26.02.21 – Brauchen wir den…

… Teufel überhaupt? So schrieb mir vor ein paar Tagen ein Schulfreund in einer Email, nachdem er meinen Beitrag vom letzten Wochenende gelesen hatte.
Was für eine Frage! Wir brauchen vieles nicht und den Teufel schon gar nicht!

Aber so war die Frage natürlich nicht gemeint. Sondern so: Der Teufel hat früher im Leben der Menschen eine wichtige Rolle gespielt. Er war eine Erklärung für den Ursprung des Bösen, und er hat den Menschen Angst vor der Macht des Bösen und den damit verbundenen (Höllen-) Strafen gemacht.
Auf beides werden wir doch heute liebend gern verzichten wollen!

So weit, so gut. Aber wie halten wir es dann mit dem Bösen? Das lässt sich ja leider nicht so einfach weg-reden…
Mein Schulfreund schrieb mir, “dass wir den Teufel als Instanz benutzen, um unsere eigenen Schwächen und Fehler zu verdrängen und nach außen abzuwälzen . . . Wir sollten unsere eigenen Handlungen schon selbst überdenken und dafür selbst die Verantwortung übernehmen und sie nicht auf äußere Einflüsse abschieben.”

Grundsätzlich sehe ich es auch so. Das klingt sehr vernünftig und verantwortungsbewusst. Wenn alle Menschen immer so denken und handeln würden, dann…
Ach wäre das schön!
Aber so ist es eben leider nicht. Ein kurzer Blick über den Brillenrand und – seien wir bitte ganz ehrlich! – auch ins eigene Innere genügt, um festzustellen, dass sich um uns und in uns immer wieder starke Kräfte zusammenballen und Prozesse auslösen, die wir bei Lichte besehen ganz und gar nicht gut und vernünftig finden.

Und wer trägt dafür die Verantwortung?
Auch Bertolt Brecht hat sich in seiner Dreigroschenoper mit dieser Frage beschäftigt und darauf seine berühmten Verse gedichtet:

Ein guter Mensch sein? Ja, wer wär’s nicht gern?
Doch leider sind auf diesem Sterne eben
die Mittel kärglich und die Menschen roh.
Wer möchte nicht in Fried’n und Eintracht leben?
Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so!

Für die DDR-Ideologen war das natürlich eine Steilvorlage: Die Verhältnisse sind das Entscheidende – und deshalb mussten unsere Menschen mit aller Kraft für den Aufbau des Kommunismus arbeiten und kämpfen!

Das ist inzwischen Geschichte, und die Frage nach dem so schwer zu beherrschenden Bösen ist wieder offen. Offensichtlich ist es doch komplizierter. Offensichtlich spielt da sehr vieles zusammen. Offensichtlich entstehen immer wieder neue Theorien, die dieses komplexe Zusammenspiel analysieren und dabei auch wichtige Teilwahrheiten ans Tageslicht fördern. Und offensichtlich lässt sich das Böse damit bis heute nicht aus der Welt schaffen.

Warum?
Weil wir selbst abgrundtief in dieses Zusammenspiel verstrickt sind.
Und weil jeder Versuch, sich da herauszuwinden, – letztendlich – auch ein Versuch ist, Gott gleich zu werden.
Genau das ist der entscheidende Gedanke und das  Bestreben dessen, der oder die in 1Mose3,5 die Schlange genannt wird.

Ja, das sind mythologische Bilder und Vorstellungen. Sie stehen für etwas, das wir nicht anders fassen können, weil wir es nicht objektiv und von außen betrachten können,  sondern selbst von ihm durchdrungen werden. Das Böse nistet sich in uns Menschen ein und nimmt damit immer wieder personale Gestalt an.
Dafür steht die Rede vom Teufel. Es erscheint mir notwendig und gut, das auch klar zu sehen und zu benennen. Denn damit beginnt der Weg des Widerstands, auf dem wir widerstandsfähig gegenüber dem Bösen werden können. Es ist jedoch ein Widerstand der besonderen Art. Er äußert sich nicht in menschlichen Kraftakten, sondern in einem Eingeständnis und in der Bitte:

…vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen…

Ist das Vaterunser-Gebet, aus dem diese Worte stammen, vielleicht so etwas wie ein Impfstoff, der uns vor der Ansteckung durch das Böse schützt?

