Und es werden kommen…. – 19.Januar 2022

“Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.” | Lk 13,29

Es ist Montag kurz vor 18.30 Uhr. Ich bin mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Taborkirche. Für diesen Abend haben sich „Spaziergänge“ angemeldet. Im Vorfeld ging es in den sozialen Netzwerken heiß her. Grund war, dass der Kirchenvorstand der Taborgemeinde beschlossen hat, die Räume der Kirche für ein Impfteam des DRK zu öffnen. Das sorgt bei machen für Unmut. Nach dem Aufruf zum „Spazierengehen“ meldete „Kleinzschocher wird bunt“ eine Kundgebung an. Aus einer Mischung aus Sorge und Verantwortungsgefühlt verabredeten sich Mitglieder des Kirchenvorstandes vor dem Hauptportal.

Spaziergänger“, „bunte Kleinzschochersche“ und KV: Eine eigenartige Gemengelage.

Und dann – es ist schon dunkel – kommt eine junge Frau etwas unsicher auf den Vorplatz der Kirche. Ganz offensichtlich weiß sie nicht, zu welcher Gruppe sie gehen soll, wo sie hingehört.

Aber aus der Unsicherheit heraus ergibt sich zwischen uns ein Gespräch über ihre Sorgen und Nöte, über die Gedanken und Hintergründe des Kirchenvorstandes, über Kirche überhaupt und allgemein. Und im Austausch merke ich, dass sicher einiges ist, was uns trennt, aber auch vieles, was uns verbindet. „Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden“: Gemeinschaft trotz aller Zuordnung.

Es ist Montag kurz nach 20.00 Uhr. Ich fahre mit meinem Fahrrad wieder nach Hause. An diesem Abend habe ich Menschen kennengelernt, denen ich sonst wohl nie über den Weg gelaufen wäre.

Und ich bin dankbar über den Austausch und die Gemeinschaft. Schon komisch, wie das manchmal so geht.

Es grüßt Sie mit Gedanken zum Spruch für diese Woche

 

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

 

 

… das Feld sei fröhlich – 12.Januar 2022

 

„… das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; und lasst rühmen alle Bäume im Walde…“

Psalm 96/12

Dieser Vers kam mir in den Sinn, als ich mit einer sehr guten Freundin vor nicht allzu langer Zeit den FriedWald Planitzwald aufsuchte.

Wir sind nicht zufällig dorthin gegangen, sondern wir suchten ganz bewusst diesen so stillen Ort. Die schwere Krankheit meiner Freundin lässt solche „Ausflüge“ zu, sie bedingt sie geradezu. Unsere Gedanken sind unterschiedlich, und wir sind froh, dass wir offen miteinander reden können. Ich bewundere ihren Mut, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Sie ist froh, dass ich sie begleite, denn ihre Nächsten sind, sagen wir mal, zurückhaltend in dieser Thematik.

Fast drei Stunden sind wir bei angenehmer klarer kalter Luft, aber auch bei Sonnenschein, bis es zu dämmern anfing, durch die verschiedenen Abteilungen gelaufen. Diese waren durch verschiedene Baumarten mal dicht bewachsen, mal ließen sie viel Licht durch. Wie wird es dort im Frühjahr, im Sommer aussehen, wenn die Bäume Laub tragen? Viele Namen, teils mit Geburts- und Sterbejahren, lasen wir an den Bäumen – und erfanden Geschichten dazu. Am Andachtsplatz ließen wir uns nieder, hörten dem Gezwitscher der Vögel zu und ruhten uns aus. Ein Meditationsweg führte uns zu einer Schutzhütte. Unser gemeinsamer Tag war ein schöner, ein wunderschöner.

Immer schon, seit unserer gemeinsamen Kindheit, gehen wir gern in den Wald. Der Wald ist uns nah, was der Grund der Suche wohl auch ist. Aber wir haben auch bemerkt, dass es nicht einfach ist, sich für diesen oder einen anderen Ort zu entscheiden. Da kommen verschiedene Gedanken auf, ein Für und Wider. Eigentlich möchte man sich doch nicht entscheiden und möchte noch lange die Möglichkeit zur Entscheidung haben.

