13.05.2021 – CHRISTI HIMMELFAHRT

Wo ist Jesus jetzt? Diese Frage stellt sich nach seiner Himmelfahrt. „Aufgefahren in den Himmel“, so sprechen wir im Glaubensbekenntnis. Ist Jesus also bei Gott im Himmel?

In den 1960er Jahren unternahmen sowjetische Kosmonauten und amerikanische Astronauten erste Weltraumflüge. Zur Erde zurückgekehrt, sagte der Kosmonaut Wladimir Komarow, es sei sehr schön gewesen im Weltall. Aber Gott habe er nicht gesehen. In der atheistischen Schule der DDR wurde uns Kindern, die wir „noch in die Christenlehre“ gingen, das erzählt – als Argument gegen die Existenz Gottes. Die Erwiderung des Astronauten John Glenn hat man uns freilich verschwiegen. Von seiner Erdumrundung zurückgekehrt, hat Glenn nämlich auf Komarow geantwortet, er hatte sich Gott auch nicht so klein vorgestellt, dass er erwartet habe, ihm dort zu begegnen.

Wo ist Jesus? So naheliegend diese Frage am heutigen Tag auch sein mag, beinahe wichtiger als die Frage „Wo ist er?“ scheint mir die Frage zu sein „Wer sind wir?“ Wer sind wir nach Karfreitag, Ostern – und nach Christi Himmelfahrt? Antwort darauf kann uns der Bericht von Jesu Himmelfahrt im Lukas-Evangelien (Lukas 24, 45-53) geben.

Wir sind Gesegnete. „Er führte sie aber hinaus bis nach Bethanien, hob die Hände auf und segnete sie.“ Gesegnet, das heißt auch begleitet, auf den Weg geschickt, umschlossen von SEINER Liebe.

Begeisterte sind wir, mit SEINEM Geist beschenkt, „ausgerüstet mit Kraft aus der Höhe“. Zu Pfingsten ist das geschehen. Kraft aus der Höhe – gegen die Schwächlichkeit unseres Glaubens. Und gegen alle Ermüdung begeistert mit dem Geist Gottes.

Weil wir Gesegnete und Begeisterte sind, können wir – wie die Jünger damals – froh und heiter sein, „erfüllt mit großer Freude.“

Und Beauftragte sind wir, zum Zeugendienst berufen. „…dass gepredigt wird in meinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern.“ sagte Jesus zu seinen Jüngern.

Gemeinde Jesu Christi nach Himmelfahrt ist also gesegnete, begeisterte, mit großer Freude erfüllte und zum Zeugendienst beauftragte Gemeinde.

Wo ist Jesus nach seiner Himmelfahrt? Ist er „beim Vater“? Sitzt er „zur Rechten Gottes“? Ja. Aber er ist auch bei uns! Auch und gerade jetzt! Er ist bei uns durch seinen Geist, seine Gaben, seine Kraft – durch seinen Segen.

Ich wünsche Ihnen einen freudigen, gesegneten Himmelfahrtstag!

Pfr. Matthias Piontek

12.05.2021 – Hoffnung

Was macht dir Hoffnung?

Stopp des Klimawandels, Impftermin, Einreise nach Europa, Präsenzunterricht, OP- Termin, Ende des Terrors, …

Vieles mehr könnte ich benennen. Je nachdem wo ich lebe, wen ich kenne, was mich bewegt, werde ich die Frage unterschiedlich beantworten.

Vieles hängt zusammen. Offensichtlich oder über Umwege. Den Durchblick zu behalten wird immer schwieriger. Doch ist der Durchblick für Hoffnung notwendig?

Was ist Hoffnung?