Ein gesegnetes Wochenende wünscht Ihnen

Ihr Heinz Schneemann

25.02.21 – Im Kalender stehen…

… gerade sehr viele Termine. Aber anstatt durch den Leipziger Westen bin ich von Videokonferenz zu Konferenz unterwegs. Manchmal wechsle ich den Arbeitsplatz – um andere „Tapeten“ zu sehen. Die Termine mit direkten Begegnungen genieße ich trotz aller Vorsicht: bei Absprachen im Pfarramt, bei seelsorgerlichen Gesprächen, bei Gottesdiensten und Andachten.

Aber daneben gibt es noch viel mehr in meinem Kalender zu entdecken: Gedenk- und Aktionstage, Namenstage, Feiertage und Feste verschiedener Religionen. Für den heutigen Tag wird zweierlei genannt: Nationaltag in Kuwait (Rückeroberung nach dem 2. Golfkrieg 1991) und Ta´anit Esther.

Zum ersten können Sie mein Wort zum Tag vom 17.1 nachlesen. Und Ta´anit Esther ist ein jüdischer Fastentag, der auf das Buch Esther zurück geht. Auch die beiden nächsten Festtage – das Purim-Fest -gehören dazu. Esther gelingt es in aller Aussichtslosigkeit ihr Volk zu retten. Wollen Sie mehr wissen, dann können Sie sich den neuen Podcast unserer Gemeinden (http://podcast.kirche-lindenau-plagwitz.de/2021/02/23/5-juedisch-beziehungsweise-christlich-naeher-als-du-denkst/) dazu anhören.

Gibt es auch etwas in Ihrem Kalender zu entdecken? Wir können unseren Blick trotz aller Einschränkungen auch jetzt weiten und neues kennenlernen! Vielleicht haben Sie Lust davon im Blog (https://www.taborkirche.de/) zu berichten – ich bin gespannt,

Ihre Angela Langner-Stephan

24.02.21 – Willkommen im Schlaraffenland!

Das Märchen vom Schlaraffenland gehört zu den ältesten Erzählungen der Menschheit. Schon in der Antike träumte man von einem Land, in dem Milch und Honig fließen oder in dem einem die gebratenen Vögel in den Mund fliegen. In Deutschland erzählt man spätestens seit dem Mittelalter davon, und im 16. Jahrhundert malt Pieter Bruegel der Ältere sein berühmtes Bild vom Schlaraffenland.

Dahinter verbirgt sich der menschliche Wunsch, mit dem Nötigsten voll und ganz versorgt zu sein, um unbeschwert leben zu können. Und auch wenn wir in einer Zeit in einem Land leben, das für die Menschen anderer Weltregionen und Zeitalter an das Schlaraffenland nah heranreichen würde, erlebe ich immer wieder: Die Wünsche hören nicht auf und glücklich ist nicht das Gleiche wie wohlgenährt oder vermögend.

Die heutige Tageslosung stammt aus einer biblischen Geschichte vom Überfluss:
Sie aßen alle und wurden satt und sammelten auf, was an Brocken übrig blieb, zwölf Körbe voll.  (Matthäus 14,20).
Jesus dankt Gott und 5.000 werden satt von fünf Broten und zwei Fischen.
Die biblischen Evangelisten erzählen diese Geschichte in Variationen immer wieder, weil sie selbst erlebt haben: Jesus schenkt das, was wir zum Leben brauchen im Überfluss.
Das gibt auch mir Hoffnung, dass ich meine Körbe füllen darf – wenn nicht mit Brot und Fisch, dann doch mit Zuversicht, Gelassenheit und Geborgenheit, um den Hunger dieser Tage zu stillen.