Und dann kommt mir wieder dieser Psalmvers in den Sinn. Ich weiß, dass er anders gemeint ist, aber ich lese darin Tröstliches. Da ist vom Feld und vom Wald die Rede, ein fröhliches Feld, ein Wald voll rühmender Bäume. Das heißt für mich, jede Entscheidung ist richtig, überall gehöre ich zur Natur – und Gott ist sowieso überall.

Dass ich heute vom FriedWald schreibe hängt auch damit zusammen, dass meine Freundin heute ihren Geburtstag feiern darf. Das ist ein großes Geschenk. Und dafür dürfen die Felder und Bäume jubeln und rühmen.

 

Baberina Müller  (Foto: privat)

 

Wie irrelevant – 5.Januar 2022

Ich muss das neue Jahr gleich mit einem Geständnis beginnen: Ich schaue in die Fenster anderer Leute und das auch noch gerne. Wenn ich mit meinem Trödelhund die Abendrunde gehe und er an jedem Baum und jeder Ecke die neuesten Nachrichten aus dem Hunde-Piesel-Chat erschnuppern muss, geht mein Blick zu den erleuchteten Fenstern. Ich begucke mir Kronleuchter und Hochbetten, Poster und Bücherregale, Grünpflanzen und Fensterbilder. Gerne auch die Schwibbögen und leuchtenden Sterne. Man kann dabei gut über Menschen und Dinge nachdenken und deren Bedeutung zueinander.

Vor einer Woche jedoch bleib mein Blick an der hell erleuchteten Wand einer Erdgeschoss-Wohnung hängen. Dort stand in großen roten Buchstaben:

Komm, lass uns irrelevant sein!“

Ich musste lachen, der Hund schaute mich erstaunt an. Um ihm keine Antwort schuldig zu bleiben, googelte sich sicherheitshalber nochmal die Bedeutung von „irrelevant“.
Da stand: „in einem bestimmten Zusammenhang unerheblich, ohne Bedeutung“.

Ich seufzte tief und dachte: „Oh ja! Was für ein herrlicher Vorsatz für 2022.“

Sich mal wieder klar werden, was für ein herrlich vagabundierendes Staubkorn ich Mensch bin. Durchaus ein Geschöpf Gottes, aber eben nur ein Geschöpf Gottes und nicht das Geschöpf Gottes. Ein möglichst liebevolles, nachdenkliches, tätiges Staubkorn, jedoch nicht der um mich selbst drehende, klugsch…nde, hyperaktive (Staub-)Stern, ohne den die Welt nicht funktionieren kann.

Ein möglicher Predigttext für den Neujahrstag stand im Buch der Sprüche, Kapitel 16, Verse 1-9. Ich empfehle die Lektüre. Ich empfehle vor allem den Satz:

Einen jeglichen dünken seine Wege rein, aber der Herr prüft die Geister.“ (Spr. 16,2)

Womöglich können wir der Prüfung der uns antreibenden Geister durch den Herrn eine kleine Runde eigener Relevanzfragen voranstellen:

Worin besteht mein Antrieb, so oder so zu sein, dies oder das zu tun oder zu lassen?

Geht es um die Sache oder geht es eigentlich um mich?

Geht es um den Nächsten oder geht es eigentlich wieder nur um mich?

Wo, wann und für wen bin ich wichtig oder nehme ich wieder nur mich selber wichtig?

Natürlich – es ist von allem was dabei. Die anderen und ich, ich und die Sache, der Zeitpunkt und ich. In uns allen steckt die Sehnsucht nach Wahrgenommenwerden und Relevanz.

Umso entspannender und entlastender empfinde ich diese rote Schrift: „Komm, lass uns irrelevant sein“. Wir sind in einem bestimmten Zusammenhang unerheblich und ohne Bedeutung. Und werden dennoch wahrgenommen.

So kann ich mich am Anfang des neuen Jahres in die Sprüche Salomos fallen lassen:

Befiehl dem Herrn deine Wege, so wird dein Vorhaben gelingen.

Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein lenkt seinen Schritt.“ (Spr. 16, 3+9)

Ja, ich bin relevant für Gott, wie jedes seiner Staubkörner. Das erlaubt mir – in manch bestimmten Zusammenhang – irrelevant zu sein. Zur Entlastung meiner Mitmenschen, zur Entlastung meiner selbst.

Ein gutes, behütetes und fröhliches neues Jahr wünscht die leicht angestaubte

Claudia Krenzlin

Kein Prophet, oder? – 29.Dezember 2021

Der Weihnachtsbaum, den ich immer erst am Heiligabend in unserem Wohnzimmer aufstelle und mit Muße und Musik schmücke, – ich höre dabei die ersten Kantaten des Weihnachtsoratoriums mit der Weihnachtsgeschichte nach Lukas – steht noch. Wenigstens bis zum 6. Januar, dem Epiphaniastag, an dem nach der Tradition auch die weitgereisten Weisen aus dem Matthäusevangelium das Jesuskind gefunden haben. Hier mischen sich auch dunkle Töne in das Licht der neuen Hoffnung: Da ist auch Herodes, der seine Machtinteressen gefährdet sieht und dabei keine Skrupel kennt, auch über Leichen zu gehen.

Mein Gott, denke ich in unserem weihnachtsfestlich geschmückten Zuhause, ändert sich das denn nie? Mir fallen die Leute ein, die Weihnachten deswegen als unerträgliche Inszenierung eines verlogenen Friedens ablehnen. Aber wird es dadurch erträglicher? Ich sehe Verbitterung in vielen Gesichtern. Was wird daraus? Resignation? Oder Zynismus? Oder sogar neue Gewalt? Was wird zu Silvester geschehen?

Der Weihnachtsbaum leuchtet noch. Da sind die Kerzen, die Strohsterne, die silbern glänzenden Kugeln. Der denkbar größte Kontrast zu diesen dunklen Gedanken. Unerträglich? Oder gerade das spannungsreiche Kontrastprogramm, aus dem neuer Mut gewonnen werden kann?

Was wird uns das kommende Jahr bringen?

Wird es das Jahr 2022 n.Chr.?

Oder das Jahr 3 n.Cor.?

Oder beides? Aber zu welchen Anteilen und mit welchen Auswirkungen?

Ich weiß es nicht. Ich bin ja kein Prophet!

 

Oder doch?? Jetzt muss ich an meinen alttestamentlichen Lehrer, Prof. Siegfried Wagner, denken. Er sagte seinen Studenten: Propheten sind keine Vorhersager, Propheten sind Hervorsager! Menschen, die aus ihrer Beziehung zu Gott etwas hervorbringen, das in dunklen Zeiten wegweisend werden kann. Zumindest kenne ich solche Propheten. Dietrich Bonhoeffer zum Beispiel, der die für mich tröstlichsten Worte zum Jahreswechsel geschrieben hat:


Von guten Mächten wunderbar geborgen,

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist bei uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

Noch immer schaue ich in die Lichter des Weihnachtsbaums. Und jetzt weiß ich auch, was ich Ihnen und mir selbst für das kommende Jahr wünsche: Vornehmlich, dass wir prophetischer leben können!

Ihr Heinz Schneemann

 

