Freuet euch in dem Herrn allewege, … – 22.Dezember 2021

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“   – Philliper 4,4,5b

Umso öfter ich den Spruch dieser Woche lese, umso mehr verwirrt er mich. Mal lese ich ihn als freudige Ankündigung, mal als Befehl. Aber kann Freude befohlen werden, oder liegt es nur an meinem inneren Befinden, dass ich es so lese? Schwer fällt es mir in diesem Jahr, mich auf Weihnachten zu freuen. Es erscheint mir nicht greifbar, weit weg. Alles ist unsicher, nichts wirklich planbar. Die pandemischen Maßnahmen schweben wie ein dunkler Schatten über mir und uns allen; familiäre Unwägbarkeiten machen mir das Herz schwer; eine noch nicht klar formulierte schmerzhafte Krankheit macht mich unruhig. Ich fühle mich wie gelähmt, habe das Gefühl, alle Dinge, die mir sonst in der Vorbereitung Freude machten, gehen zäh voran. Und dann lese ich diesen Wochenspruch – und ich bin dankbar dafür, dass man mir sozusagen Freude auferlegt. Ohne groß nachzudenken, merke ich, dass mir doch so viele Dinge in freudiger Erinnerung und Vorfreude sind. Da ist unser adventlich geschmücktes Zimmer, die große, uralte, gut laufende Engelspyramide. Da sind meine Advents- und Weihnachts-CDs, die ich wieder hören kann. Jeden Tag räuchert eine andere Figur angenehmen Duft in den Raum. Beim spätabendlichen Adventsbriefeschreiben entspanne ich mich und bin voller Freude. Mit lieben Menschen konnte und werde ich zusammen sein, Glühwein und Feuerzangenbowle trinken, Leckeres essen und gute Gespräche führen. Eine ganz besondere Freude ist meine „Familien-Bande“, die sich in der oben genannten Unwägbarkeit enorm verbunden zeigt. Wenn ich die Vorfreude meiner vielen Enkelkinder sehe, höre oder lese, dann wird mir warm ums Herz. Und nicht zuletzt jetzt weiß ich, dass ich mich freue, freue auf das Weihnachtsfest, an dem der Herr uns besonders nahe ist. Ich freue mich darauf, das Evangelium zu lesen und zu hören. Ich freue mich, die schönen Texte der eingängigen Weihnachtslieder in mir aufzunehmen. Ich freue mich auf leuchtende Augen. Ich freue mich auf Begegnungen, die vielleicht an anderen Orten sind, als wir es bisher gewohnt waren.

Und so sage jetzt auch ich: Freut euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! – Entdeckt die Freude und freut euch an ihr.

Baberina Müller

Dass mein Bruder und ich diesen Räuchermann wieder aufgestöbert haben, das erste Geschenk unserer Mutter an unseren Vater, erfüllt mich auch mit großer Freude.

(Foto:privat)

Begegnung – 15.Dezember 2021

Am kommenden Sonntag steht eine Begegnung im Mittelpunkt des Gottesdienstes: An die Lebenstür der Maria klopft ein Engel mit einer weitreichenden Botschaft an. Es ist eine lebensverändernde Begegnung.

Meine sehr persönliche Begegnungsgeschichte kann daran vielleicht anknüpfen.

Ich gehe auf das Holzhaus zu und dann aber daran vorbei, denn ich war zu zeitig. Mein Weg führt mich deswegen hinunter zum Sportplatz und dann wieder hinauf. Die Kirchenglocke zeigt es an: Jetzt ist es also soweit. Das Namensschild am Holzhaus zeigt meinen Nachnamen, obwohl ich noch nie hier war. An der Tür halte ich kurz inne, dann klingle ich. Ich bin angespannt: Was, oder besser wer wird hinter dieser Tür auf mich warten.

Verabredet habe ich mich für diesen Nachmittag mit meinem Vater. Er ist gegangen, als ich noch ein kleiner Junge war. Und jetzt 25 Jahre später bin ich ihm nachgegangen, um ihm zu begegnen.

Und dann tut sich die Tür auf und Vater und Sohn stehen sich gegenüber: Ein Wiedersehen nach 25 Jahren. Wer hätte das noch für möglich gehalten. Diese Begegnung, dieser Nachmittag war letztlich ein überraschendes Geschenk für uns beide. Und so wurde aus Beklemmung und Anspannung in der Begegnung Dankbarkeit.

Wie viele Möglichkeiten bietet das Leben auch heute noch für verändernde Begegnungen?!