Herzliche Grüße
Ihr Konstantin Enge

Pieter Bruegel d. Ä.: Das Schlaraffenland (1567)

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pieter_Bruegel_d._Ä._037.jpg

23.02.21 – Wie der Deckel auf den Topf

Ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!   (Jesaja 6,8)

Meine Schwiegereltern haben eine Küche und in der Küche zahlreiche Töpfe. Im Schrank stapeln die sich ineinander. An der Dunstabzugshaube daneben stecken die Deckel dazu.  Gelegentlich koche ich bei meinen Schwiegereltern. Und dann beginnt das Suchen: Topf und Deckel, Deckel und Topf. Manchmal gestaltet sich das Finden schwierig: ein Hineingreifen, Probieren und wieder Weglegen. Ich sage nicht, dass ich mich übermäßig freue, wenn ich das richtige Paar gefunden habe, aber so etwas wie Erleichterung zeigt sich doch.

In unserem Losungswort findet der Topf seinen Deckel. Eine Frage und eine passgenaue Antwort.
„Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein?“
Aber hier geht es nicht nur um einen Botengang, sondern um einen Auftrag, eine Lebensaufgabe.
Und Jesaja antwortet: „Hier bin ich, sende mich!“ Der Topf findet seinen Deckel.

In diesem kurzen Dialog beginn eine Lebensgeschichte und ein Dasein bekommt Richtung. Und das ist schon großartig, denn in dem „Hier bin ich!“ steckt mehr als der Ausdruck eines bloßen Da-Seins.

In unserem Losungswort findet jemand seine Lebensaufgabe und einer Aufgabe wird Leben eingehaucht. „Hier bin ich!“ damit verbindet sich die Erkenntnis und dieses tiefe Gefühl von „Hier gehöre ich hin! Hier bin ich richtig!“

Der Topf findet seinen Deckel.

Dass Sie für heute Ihren Deckel oder Topf – je nachdem – finden, das wünsche ich Ihnen.

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

22.02.21 – Der Rhododendron

Rosenmontag, Faschingsdienstag und Aschermittwoch liegen hinter uns. So leise sind sie vorbeigeschlichen, dass man sie kaum bemerkt hat. Selbst für unsere Breitengerade waren es überraschend normale Tage – keine Narren weit und breit.
Und wie in jedem Jahr, in dem Ostern so zeitig liegt, fühle ich mich vom Aufruf zum Fasten überrumpelt. Haben wir nicht eben noch die Epiphaniaszeit gefeiert? Lichtmess, das offizielle Ende der Weihnachtszeit ist kaum 3 Wochen her und nun soll der frisch geborene Messias schon wieder ans Kreuz genagelt werden?
Und überhaupt: Fasten! In diesem Jahr! Das ist doch blanker Hohn! Was machen wir anderes seit vier Monaten? Freunde fasten, Reisen fasten, Weihnachtsmarkt fasten, Essen gehen und Theater fasten… Und dann kommt das Kirchenjahr um die Ecke mit seinem Aufruf zum Verzicht. 7 Wochen ohne.

7 Wochen lang gedenken wir an den Weg Jesu zum Kreuz. Für Jesus war es ein weiter und verzichtreicher Weg. An seinem Ende lag der Tod.
In diesem Jahr haben wir das Verzichten schon gelernt. Es ist ein täglicher Begleiter geworden. Können wir Jesu Weg dadurch besser nachfühlen? Einige Menschen in unserem Land und in unserer Welt teilen mit Jesus sogar das Ende dieses Weges und werden aus dem Leben gerissen. Und ja, wie Jesus im Garten Gethsemane dürfen auch wir unseren Schmerz vor Gott bringen: „Lass diesen Kelch an uns vorüber gehen!“.