Wikipedia sagt mir „Hoffnung (vgl. mittelniederdt.: hopen „hüpfen“, „[vor Erwartung unruhig] springen“, „zappeln“) ist eine zuversichtliche innerliche Ausrichtung, gepaart mit einer positiven Erwartungshaltung, dass etwas Wünschenswertes eintreten wird, ohne dass wirkliche Gewissheit darüber besteht. … Hoffnung ist die umfassende emotionale und unter Umständen handlungsleitende Ausrichtung des Menschen auf die Zukunft.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Hoffnung 29.04.2021)

Da ist viel Wahres dabei! Ich werde nur selten hüpfend durch die Straßen laufen. Aber diese innere Ausrichtung, diese positive Erwartungshaltung kenne ich.

Den nächsten Satz finde ich sehr bedeutsam.

„Hoffnung ist die umfassende emotionale und unter Umständen handlungsleitende Ausrichtung des Menschen auf die Zukunft.“

Ich denke, das ist genau das, was ich an mir spüre, dass es in diesen Pandemiemonaten immer mehr abhandengekommen ist. Es ist ein Unterschied, ob ich Einschränkungen in Kauf nehme, weil sie von der Regierung verordnet sind. Oder ob ich Einschränkungen einhalte, weil ich eine Hoffnung habe. Eine Hoffnung, die genährt wird von klaren Zielen. Es gibt immer noch große Bereiche unseres gesellschaftlichen Miteinanders, die sind seit fast einem Jahr komplett eingeschränkt! Welche Perspektiven haben das Pflegepersonal und die Ärzteschaft auf den ITS und Corona Stationen? Woher nehmen sie die Motivation sich tagtäglich in Vollmontur zu den Patientinnen und Patienten zu begeben, obwohl auch sie seit einem Jahr überdurchschnittlich viele Menschen sterben sehen? Irgendetwas scheint immer noch diese „handlungsleitende Ausrichtung … auf die Zukunft“ zu bewirken.

Irgendetwas steckt in uns, dass uns, Menschheit, wieder aufstehen lässt. Wie viele Kriege, Pandemien, Seuchen, große oder persönliche Katastrophen gab es in der Geschichte schon? Unzählige bis heute.

Und TROTZDEM gibt es uns heute. Unsere Vorfahren sind wieder aufgestanden. Etwas hat sie angetrieben, ihnen Hoffnung gemacht. Vielleicht beschreiben wir diese motivierende Kraft ganz unterschiedlich? Warum auch nicht, wir sind alle verschieden.

Aber in jeder und jedem von uns, davon bin ich überzeugt, steckt dieser göttliche Funke, diese Gottesidee, … (oder wie du auch immer dazu sagst). Lässt uns diese Gottesidee, nach all dem Schrecklichen, Angstmachenden, Zerstörerischen dieses TROTZDEM versuchen?

Doch, ich bin überzeugt, diese TROTZDEM- Motivation kommt nur zur kraftvollen Entfaltung im gemeinsamen Denken und Handeln. Wir Menschen brauchen einander. Diejenigen die anpacken, diejenigen die einen Plan haben, diejenigen die uns mit ihrem Können verzaubern und so wiederum anspornen können. Nur gemeinsam läuft es rund.

Was meinst du, wo liegt deine Stärke?

Susanne Schönherr

11.05.2021 – Einfach mal die Hände falten

Was einem Vogel die Flügel und einem Schiff die Segel sind, ist der Seele das Gebet.

Ein Zitat von Corrie ten Boom bringt mich auf die Spur. Welche Kraft wohnt in Gebeten?

Ich meine nicht die verordneten Gebete, die ideologisch missbraucht wurden und werden. Es geht mir nicht um die Massengebete, die Menschen in Ekstase versetzen und sie dann je nach dem Willen der religiösen oder politischen Führer in bestimmte Richtungen gelenkt werden.

Es geht mir um das Gebet ganz bei mir. Denn ich glaube, dass Gott nah bei jedem ist. Mit diesem menschenfreundlichen Gott in Beziehung zu treten, verändert Haltung zu mir selbst und zu den Menschen um mich.