 

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

Und täglich grüßt das Murmeltier …. ?!? – 8.Dezember 2021

Einige von ihnen werden den Film kennen. Sein Titel ist so etwas wie ein „geflügeltes Wort“ geworden. Ein „geflügeltes Wort“, das für das Festhängen in einer Zeitschleife steht. Wiederholung dessen, was man schon hatte und eigentlich auf keinen Fall nochmal so will.   Ja. Und wir haben nun auch so ein Gefühl. Die Wiederholung dessen, was man schon hatte und auf keinen Fall nochmal so wollte: Advent und Weihnachten im Sparmodus.  Ohne Weihnachtsmarkt und Weihnachtsfeiern, dafür voller Sorgen und voller Ungewissheit. Keine Konzerte, kein „Jauchzet frohlocket“ live, stattdessen Enttäuschung und Ernüchterung. Vielleicht auch wieder keine Krippenspiele und kein schmetterndes „Oh du fröhliche“.  Wir haben „ES“ nicht in den Griff bekommen. D. h. die Anderen haben es nicht in den Griff bekommen … egal, ob der Andere nun der dafür oder der dagegen ist, im Zweifelsfall nehmen wir für „den Anderen“ eben einen Politiker. Und so drehen wir uns im Kreis und werden jeden Morgen mit dem selben faden Gefühl der Endlosschleife munter.

Ja, ja – werden Sie denken. Und nun komm du uns mit dem Märchen von dem besser werdenden Menschen, der die Liebe gewinnen muss, um erlöst zu werden.

Oh nein. Glauben Sie mir, das traue ich ja nicht mal mir selber zu. Geschweige denn Ihnen 🙂 . Dass wir bessere Menschen werden, geduldiger und fürsorglicher, weniger egoistisch und weniger rechthaberisch – nein. Soweit geht mein Optimismus nicht.  Und doch geht er weit darüber hinaus. Ich vertraue dem, der Liebe schenkt und uns Menschen erlöst. Dem Einen, der zu uns kommt in eine Welt voller Sorgen und Enttäuschungen. Immer wieder dann, wenn es am dunkelsten ist. Ich vertraue dem, der die Menschen unermüdlich anregt, ihr Leben zu überdenken. Zu überdenken, wo ihr Schatz ist und demzufolge ihr Herz.  Die „stille Nacht, heilige Nacht“ war kein Rummel und völlig ohne „Dschingderassabum“. Sie war ein Geschenk aus Stille, aus Licht, aus Wärme, aus Zuwendung, aus Demut und Anbetung des Wunders.

Ja, täglich grüßt das Murmeltier. Es gibt gerade eine Wiederholung dessen, was wir schon hatten und so keinesfalls wieder wollten. Aber es gibt auch – unerschütterlich – das „alle Jahre wieder kommt das Christuskind…“. Er gibt uns nicht auf.  Ich könnte mir vorstellen, dass er seit über 2000 Jahren jedes Mal zu Weihnachten, wenn er uns so erlebt, denkt: Das ist echt eine Wiederholung dessen, was ich so nicht wieder wollte.

Aber – er gibt uns nicht auf.

Da sollten wir mal im 2. Jahr des „C“ nicht schon schlapp machen.  Sondern wie er versuchen, ein Licht zu sein, das wärmt und leuchtet, wenn es am dunkelsten ist. Uns – und den Anderen.

Vor allem denen, die wirklich Angst haben müssen, schlapp zu machen….

Ihre/Eure Claudia Krenzlin                    

(Foto: privat)

EINLEITUNG zum MITTWORT –

MITTWORT  

Ab den 8.Dezember nehmen wir in einer kleineren Version die „Worte für den Tag“ wieder auf. Wir möchten Sie mit unseren kleinen Texten, unserem so genannten MITTWORT  (MITTendrin mit dem WORT) – eben immer mittwochs – durch die Advents- und Weihnachtszeit und in das neue Jahr hinein begleiten. In dieser aufgeladenen und zugespitzten Zeit versuchen wir mit unseren Beiträgen Brücken zu bauen. Wir möchten in der Notzeit nach Spuren suchen, die uns zueinander führen. Wenn wir Weihnachten der Geburt Jesu gedenken, dann erzählen wir von einem Licht, dass uns auch in dunkler Zeit leuchtet. Wir schauen auf diesen Jesus von Nazareth, der alles in sich trägt was wir brauchen, um Krisen auszuhalten, zu überwinden und dabei den Nächsten im Blick zu behalten. Weihnachten hat schon immer die Gefühle besonders angesprochen und uns Menschen zu allen Zeiten und in unterschiedlichen Momenten Hoffnung gegeben.

Wir wünschen Ihnen viel Freude und nachdenkliche Momente mit unserem MITTWORT  

Ihr Pfarrer Martin Staemmler-Michael

01.10.2021 – Fehlt Ihnen etwas an dieser Stelle?

Liebe Leser der Texte “Worte zum Tag”!

Ab dem 01.Oktober 2021 wird das “Wort zum Tag” nicht mehr erscheinen. Aber wir würden uns sehr freuen, wenn Sie in den Kommentarbereich Ihre Meinung, Ihre Erfahrungen und Ihre Gedanken dazu mitteilen. Vielleicht können wir es irgendwann aufleben lassen, denn es ist mit viel Arbeit, Fleiß, Kreativität verbunden und benötigt die entsprechende Motivation.

In diesem Zusammenhang allen Autoren, Verteilern, “Ins-Netz-Stellern” (ich meine auch die weiblichen !) vielen Dank.

Im Archiv finden Sie die Text 2021 zum Nachlesen.