Doch anders als manche aktuellen Versprechen, wird dieser Weg tatsächlich nach 7 Wochen zu einem Ziel kommen. Denn Jesu Weg führte eben nicht in den endlosen Tod, sondern in ein neues Leben.

Meine Großmutter hörte zu Weihnachten unseren Schmerz und unsere Ungeduld. Sie hörte, dass wir die Situation nicht mehr aushielten und der Verzicht einfach zu viel wurde. Da nahm sie uns zur Seite und sagte:
„Ach Kinder, seid doch nicht traurig. Bald blüht der Rhododendron wieder. Das wird eine Freude!“

Bald blüht der Rhododendron wieder. Bald wird die Hoffnung neu geboren. Bald wird Jesus mit uns einen neuen Weg gehen. Es wird kein Weg des Verzichtes, sondern eine Feier des Lebens und sie beginnt mit einem leeren Grab.

Charlotte von Ulmenstein

19.02.21 – Was zum Teufel

Sind Sie, liebe Leserin und lieber Leser, bei dieser Überschrift erschrocken? Oder neugierig geworden? Oder beides?
Ich habe auch gezögert: Darf man vom Teufel sprechen und ihn dann auch noch an die Wand malen bzw. als Überschrift auf eine Internetseite setzen?
Oder ist der Teufel für uns moderne Menschen nur noch so eine Figur aus Theater und Puppenkiste, mit einer deutlichen Tendenz ins Lächerliche?

Vermutlich sind die Meinungen darüber gespalten. Und Spaltungen zu vertiefen, das ist wohl so ziemlich das Letzte, was wir gerade brauchen. Warum also heute dieses Thema??
Weil übermorgen der Sonntag Invokavit ist, der erste Sonntag der Passions- und  Fastenzeit. Da kommt der Teufel gleich dreimal in den Lesungen vor. Und das ist nicht der einzige Grund, warum wir uns auch diesem Thema stellen sollten.

 

Lesen wir hier vorab schon einmal ein Interview, das der Teufel einem Reporter der Katholischen Kirche im Potsdamer Land auf  www.peter-paul-kirche.de/blog/48708  gegeben hat:

Reporter:  Sehr geehrte Herr Teufel … oder wie muss ich Sie ansprechen?

Teufel: Das ist mir eigentlich egal. Mir wurden schon viele Namen gegeben: Teufel, Schlange, Versucher, Satan, Fürst der Finsternis, Luzifer, Beelzebul oder Diabolos. Wir können aber der Einfachheit halber bei Teufel bleiben.

Reporter: Okay. Also sehr geehrter Herr Teufel! Es war gar nicht so einfach Sie zu finden und Sie für dieses Interview zu gewinnen. 

Teufel: Das müssen Sie entschuldigen. Aber ein Mindestmaß an Wahrung meiner Anonymität muss schon gewahrt sein.  

Reporter: Sie wollen also nicht erkannt werden.  

Teufel: Sehr richtig. Deshalb auch meine Bitte, dass wir durch diese durchscheinende Wand voneinander getrennt sitzen.  

Reporter: Ich muss zugeben, dass mich das etwas verwundert hat. Ich hatte eigentlich gedacht, dass Sie gerne im Rampenlicht stehen.  

Teufel: Nein, nicht wirklich. Ich agiere lieber im Hintergrund. Das erleichtert mir meine Arbeit ungemein. Die Leute sollen ruhig weiter glauben, dass ich Hörner, einen Pferdefuß und einen Schwanz habe.  

Reporter: Aber wenn ich das jetzt durch die Wand richtig erkenne, sehen Sie ganz anders aus.  

Teufel: Können wir bitte das Thema wechseln? Ich denke meine Bitte, nicht über mein Aussehen zu sprechen, war deutlich genug.  