Das Gebet wird eigenes Denken und Handeln für die Menschlichkeit entfalten. Dann kann es Momente geben, da bin ich ganz mit mir im Einklang und trete aus der Tür meines ICHs. Die tosende Wirklichkeit wird mich erschrecken, aber zugleich finde ich den Ort zu heilen. Vielleicht ist es nur ein Wort, das jemanden guttut. Oft weiß ich es gar nicht, was aus eigenem Handeln entsteht.

Das Leben von Corrie ten Boom bringt mich auf die Spur. In den Gebeten für das Leben ist eine Energie die verändert. Im Kreis der Familie ten Boom lebte ein Geist der Großzügigkeit, Freiheit und Lebensfreude. Jüdisches und christliches Leben gehörten in einer Selbstverständlichkeit zum Alltag in Amsterdam. Die Familie war in der Kirchgemeinde fest verankert. Das Gebet im Geist der Freiheit hinterlässt Spuren, setzt die Segel für Nächstenliebe und breitet die Flügel aus, um Schutz denen zu geben, die in Not sind. Als 1940 die Nazis die Niederlande besetzten, wurden jüdische Mitbürger verfolgt und ermordet. Als junger Frau versteckte Corrie ten Boom mit ihrer Familie Juden vor den Häschern, bis sie denunziert wurden. Was für ein Mut und was für eine Zuversicht liegen dieser Haltung zugrunde. Das Gebet war Kraftquelle für das Leben.

Es gibt Momente, da bin ich ganz mit mir im Einklang und ich trete aus der Tür meines ICHs und bin da. Manchmal zögerlich und mit viel Willen, dann wieder ängstlich und doch mutig. Manchmal ohne Plan aber doch mit viel Elan, mitunter möchte ich mich verkriechen, suche aber die Menschen. In der Bewegung zwischen den Gegensätzen finde ich im Gebet die Balance. Ich kann zu mir ja sagen und mich annehmen, wie ich bin. Das ist harte Arbeit, aber ein Glücksmoment für die Seele.

Was einem Vogel die Flügel und einem Schiff die Segel sind, ist der Seele das Gebet.

Ihr Martin Staemmler-Michael

 

 

10.05.2021 – Vor Engeln wird gewarnt

Christen, die was auf sich halten, haben es oft nicht so mit Engeln, und besonders kritisch sind Pfarrer, ist meine Erfahrung. Ganz unverständlich ist das nicht, die biblischen Verweise auf die Engel des Herren sind oft eher vage – und umso reger blüht die Kitschindustrie jenseits von Kirche und Schrift. In Deutschland würden mehr Menschen an Engel glauben als an Gott, hat ein sehr kluger EKD-Hirte mal gesagt, und das sollte heißen: wie albern – wo doch Gott der Anfang und der Engel bestenfalls die Ableitung ist.

Vielleicht sind die Leute aber doch klüger, als es sich der kluge EKD-Denker vorstellen konnte, weil viele Menschen intuitiv spüren, dass einem Engel leichter nahe zu kommen ist als diesem Lieben Gott, der einem manchmal auch ganz schön fern vorkommen kann.

Wenn ich hier vor Engeln warnen will, dann aus einem anderen Grund – und vor anderen Engeln, als denen,  die man aufs Fensterbrett stellen kann oder in den Weihnachtsbaum hängen. So schön es ist, einem anderen Menschen zu begegnen, der ein Engel ist, so gut will überlegt sein, wie man mit der Begegnung mit dem Unwahrscheinlichen umgeht.

Ich kenne eine Frau zum Beispiel, glücklich verheiratet, zwei Kinder, und sogar in die Kirche ging sie gelegentlich, die lernte auf einer Geburtstagsfeier einen Mann kennen, der sie sehr beglückte. Nicht nur ein bissl Glück widerfuhr ihr da, wie ein Schluck Glühwein in der Adventszeit, nein dieser Mann war ihr ein wirklich tiefes Glück ihres Lebens, also durchaus auch ein wenig berauschend. Mehr wie eine halbe Flasche sehr guten Weins kam er ihr vor, und dagegen ist ja nun wirklich nichts zu sagen.