Freuet euch in dem Herrn allewege, … – 22.Dezember 2021

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“   – Philliper 4,4,5b

Umso öfter ich den Spruch dieser Woche lese, umso mehr verwirrt er mich. Mal lese ich ihn als freudige Ankündigung, mal als Befehl. Aber kann Freude befohlen werden, oder liegt es nur an meinem inneren Befinden, dass ich es so lese? Schwer fällt es mir in diesem Jahr, mich auf Weihnachten zu freuen. Es erscheint mir nicht greifbar, weit weg. Alles ist unsicher, nichts wirklich planbar. Die pandemischen Maßnahmen schweben wie ein dunkler Schatten über mir und uns allen; familiäre Unwägbarkeiten machen mir das Herz schwer; eine noch nicht klar formulierte schmerzhafte Krankheit macht mich unruhig. Ich fühle mich wie gelähmt, habe das Gefühl, alle Dinge, die mir sonst in der Vorbereitung Freude machten, gehen zäh voran. Und dann lese ich diesen Wochenspruch – und ich bin dankbar dafür, dass man mir sozusagen Freude auferlegt. Ohne groß nachzudenken, merke ich, dass mir doch so viele Dinge in freudiger Erinnerung und Vorfreude sind. Da ist unser adventlich geschmücktes Zimmer, die große, uralte, gut laufende Engelspyramide. Da sind meine Advents- und Weihnachts-CDs, die ich wieder hören kann. Jeden Tag räuchert eine andere Figur angenehmen Duft in den Raum. Beim spätabendlichen Adventsbriefeschreiben entspanne ich mich und bin voller Freude. Mit lieben Menschen konnte und werde ich zusammen sein, Glühwein und Feuerzangenbowle trinken, Leckeres essen und gute Gespräche führen. Eine ganz besondere Freude ist meine „Familien-Bande“, die sich in der oben genannten Unwägbarkeit enorm verbunden zeigt. Wenn ich die Vorfreude meiner vielen Enkelkinder sehe, höre oder lese, dann wird mir warm ums Herz. Und nicht zuletzt jetzt weiß ich, dass ich mich freue, freue auf das Weihnachtsfest, an dem der Herr uns besonders nahe ist. Ich freue mich darauf, das Evangelium zu lesen und zu hören. Ich freue mich, die schönen Texte der eingängigen Weihnachtslieder in mir aufzunehmen. Ich freue mich auf leuchtende Augen. Ich freue mich auf Begegnungen, die vielleicht an anderen Orten sind, als wir es bisher gewohnt waren.

Und so sage jetzt auch ich: Freut euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! – Entdeckt die Freude und freut euch an ihr.

Baberina Müller

Dass mein Bruder und ich diesen Räuchermann wieder aufgestöbert haben, das erste Geschenk unserer Mutter an unseren Vater, erfüllt mich auch mit großer Freude.

(Foto:privat)

Begegnung – 15.Dezember 2021

Am kommenden Sonntag steht eine Begegnung im Mittelpunkt des Gottesdienstes: An die Lebenstür der Maria klopft ein Engel mit einer weitreichenden Botschaft an. Es ist eine lebensverändernde Begegnung.

Meine sehr persönliche Begegnungsgeschichte kann daran vielleicht anknüpfen.

Ich gehe auf das Holzhaus zu und dann aber daran vorbei, denn ich war zu zeitig. Mein Weg führt mich deswegen hinunter zum Sportplatz und dann wieder hinauf. Die Kirchenglocke zeigt es an: Jetzt ist es also soweit. Das Namensschild am Holzhaus zeigt meinen Nachnamen, obwohl ich noch nie hier war. An der Tür halte ich kurz inne, dann klingle ich. Ich bin angespannt: Was, oder besser wer wird hinter dieser Tür auf mich warten.

Verabredet habe ich mich für diesen Nachmittag mit meinem Vater. Er ist gegangen, als ich noch ein kleiner Junge war. Und jetzt 25 Jahre später bin ich ihm nachgegangen, um ihm zu begegnen.

Und dann tut sich die Tür auf und Vater und Sohn stehen sich gegenüber: Ein Wiedersehen nach 25 Jahren. Wer hätte das noch für möglich gehalten. Diese Begegnung, dieser Nachmittag war letztlich ein überraschendes Geschenk für uns beide. Und so wurde aus Beklemmung und Anspannung in der Begegnung Dankbarkeit.

Wie viele Möglichkeiten bietet das Leben auch heute noch für verändernde Begegnungen?!