Reporter: Natürlich. Schließlich bin ich sehr froh, dass Sie überhaupt zu diesem Interview bereit sind. Kommen wir also gleich zur Sache. Wie war das nun damals mit Jesus in der Wüste? Sie sind Jesus erschienen und haben ihm einige Fragen gestellt?   

Teufel: Über mein Erscheinen möchte ich nicht reden, das hatte ich ja schon gesagt. Und was die Fragen angeht, muss ich Sie korrigieren. Es waren keine Fragen. Es waren Aufforderungen.  

Reporter: Es stimmt also, dass Sie Jesus aufforderten, aus den Steinen der Wüste Brot zu machen. Was wollten Sie damit erreichen?  

Teufel: Jesus auf meine Seite zu bekommen. Was sonst? Das war schließlich mein ehrgeizigstes Projekt seit Menschheitsbeginn überhaupt. Stellen Sie sich einmal vor, ich hätte den Sohn Gottes auf meine Seite gekriegt; die Welt wäre heute eine andere. Deshalb habe ich alle Mittel eingesetzt, die ich zur Verfügung hatte. Und es sah am Anfang auch richtig gut aus.  

Reporter: Sie antworten nicht auf meine Frage. Sagen Sie mir bitte, was Sie mit der Forderung, Steine zu Brot zu machen, erreichen wollten.  

Teufel: Da war ich doch gerade. Wie gesagt: Es sah am Anfang recht gut aus. Jesus hatte 40 Tage und Nächte gefastet und das auch noch freiwillig. Da kommen bei jedem Fragen hoch: Was soll das eigentlich? Warum mache ich das? Will Gott das wirklich? Warum nicht das Leben genießen? Und als diese Fragen auch in Jesus hochkamen, da war meine Stunde gekommen. Ich musste es einfach versuchen.  

Reporter: Und wie hat Jesus darauf reagiert? Seine Bedürfnisse zu befriedigen ist doch nichts Schlechtes. Wir brauchen doch alle Nahrung zum Leben.  

Teufel: Genau. Das war ja mein Plan. Keiner, auch Gott, hat nichts dagegen, dass die Menschen ein gutes Leben haben. Das hat Jesus ja auch zugegeben. Immerhin sage er, dass der Mensch nicht nur – also doch auch – vom Brot lebt. Doch dann hat er mich durchschaut. Er sagte dann weiter: Der Mensch braucht mehr. Er braucht auch etwas für seine Seele. Er braucht das Wort Gottes.  

Reporter: Jesus mit dem Essen zu ködern hat also nicht geklappt. Wie haben Sie es dann weiter versucht?  

Teufel: Ich habe es mit der Eitelkeit versucht. Eitelkeit ist meine liebste Sünde. Da sind eigentlich alle Menschen zu packen. Jeder Mensch möchte etwas Besonderes sein. Jeder möchte mal im Mittelpunkt stehen. Jeder möchte mal ein Superstar sein. Sie brauchen nur mal ein wenig Fernsehen zu schauen, z. B. in Deutschland. Seit Jahren gibt es da das Sendeformat: “Deutschland sucht den Superstar”. Und dort geht es vor allem um die Eitelkeit.  

Reporter: Jetzt verstehe ich. Sie wollten Jesus verleiten, den Superman zu spielen. Das haben Sie also mit der Forderung gemeint, dass Jesus sich von der Tempelzinne hinabstürzen sollte. Und in der Tat, von einem Mann, der von Engeln auf Händen getragen wird, hätte man Jahrzehnte, ach was sag ich, Jahrhunderte lang erzählt.  

Teufel: Und ich wäre am Ziel angekommen. Jesu ganzer Auftrag wäre nämlich den Bach runtergegangen. Wäre er gesprungen, hätte Gott ihn auffangen müssen. Damit hätte Gott gemacht was ich wollte.  

Reporter: Aber auch auf die Eitelkeit ist Jesus nicht hineingefallen. Was haben Sie dann versucht?  