Schwieriger natürlich war für sie die Frage zu entscheiden, wie es nun weitergehen sollte, nach der ersten Euphorie, einem solchen Menschen begegnet zu sein, und dann nach einigen Monaten des besseren Kennenlernens eines Mannes, der ihr durchaus wie ein Engel auf Erden vorkam: er hatte ihr Leben durcheinander gebracht, das schon, aber eben auch in vielerlei Hinsicht in der bestmöglichen Weise. Er hatte sie neu auf alte Gewohnheiten schauen lassen, er hatte Schmerzhaftes überwinden geholfen, er hatte ungeahnte Perspektiven aufgezeigt, wie sie ihr Leben in Zukunft wohl weiterleben könnte, nicht ganz anders als vorher, gewiss, aber doch freier im Herzen und froher.

Jetzt kam der schwierigere Teil, für den Romeo und Julia keine Vorlage sein konnten und die Liebesfilme der Streamingdienste ebenso wenig wie die Lebenshilfe aus dem Internet oder klugen Ratgebern: wie verfährt man mit einem Engel, nachdem man das Glück erfahren hat, dass er das eigene Leben besucht und gehörig durcheinander gewirbelt hat, wie es der Engel Art nunmal ist?

Die Frau fand Trost bei einem Gedanken, der ihr erst gekommen war, als sie sich zugestanden hatte, den Engel auch Engel sein zu lassen. Ein Flügelwesen der Verwandlung hatte sie besucht und der war nun mal ein Sendbote der Freiheit: er brachte ihr Freiheit – und ließ sich die seine nicht nehmen.  Halb irdisch war er darum und halb himmlisch, mit einer Tendenz zur Rückkehr dorthin, von wo er gekommen war. 

Auf Erden sind Engel nur Besucher. Darum ist die Begegnung mit ihnen so grundstürzend, darum tut es so verdammt weh, sie wieder ziehen zu lassen. Was er aber verwandelt hat, der Engel auf Erden, das bleibt in uns und bei uns alle Tage. 

Patrik Schwarz

09.05.2021 – Häufig irgendwie dazwischen

Geht es Ihnen vielleicht auch so, liebe Leserin und lieber Leser?
Ich stehe und fühle mich häufig irgendwie dazwischen:
      zwischen Sorge und Vertrauen
      zwischen Lockdown und Verlockung
      zwischen Gut und Naja-nicht-so-gut
      zwischen Hoffnung und Zweifel
      zwischen Zufriedenheit und Unzufriedenheit
      zwischen Kraft und Leere
      zwischen Ach, Gott! und Halleluja!

So ist das Leben, sagen Sie jetzt vielleicht.
Wenn Sie das jetzt so sagen – hier in meinem Text haben Sie es bereits gesagt -, dann könnte sich daraus etwa folgendes Gespräch entwickeln:

Ja, so ist das Leben. Wie hält der Mensch das nur aus?
    Was? Das Leben??

Diese ständige Spannung zwischen Sein und Sollen.
    Ach komm, es wird doch nichts so heiß gegessen, wie’s gekocht wird!

Klingt ziemlich abgebrüht!
   Was soll denn das nun wieder heißen?

Das soll heißen, dass wir uns nur zu allzu gern mit solchen Sprüchen beruhigen!
   Und was soll daran falsch sein?

Das Abgebrühte.
   Worauf wollen Sie eigentlich hinaus?

Ich will damit sagen, dass es nicht gut sein kann, wenn wir uns so schnell aus den Spannungen des Lebens herauswinden.
   Ja, haben Sie denn einen besseren Vorschlag…?

(Was kann man da sagen? Mir fällt jetzt nur eine Antwort ein:)

Beten.
   Beten?

Ja, beten!
   Wieso beten?