 

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

Und täglich grüßt das Murmeltier …. ?!? – 8.Dezember 2021

Einige von ihnen werden den Film kennen. Sein Titel ist so etwas wie ein „geflügeltes Wort“ geworden. Ein „geflügeltes Wort“, das für das Festhängen in einer Zeitschleife steht. Wiederholung dessen, was man schon hatte und eigentlich auf keinen Fall nochmal so will.   Ja. Und wir haben nun auch so ein Gefühl. Die Wiederholung dessen, was man schon hatte und auf keinen Fall nochmal so wollte: Advent und Weihnachten im Sparmodus.  Ohne Weihnachtsmarkt und Weihnachtsfeiern, dafür voller Sorgen und voller Ungewissheit. Keine Konzerte, kein „Jauchzet frohlocket“ live, stattdessen Enttäuschung und Ernüchterung. Vielleicht auch wieder keine Krippenspiele und kein schmetterndes „Oh du fröhliche“.  Wir haben „ES“ nicht in den Griff bekommen. D. h. die Anderen haben es nicht in den Griff bekommen … egal, ob der Andere nun der dafür oder der dagegen ist, im Zweifelsfall nehmen wir für „den Anderen“ eben einen Politiker. Und so drehen wir uns im Kreis und werden jeden Morgen mit dem selben faden Gefühl der Endlosschleife munter.

Ja, ja – werden Sie denken. Und nun komm du uns mit dem Märchen von dem besser werdenden Menschen, der die Liebe gewinnen muss, um erlöst zu werden.

Oh nein. Glauben Sie mir, das traue ich ja nicht mal mir selber zu. Geschweige denn Ihnen 🙂 . Dass wir bessere Menschen werden, geduldiger und fürsorglicher, weniger egoistisch und weniger rechthaberisch – nein. Soweit geht mein Optimismus nicht.  Und doch geht er weit darüber hinaus. Ich vertraue dem, der Liebe schenkt und uns Menschen erlöst. Dem Einen, der zu uns kommt in eine Welt voller Sorgen und Enttäuschungen. Immer wieder dann, wenn es am dunkelsten ist. Ich vertraue dem, der die Menschen unermüdlich anregt, ihr Leben zu überdenken. Zu überdenken, wo ihr Schatz ist und demzufolge ihr Herz.  Die „stille Nacht, heilige Nacht“ war kein Rummel und völlig ohne „Dschingderassabum“. Sie war ein Geschenk aus Stille, aus Licht, aus Wärme, aus Zuwendung, aus Demut und Anbetung des Wunders.

Ja, täglich grüßt das Murmeltier. Es gibt gerade eine Wiederholung dessen, was wir schon hatten und so keinesfalls wieder wollten. Aber es gibt auch – unerschütterlich – das „alle Jahre wieder kommt das Christuskind…“. Er gibt uns nicht auf.  Ich könnte mir vorstellen, dass er seit über 2000 Jahren jedes Mal zu Weihnachten, wenn er uns so erlebt, denkt: Das ist echt eine Wiederholung dessen, was ich so nicht wieder wollte.

Aber – er gibt uns nicht auf.

Da sollten wir mal im 2. Jahr des „C“ nicht schon schlapp machen.  Sondern wie er versuchen, ein Licht zu sein, das wärmt und leuchtet, wenn es am dunkelsten ist. Uns – und den Anderen.

Vor allem denen, die wirklich Angst haben müssen, schlapp zu machen….

Ihre/Eure Claudia Krenzlin                    

(Foto: privat)

EINLEITUNG zum MITTWORT –

MITTWORT  

Ab den 8.Dezember nehmen wir in einer kleineren Version die „Worte für den Tag“ wieder auf. Wir möchten Sie mit unseren kleinen Texten, unserem so genannten MITTWORT  (MITTendrin mit dem WORT) – eben immer mittwochs – durch die Advents- und Weihnachtszeit und in das neue Jahr hinein begleiten. In dieser aufgeladenen und zugespitzten Zeit versuchen wir mit unseren Beiträgen Brücken zu bauen. Wir möchten in der Notzeit nach Spuren suchen, die uns zueinander führen. Wenn wir Weihnachten der Geburt Jesu gedenken, dann erzählen wir von einem Licht, dass uns auch in dunkler Zeit leuchtet. Wir schauen auf diesen Jesus von Nazareth, der alles in sich trägt was wir brauchen, um Krisen auszuhalten, zu überwinden und dabei den Nächsten im Blick zu behalten. Weihnachten hat schon immer die Gefühle besonders angesprochen und uns Menschen zu allen Zeiten und in unterschiedlichen Momenten Hoffnung gegeben.