Teufel: Ich habe meine größte Waffe hervorgeholt. Das Spielen mit der Macht. Alle Reiche der Welt habe ich ihm angeboten. Und das nur für eine einzige kleine Geste. Er hätte nur ein einziges Mal vor mir niederfallen müssen. Aber er hat es nicht getan. Er hat mir sogar eine Abfuhr erteilt, die selbst mir wehgetan hat. Ohne mit mir überhaupt zu diskutieren, hat er mein Angebot abgelehnt.  

Reporter: Also ist es nie wirklich zu einen Gespräch Jesu mit Ihnen gekommen.  

Teufel: Das kann man wohl sagen. Aber es gibt ja noch andere, die ich mit dem Konsum, mit der Eitelkeit und mit dem Reiz der Macht von ihrem Lebensweg abbringen kann.

 

Im nächsten Gottesdienst werden wir hören, was zum Teufel heute noch zu sagen ist.
Sie können es auch auf www.evangelium.art.blog nachlesen, sobald es am Sonntag Invokavit 13 Uhr geschlagen hat.

Bleiben Sie behütet und gesund!
Ihr Heinz Schneemann

18.02.21 – Anfangen

Heute ist der Tag nach dem Fasching, der keinen Namen hat …

Aschermittwoch ist Schluss mit lustig. In Leipzig ist es ja mit dem Faschingstreiben auch in „Nicht-Corona-Zeiten“ nicht so doll.
Und ich selbst bin ein rechter Faschingsmuffel, habe es weder mit verordneter Fröhlichkeit noch mit verordnetem Trübsinn… Nun also Fastenzeit. Verordnetes Innehalten, In-sich-gehen, Maß halten, anders leben … Auch darin bin ich ein rechter „Muffel“ und kann mich zu keiner eigenen Aktion entschließen.

Für mich hat sich im Laufe der Jahre erwiesen, dass die Zeiten der Fröhlichkeit und die Zeiten der Trauer, des Sich-Zurücknehmens und des Aufbegehrens immer kamen, wann sie wollten, nie dann, wenn ich damit rechnete oder sie vielleicht sogar „dran“ gewesen wären. Alles hat seine Zeit … und wann diese Zeit ist, legen wir letztlich nicht fest.

Wichtig jedoch ist zweierlei, ob nun geplant oder unverhofft:
1. die Zeiten annehmen und füllen, mit dem was sie fordern: Tränen, Lachen, Mut, Zweifel, Geduld und immer … Glaube, Liebe, Hoffnung …. und
2. nie damit aufhören, neu anzufangen.

Jesus hat im Sterben einen Neuanfang gelebt. Das ist das Größte.
Vorher gibt es das Neuanfangen in unserem ganzen Leben in vielem kleinen und größeren Situationen.
Wir können das gerade in den kommenden Tagen in der Natur aufs Genaueste sehen.

Nach den Tagen des Frostes, des Schnees werden die Schneeglöckchen blühen, der Bärlauch seine grünen Blattspitzen durch das Laub des Vorjahres stecken, die Sonne wird nach und nach alles neue Leben wecken.
Es gibt keine bessere Parabel auf das Anfangen als den, noch im Winter beginnenden, durch nichts aufzuhaltenden Frühling.

Ich wünsche allen Fastenden die Kraft über den Anfang hinaus und allen Nicht-Fastenden die Kraft, im ungeplanten Fasten zu bestehen.