Weil mir beten hilft, in diesen Spannungen sensibel und offen zu bleiben, ohne daran zu zerbrechen.
   Das klingt ja ganz schön stark…

Am Sonntag Rogate geht es ums Beten. Das ist ein Thema, zu dem es heute noch sehr viel zu sagen gibt. Hier würde das wohl zu weit führen, aber wenn Sie mögen, finden Sie heute ab 11 Uhr unter www.evangelium.art.blog noch einige weiterführende Gedanken dazu.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen

Ihr Heinz Schneemann

08.05.2021 – Tag der Befreiung

Der 8. Mai ist ein Datum von welthistorischer Bedeutung: In vielen Ländern wird heute des Kriegsendes in Europa vor 76 Jahren gedacht. Die Deutschen haben sich nicht immer leicht getan in ihrem Umgang mit diesem Tag. In der DDR wurde er schon früh als Tag der Befreiung gefeiert, allzu oft aber auch missbraucht, um das sowjetische und das eigene Regime zu glorifizieren. In der Bundesrepublik galt der 8. Mai zunächst als Tag der Niederlage, bis sich langsam die Erkenntnis durchsetzte, dass die Niederlage Nazi-Deutschlands eine Befreiung war, die Erinnerung verdient.

Ein Meilenstein auf diesem Weg war die Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985. Unter ausdrücklicher Würdigung der jüdischen Erinnerungskultur sagte er damals unter anderem: „Die Erinnerung ist die Erfahrung vom Wirken Gottes in der Geschichte. Sie ist die Quelle des Glaubens an die Erlösung. Diese Erfahrung schafft Hoffnung, sie schafft Glauben an Erlösung, an Wiedervereinigung des Getrennten, an Versöhnung. Wer sie vergißt, verliert den Glauben.“

In diesem Sinne sind auch wir gut beraten, die Erinnerung wach zu halten, an diejenigen, die damals wie der Psalmbeter aus der heutigen Tageslosung riefen „Mache dich auf, hilf uns und erlöse uns um deiner Güte willen!“ (Ps 44,28) und für die der 8. Mai ein Tag der Hoffnung und der Erlösung war und ist. Erinnern wir uns und schöpfen wir aus der Erinnerung Kraft, an den vielen die auch heute den Hilferuf des Psalmbeters auf den Lippen haben!

Herzliche Grüße

Ihr Konstantin Enge

07.05.2021 – Handschuhe und Sonne

Ich radle zum CT in die Uniklinik . Es ist ein noch kalter, aber sonniger Morgen. An der Ampel steht vor mir eine junge Frau. Auf ihrem Rad im Kindersitz ein kleines Mädchen. Beide diskutieren über Handschuhe oder nicht Handschuhe. Die Mutter sagt: Du bekommst ganz kalte Hände!“ Das Kind antwortet: „Aber die Sonne scheint!“
Ich muss lächeln. Zwei Wahrheiten, zwei Realitäten, zwei Wahrnehmungen – und verschiedene Auffassungen, wie damit umzugehen ist. Wundert es Sie, wenn ich Parallelen zu unserer gegenwärtigen gesellschaftlichen und oft auch persönlichen Situation sah?

Aber auch mein eigener heutiger Weg war voll ambivalenter Gefühle. Fünf Jahre nach dem Krebs …. man sagt, wenn dann nichts nachgekommen ist, hat man gute Chancen …

Fünf Jahre hieß es – zwischen den Zeilen – kalte Hände. Und fünf Jahre erlebte ich – es scheint die Sonne. Ich bin zutiefst dankbar für eine intensive Zeit. Für Menschen, die Handschuhe bereithielten, für Menschen, die sich mit mir an der Sonne freuten. Freunde, Familie, Ärzte, Schwestern …

Corona hält uns nun über ein Jahr auf Trab. Und wir teilen uns immer mehr in zwei Gruppen. Die einen sagen: es ist kalt, zieh dich warm an. Die anderen: es scheint dennoch die Sonne.

