abzuwälzen . . . Wir sollten unsere eigenen Handlungen schon selbst überdenken und dafür selbst die Verantwortung übernehmen und sie nicht auf äußere Einflüsse abschieben.”

Grundsätzlich sehe ich es auch so. Das klingt sehr vernünftig und verantwortungsbewusst. Wenn alle Menschen immer so denken und handeln würden, dann…
Ach wäre das schön!
Aber so ist es eben leider nicht. Ein kurzer Blick über den Brillenrand und – seien wir bitte ganz ehrlich! – auch ins eigene Innere genügt, um festzustellen, dass sich um uns und in uns immer wieder starke Kräfte zusammenballen und Prozesse auslösen, die wir bei Lichte besehen ganz und gar nicht gut und vernünftig finden.

Und wer trägt dafür die Verantwortung?
Auch Bertolt Brecht hat sich in seiner Dreigroschenoper mit dieser Frage beschäftigt und darauf seine berühmten Verse gedichtet:

Ein guter Mensch sein? Ja, wer wär’s nicht gern?
Doch leider sind auf diesem Sterne eben
die Mittel kärglich und die Menschen roh.
Wer möchte nicht in Fried’n und Eintracht leben?
Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so!

Für die DDR-Ideologen war das natürlich eine Steilvorlage: Die Verhältnisse sind das Entscheidende – und deshalb mussten unsere Menschen mit aller Kraft für den Aufbau des Kommunismus arbeiten und kämpfen!

Das ist inzwischen Geschichte, und die Frage nach dem so schwer zu beherrschenden Bösen ist wieder offen. Offensichtlich ist es doch komplizierter. Offensichtlich spielt da sehr vieles zusammen. Offensichtlich entstehen immer wieder neue Theorien, die dieses komplexe Zusammenspiel analysieren und dabei auch wichtige Teilwahrheiten ans Tageslicht fördern. Und offensichtlich lässt sich das Böse damit bis heute nicht aus der Welt schaffen.

Warum?
Weil wir selbst abgrundtief in dieses Zusammenspiel verstrickt sind.
Und weil jeder Versuch, sich da herauszuwinden, – letztendlich – auch ein Versuch ist, Gott gleich zu werden.
Genau das ist der entscheidende Gedanke und das  Bestreben dessen, der oder die in 1Mose3,5 die Schlange genannt wird.

Ja, das sind mythologische Bilder und Vorstellungen. Sie stehen für etwas, das wir nicht anders fassen können, weil wir es nicht objektiv und von außen betrachten können,  sondern selbst von ihm durchdrungen werden. Das Böse nistet sich in uns Menschen ein und nimmt damit immer wieder personale Gestalt an.
Dafür steht die Rede vom Teufel. Es erscheint mir notwendig und gut, das auch klar zu sehen und zu benennen. Denn damit beginnt der Weg des Widerstands, auf dem wir widerstandsfähig gegenüber dem Bösen werden können. Es ist jedoch ein Widerstand der besonderen Art. Er äußert sich nicht in menschlichen Kraftakten, sondern in einem Eingeständnis und in der Bitte:

…vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen…

Ist das Vaterunser-Gebet, aus dem diese Worte stammen, vielleicht so etwas wie ein Impfstoff, der uns vor der Ansteckung durch das Böse schützt?

Ein gesegnetes Wochenende wünscht Ihnen

Ihr Heinz Schneemann

25.02.21 – Im Kalender stehen…

… gerade sehr viele Termine. Aber anstatt durch den Leipziger Westen bin ich von Videokonferenz zu Konferenz unterwegs. Manchmal wechsle ich den Arbeitsplatz – um andere „Tapeten“ zu sehen. Die Termine mit direkten Begegnungen genieße ich trotz aller Vorsicht: bei Absprachen im Pfarramt, bei seelsorgerlichen Gesprächen, bei Gottesdiensten und Andachten.

Aber daneben gibt es noch viel mehr in meinem Kalender zu entdecken: Gedenk- und Aktionstage, Namenstage, Feiertage und Feste verschiedener Religionen. Für den heutigen Tag wird zweierlei genannt: Nationaltag in Kuwait (Rückeroberung nach dem 2. Golfkrieg 1991) und Ta´anit Esther.

Zum ersten können Sie mein Wort zum Tag vom 17.1 nachlesen. Und Ta´anit Esther ist ein jüdischer Fastentag, der auf das Buch Esther zurück geht. Auch die beiden nächsten Festtage – das Purim-Fest -gehören dazu. Esther gelingt es in aller Aussichtslosigkeit ihr Volk zu retten. Wollen Sie mehr wissen, dann können Sie sich den neuen Podcast unserer Gemeinden (http://podcast.kirche-lindenau-plagwitz.de/2021/02/23/5-juedisch-beziehungsweise-christlich-naeher-als-du-denkst/) dazu anhören.

Gibt es auch etwas in Ihrem Kalender zu entdecken? Wir können unseren Blick trotz aller Einschränkungen auch jetzt weiten und neues kennenlernen! Vielleicht haben Sie Lust davon im Blog (https://www.taborkirche.de/) zu berichten – ich bin gespannt,

Ihre Angela Langner-Stephan