Wir wünschen Ihnen viel Freude und nachdenkliche Momente mit unserem MITTWORT  

Ihr Pfarrer Martin Staemmler-Michael

01.10.2021 – Fehlt Ihnen etwas an dieser Stelle?

Liebe Leser der Texte “Worte zum Tag”!

Ab dem 01.Oktober 2021 wird das “Wort zum Tag” nicht mehr erscheinen. Aber wir würden uns sehr freuen, wenn Sie in den Kommentarbereich Ihre Meinung, Ihre Erfahrungen und Ihre Gedanken dazu mitteilen. Vielleicht können wir es irgendwann aufleben lassen, denn es ist mit viel Arbeit, Fleiß, Kreativität verbunden und benötigt die entsprechende Motivation.

In diesem Zusammenhang allen Autoren, Verteilern, “Ins-Netz-Stellern” (ich meine auch die weiblichen !) vielen Dank.

Im Archiv finden Sie die Text 2021 zum Nachlesen.

Reinhard Bartsch

30.09.2021 – Sünder 2.0

Ich habe im Rahmen der Worte für den Tag bereits einmal über das Thema Sünde geschrieben. Dieser Text war keineswegs abschließend. Und dieser hier wird es auch nicht sein. Doch Tageslosung und Lehrvers fordern wieder zum Nachsinnen über dieses Thema auf:

Losung: Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst – HERR, wer wird bestehen? (Psalm 130,3)

Lehrvers: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. (2. Korinther 5,19)

Am Anfang steht eine bald verzweifelte Ungewissheit: Wenn Gott auf die Idee kommt, Sünden anzurechnen, wenn er anfangen würde, die Menschheit anhand ihrer Taten nach einem Maßstab der Vollkommenheit zu bewerten, wie soll dann überhaupt irgendein Mensch diesen Test bestehen? Wie können wir auch nur darauf vertrauen, von Gott liebevoll angesehen zu werden, angesichts unseres alltäglichen Scheiterns im Umgang miteinander, in all unserem Streit und unserer Achtlosigkeit? In dem Wort „willst“ steckt die essenzielle Unsicherheit christlichen Sündenglaubens: Wenn Gott nur will, dann kann er uns ohne weiteres Verdammen und all unser Hoffen wäre vergebens.

Wer wird bestehen? Was ist einer solchen Erkenntnis entgegenzusetzen?

Der Lehrvers bietet hier ein „Wort der Versöhnung“ an. Doch was beinhaltet dieses Wort? Es ist vielleicht genau das gleiche Wort, dass so verunsichert hat: „Willst“. Der Wille Gottes ist bekanntlich unergründlich. Er lässt sich nicht erforschen. Aber in der Person Jesus, in seiner Geschichte wird uns etwas deutlich: Gott will Sünden nicht anrechnen. Er sucht die Versöhnung. Er sucht sie und wird dabei selbst Mensch. Er sucht die Nähe zu den verunsicherten Menschen und macht sich dabei auch verletzlich bis zum Kreuzestod. Und überwindet damit den Maßstab der Vollkommenheit, an dem wir nur scheitern können, denn es obliegt Gottes Willen, Sünden anzurechnen. Und das Leben Jesu zeigt: Er will es nicht.

Schalom Ben-Chorin findet im Lied Nummer 237 im Evangelischen Gesangbuch schöne Worte dazu:

Und suchst du meine Sünde,
flieh ich von dir zu dir,
Ursprung, in den ich münde,
du fern und nah bei mir.

In der Auseinandersetzung mit meiner Sünde lande ich schlussendlich immer wieder bei Gott und bei seinem Wort der Versöhnung.

Und mit dem Wort der Versöhnung schließt auch vorerst diese Reihe der Worte für den Tag. Ich denke ich kann im Namen aller WortfinderInnen sprechen wenn ich Ihnen werte Leser und Leserinnen für Ihre Aufmerksamkeit danke und Ihnen von Herzen wünsche, dass sie die Gewissheit des mit-Gott-versöhnt-Seins durchs Leben trägt und sie aufrichtet, wenn die Suche nach Wert und Sinn schwer fällt.

Ulrich von Ulmenstein