Die Mutter sagte: „Ja, die Sonne scheint, aber sie wärmt noch nicht. Ich habe Handschuhe an. Deine stecke ich ein. Wenn Dir doch kalt wird …”

Können wir nicht so miteinander umgehen? Du hältst etwas anderes für wichtig als ich. Das macht nichts, solange wir einander akzeptieren… und jeder die Chance hat, eine Empfindung und Wahrnehmung nicht nur zu äußern, sondern auch zu ändern. Vielleicht zieht die Mutter ihre Handschuhe bald aus. Vielleicht will das Kind seine dann doch noch anziehen. Was wäre schlimm daran? Nichts. Schlimm wäre es, wenn jeder auf seine Wahrheit – kalt oder sonnig – besteht, wo es doch offensichtlich kein entweder/oder gibt, sondern ein und.

Ich liebe das Kind für sein Vertrauen in die wärmende Sonne.

Ich mag die Mutter für Ihre Fürsorge.

Ich liebe Gott, dass er mir beides schenkt.

Täglich neu! Nicht erst seit fünf Jahren, sondern seit 53.

Nach der Untersuchung radle ich fröhlich und ohne Handschuhe nach Hause – die Sonne scheint ja. Ich habe noch keine Ergebnis vom CT, aber – was für ein schöner Tag!

Corona ist noch lange nicht vom Tisch – aber was für ein Leben !

Claudia Krenzlin

06.05.2021 – Unsere Verantwortung

Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen. (Ps. 145, 15-16)

Als beliebtes Tischgebet und bekannt als 4-stimmiger Satz von Heinrich Schütz ist mir der heutige Losungsvers aus dem Psalm 14 vertraut. Als Kind hab ich ihn gemocht und blind vertraut auf das, was ich sprach oder sang. Ich mag ihn auch heute noch, allerdings muss ich gestehen – er liegt mir quer im Magen, seit ich erwachsen bin und die Welt und ihre Umstände etwas besser zu kennen scheine. So wie mir jedes Jahr zu Erntedank so manches selbstverständliches „Danke, dass wir genug zu essen haben“ im Halse stecken bleibt – schwingt darin doch immer mit, dass Millionen Menschen genau das nicht haben. Weil Gott sich ihnen nicht zuwendet? Weil er ihnen seine offene Hand verwehrt? Weil er an ihnen kein Wohlgefallen hat?
Der Film „Hunger Ward“ war bei der diesjährigen Oscarverleihung als bester Dokumentarkurzfilm nominiert. Er begleitet eine Ärztin und eine Krankenschwester in zwei Krankenhäusern des Jemen. Schonungslos, nicht dramatisiert, ohne Schuldzuweisung und ohne viele zusätzliche Worte zeigt er das Sterben von Säuglingen und Kindern und den Kampf der Mediziner um wenige Kilo Leben. „Du sättigst alles, was lebt“? Nein, Gott, das tust du offenbar nicht! Will ich ihn anschreien. Auf dieser Welt bekommt eben leider nicht jeder seine Speise zu seiner Zeit.

Und trotzdem will ich an einen gerechten Gott glauben, der sich uns zuwendet. Wie passt das zusammen?

Ich kann es nur, indem ich uns selbst mit in die Verantwortung nehmen. Gottes offene Hand bedeutet nicht, dass ich mich zurücklehnen kann. Ja, Gott gibt, was diese Welt zum Leben braucht, und es reicht, damit alle satt werden können. Es aber allen auch zukommen zu lassen, es gerecht zu verteilen, allen Menschen gleichen Zugang zu fairen Bedingungen zu ermöglichen: Das liegt in unserer Hand. Wir sind eine große Tischgemeinschaft – ihn mit ausreichend Tellern zu decken, das traut und mutet Gott uns zu. Das wäre zu seinem „Wohlgefallen“.