Claudia Krenzlin

17.02.21 – Mehr MIT als OHNE

Heute beginnt die Fastenzeit. Wenn ich in letzter Zeit auf das Thema zu sprechen kam, schlug mir oft eine ungewohnte Unlust entgegen – ist doch normalerweise inzwischen das Fasten selbst unter Menschen, die sich als unreligiös oder nichtkirchlich bezeichnen, erstaunlich populär geworden. Als eine Form der inneren Einkehr, der Zeit für sich selbst in Form von Meditation oder Yoga genießt das Fasten den Ruf, gesund für Leib und Seele zu sein. Nicht zuletzt als Verzicht auf ungesunde Lebensweise und Ernährung. Ob mit oder ohne Gottesbezug.
In diesem Jahr aber spüre ich eine gewisse Müdigkeit am Verzichten. Entbehren wir nicht schon seit Monaten Lebensfreude und vieles von dem, was uns gut tut? Und jetzt will mir auch noch einer mein Bier nehmen? Nee, lass mal. Und noch mehr Zeit mit und für mich selbst brauch ich grade wirklich auch nicht. Nach dem Gegenteil sehne ich mich: Ich will Menschen um mich, ich will das volle Leben, ich will wieder feiern, Freunden in den Armen liegen! Ich will wieder hinaus ins Leben, will Reisen, will Musik, Tanz und Theater, ich will essen und trinken nach Lust und Laune und Lebendigkeit wieder spüren! Nein, ich will nicht mehr verzichten. Schlechtes Timing also?
Nein, im Gegenteil. Gerade deshalb, weil ich das Gefühl habe, auf soviel Schönes zu verzichten, lohnt es sich, die Fastenzeit zu einer besonderen Zeit „mit“, nicht „ohne“ zu machen. Was tut mir, was tut dem anderen gut? Was tut uns als Paar, als Familie gut? Wo schöpfe ich Kraft und Energie? Wo finde ich Zeit, mich von Gott finden und berühren zu lassen? Sind es Texte, die ich seit langem nicht gelesen habe, die gute Musik, wenn die Kinder abends im Bett, sind, der Weg durch die Natur ganz allein, nur mit meinen Gedanken? Ist es der Sport, die Radtour oder die Laufrunde? Ist es das Schreiben, das Zeichnen, oder das Gebet?
Ich will die diesjährige Fastenzeit nicht ignorieren. Aber versuchen, sie mit mehr „mit“ und mit weniger „ohne“ zu füllen.

Johanna Stein

16.02.21 – Fastnacht

Von Düsseldorf über Köln rheinauf bis Mainz und rüber bis Rio ärgert man sich über eine verpatzte Karnevalssaison. Faschingsmuffel dagegen haben nichts gegen einmal weniger Rummel. So spaltet auch Frohsinn das Volk.

Na, ja. Aber ehrlich gesagt, finde ich, dass Corona auch sehr viel Phantasie und Kreativität freigesetzt hat. Meine Frau und ich werden seit längerem täglich mit lustigen bis sarkastischen Kommentaren via Whatsapp geflutet. Auch wenn mancher Beitrag am guten Geschmack vorbei-schrammt, wir haben doch oft herzhaft gelacht. Ja, ernste Zeiten brauchen das Lachen. Not braucht ein Überdruckventil.

Berühmt ist der jüdische Humor – wir wissen, warum. In der DDR war er unterirdisch. Auch der sächsische ist ein listiger Trick gegen Unwohlwollen.
Legendär sind die Narrenpredigten von Prof. Lux in der Nikolaikirche.
In der Bibel spielt der Humor keine große Rolle, aber warum soll Jesus – als Jude – nicht auch über einen guten Witz gelacht haben?
Recht hat er, der Prediger Salomo, wenn er sagt, alles hat seine Zeit – das Lachen und das Weinen.

Morgen gehen wir mit Jesus auf eine ernste Reise. Aber heute lachen wir noch mal.

Beste Grüße
Ihr Günther Jacob

 

(Anmerkung aus der Redaktion:
In Wahrnehmung unserer Verantwortung gegenüber unseren Leserinnen und Lesern haben wir den Schnelltest getestet.
Er funktioniert. Als Nebenwirkung ist lediglich mit einer vorübergehenden leichten Trübung des Hick- Verzeihung! – des Blickfeldes zu rechnen.) 

15.02.21 – Familie ist, wo … (2)

Erst dachte ich, dass sei vielleicht nicht nötig. Doch seit einigen Jahren trage ich eine Gleitsichtbrille. Damit kann ich nach kurzer Eingewöhnungszeit gut erkennen, was weiter weg und was ganz nah ist. Nur mit Fernbrille war das mit der Nähe schwierig.

Jetzt, wo ich über das Thema Familie nachdenke, geht mir auf, dass da auch ein Gleichnis drinsteckt: Die Familie ist der persönliche Nahbereich unseres Lebens. Der Ort, wo uns das Leben nahegeht. Hautnah. Wo wir uns nackt begegnen. Ein aufregender Ort der Intimitäten. Und ein vertrauter Ort der festen Gewohnheiten. Wo wir uns durch und durch kennen und erkennen. Für viele ein Sehnsuchtsort… Für manche auch ein Gefängnis…

Also alles andere als eindeutig und klar. Wie auch das Wort aufregend. Oder das Wort reizend. Manchmal wie der Himmel auf Erden… Und manchmal auch wie die Hölle…

Entsprechend weit gehen auch die Meinungen auseinander: Mein Einundalles! sagen die einen. Ohne mich! die anderen. In Film und Fernsehen wird beides für ein Millionenpublikum genüsslich  aufbereitet. Jede/r  kann da fündig werden und sich bestätigt fühlen.

Im Fernsehen, natürlich! Und im Nahsehen? Ergibt da eins das andere, mehr oder weniger glücklicherweise? Oft scheint es so, weil ich es ganz und gar nicht allein in der Hand habe. Nicht, was der oder die Andere sagen und tun wird. Und ja – so komisch es auch klingt – nicht einmal mich selbst, mit meinen verborgenen Tiefen und Untiefen!

Und doch! Jetzt komme ich wieder auf meine Gleitsichtbrille zurück, die ich brauche, wo die Fernbrille allein nicht hilft. Ich kann meinen Blick und meine Aufmerksamkeit fokussieren auf das, was da gerade ganz in der Nähe läuft, um mich herum und aus mir heraus. Manches erfasse ich nicht gleich auf den ersten Blick. Ist das jetzt meine Sache oder deine Sache? Aber bei längerem genauen Nahsehen werden doch Muster erkennbar: Was gut geht, und wo Problemfelder liegen. Was Kraft kostet, und wo wir miteinander Energie tanken können. Was du brauchst und was ich brauche.

Dieses Nahsehen kann zu einem tieferen Erkennen und Verstehen führen. Darin liegt eine große Chance zum gemeinsamen Wachsen und Reifen in der Familie. Und wenn dieses Nahsehen mit den Augen der Liebe geduldig geübt wird, dann kann sich das, was zuerst ein Problem war, sogar noch als Schatz erweisen.

Es sind familiäre Sternstunden, wenn wir miteinander auf eine solche Schatzsuche gehen und fündig werden. Eine genaue Handlungsanleitung für alle Lebenslagen wird es dazu nicht geben, wohl aber beherzigenswerte Einsichten, von denen ich abschließend noch einige herausheben möchte.

  • Wie alles, was leben soll, braucht auch die Liebe Nahrung.
  • Wir können nur miteinander und nicht gegeneinander glücklich werden.
  • Familie ist ein wechselseitiges Geben und Nehmen, das manchmal in eine Schieflage gerät und immer wieder neu ausbalanciert werden muss.
  • Das Geschenk des Verstehens und Verstandenwerdens hängt eng mit unserer Fähigkeit zum Perspektivwechsel – es mal mit den Augen der anderen zu sehen – zusammen.
  • Wo einer des anderen Last trägt (Galater 6,2), wird keiner unter seiner eigenen Last zusammenbrechen.

Herzlichst,

Ihr Heinz Schneemann