Johanna Stein

 

 

05.05.2021 – (Part 2) Hat Jesus eigentlich gelacht? 

Ja, jetzt lachen Sie! Was für eine dumme Frage! Warum sollte er nicht? Und trotzdem: im Mittelalter war diese Frage durchaus umstritten. Im legendären Film „Der Name der Rose“ nach dem Roman von Umberto Eco ist genau dieses Thema Grundlage eines Streitgesprächs zwischen dem grimmigen Abt und dem fröhlichen Franziskaner William von Baskerville. 

Schon für die alten „Kirchenväter“ war die Frage wichtig, ob Jesus gelacht haben könnte. Denn mit dieser Frage suchte man eine Antwort darauf, ob Jesus wahrer Mensch oder wahrer Gott gewesen ist. Da man sich Gott nicht lachend vorstellen konnte, war das Lachen in Klöstern unüblich und galt als unchristlich. Aber es gab auch kräftige Gegenstimmen. Gott sei Dank!

Zugegeben: Es gibt eben nicht immer etwas zu lachen. Das Leben ist kein Ponyhof. Wohl wahr. Die Bibel weiß in ihrer Weisheit: Alles hat seine Zeit! “Das Weinen seine Zeit hat und das Lachen” (Prediger 3,4). 

Es geht also nicht um ein permanentes Dauergrinsen. Eine Art christliches positives Denken. Das würde auch dem Leben nicht gerecht und macht eher krank! Aber ein Paulus kann mitten in der Gefangenschaft seinen Zuhörern schreiben: Freuet euch und noch einmal sage ich euch: Freuet euch! Und dann lesen wir von den rauschenden Festen und Mahlzeiten, die Jesus mit Außenseitern und Freunden gefeiert hat. Wer jüdische Feste schon einmal beobachtet hat, der weiß, wie bunt, sinnlich und überschwänglich in ihrer Freude diese sind.

Natürlich hat Jesus gelacht! Und mit Ihm haben auch wir gut lachen!

Volker Klein

05.05.2021 – (Part1) Sind sie noch zu retten?

 

Bild: Peggy Choucair, Pixabay

Schmückt das Fest mit Maien“ singen wir im Pfingst- und Frühlingslied EG 135. Der Textdichter Benjamin Schmolck bezieht sich damit direkt auf Vers 27 des Psalms 118. Diesen Vers übersetzte Luther mit dem Ausruf: „Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars.“ Maien? Was ist das eigentlich? Maien ist ein alter Ausdruck für „junger Baum, besonders junge Birke oder Birkenzweige“ (dwds.de). Im Psalm dürfte Luther eher frische Zweige gemeint haben, denn Birken gibt‘s in der Gegend, aus dem der Psalm stammt, bekanntlich nicht. Jedenfalls schmücken wir mit „Maien“ – gemeinhin mit frisch geschlagenen Birken – traditionell zu Pfingsten unsere Kirchen, und in Bezug auf Psalm 118, 27 vor allem den Altar. Pfingsten, der Geburtstag der Kirche, bekommt so eine frische und festliche Anmutung.

Die Erbauer der Bethanienkirche gingen dabei noch einen Schritt weiter und pflanzten gleich 4 Birken vor der Kirche in den Boden. Doch es sind gerade keine gute Zeiten für Birken. Wie kaum ein anderer Baum leiden sie bei Trockenheit. Überall in der Stadt, in Parkanlagen, auf Fried- und Hinterhöfen sind in den letzten zwei Jahren zahlreiche Birken wegen Wassermangels abgestorben. Auch den Bethanienbirken geht’s nicht gut. Von den vier Vertretern sind nur noch zwei am Leben. Vereinzelt haben Menschen schon mit Wasserflaschen und einer Gießkanne im letzten Sommer versucht, den Bäumen zu helfen. Wenn Sie eine Idee haben, wie wir die Birken retten können, schreiben Sie es doch gerne in die Kommentare.

Christian Marquering