Reinhard Bartsch

30.09.2021 – Sünder 2.0

Ich habe im Rahmen der Worte für den Tag bereits einmal über das Thema Sünde geschrieben. Dieser Text war keineswegs abschließend. Und dieser hier wird es auch nicht sein. Doch Tageslosung und Lehrvers fordern wieder zum Nachsinnen über dieses Thema auf:

Losung: Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst – HERR, wer wird bestehen? (Psalm 130,3)

Lehrvers: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. (2. Korinther 5,19)

Am Anfang steht eine bald verzweifelte Ungewissheit: Wenn Gott auf die Idee kommt, Sünden anzurechnen, wenn er anfangen würde, die Menschheit anhand ihrer Taten nach einem Maßstab der Vollkommenheit zu bewerten, wie soll dann überhaupt irgendein Mensch diesen Test bestehen? Wie können wir auch nur darauf vertrauen, von Gott liebevoll angesehen zu werden, angesichts unseres alltäglichen Scheiterns im Umgang miteinander, in all unserem Streit und unserer Achtlosigkeit? In dem Wort „willst“ steckt die essenzielle Unsicherheit christlichen Sündenglaubens: Wenn Gott nur will, dann kann er uns ohne weiteres Verdammen und all unser Hoffen wäre vergebens.

Wer wird bestehen? Was ist einer solchen Erkenntnis entgegenzusetzen?

Der Lehrvers bietet hier ein „Wort der Versöhnung“ an. Doch was beinhaltet dieses Wort? Es ist vielleicht genau das gleiche Wort, dass so verunsichert hat: „Willst“. Der Wille Gottes ist bekanntlich unergründlich. Er lässt sich nicht erforschen. Aber in der Person Jesus, in seiner Geschichte wird uns etwas deutlich: Gott will Sünden nicht anrechnen. Er sucht die Versöhnung. Er sucht sie und wird dabei selbst Mensch. Er sucht die Nähe zu den verunsicherten Menschen und macht sich dabei auch verletzlich bis zum Kreuzestod. Und überwindet damit den Maßstab der Vollkommenheit, an dem wir nur scheitern können, denn es obliegt Gottes Willen, Sünden anzurechnen. Und das Leben Jesu zeigt: Er will es nicht.

Schalom Ben-Chorin findet im Lied Nummer 237 im Evangelischen Gesangbuch schöne Worte dazu:

Und suchst du meine Sünde,
flieh ich von dir zu dir,
Ursprung, in den ich münde,
du fern und nah bei mir.

In der Auseinandersetzung mit meiner Sünde lande ich schlussendlich immer wieder bei Gott und bei seinem Wort der Versöhnung.

Und mit dem Wort der Versöhnung schließt auch vorerst diese Reihe der Worte für den Tag. Ich denke ich kann im Namen aller WortfinderInnen sprechen wenn ich Ihnen werte Leser und Leserinnen für Ihre Aufmerksamkeit danke und Ihnen von Herzen wünsche, dass sie die Gewissheit des mit-Gott-versöhnt-Seins durchs Leben trägt und sie aufrichtet, wenn die Suche nach Wert und Sinn schwer fällt.

Ulrich von Ulmenstein

29.09.2021 – Michaelistag

Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.“ (Psalm 34,8)

Heute feiern wir den Tag des Erzengels Michael und aller Engel. Michael, der Satan in Gestalt des Drachens bezwungen und aus dem Himmel verstoßen hat, ist der Schutzpatron der Deutschen. Er ist unser Schutzengel. Über dem Eingang zum Völkerschlachtdenkmal blickt er in gigantischer Größe und in heroischer Pose auf uns herab. Er ist untrennbar mit der Hierarchie der Engel verbunden. Auch wenn die Weihnacht noch fern ist, kommt mir der von aufgeregten Kinderstimmen vorgetragene Quempas in den Sinn:

Freut euch heute mit Maria
in der himmlischen Hierarchia,
da die Engel singen alle
in dem Himmel hoch mit Schall.“

Ich löse mich von der majestätischen Statue am Denkmal und, indem ich mich schon ein bisschen auf Weihnachten freue, denke ich an die Hierarchie der Engel: an den Verkündigungsengel, an „die Menge der himmlischen Heerscharen“ und an unsere Schutzengel. Ich bin dankbar dafür, dass ich mit einem Schutzengel rechnen kann. Er ist verborgen, aber mit ihm fühle ich mich geborgen. Er hilft mir heraus, wenn ich nicht weiterkomme.

Gehen Sie mit dem Erzengel Michael und Ihrem Schutzengel froh durch diesen Tag!

Klaus Kruczynski

28.09.2021 – Krisen, Werte und Visionen

Die mit großer Spannung erwartete Wahl zum 20. Deutschen Bundestag ist gelaufen. Es scheint nicht übertrieben, wenn gesagt wird, dass damit ein neues Kapitel der deutschen Geschichte beginnt. Das hängt vor allem mit dem Ende der 16-jährigen Regierungszeit von Angela Merkel zusammen, die von den einen als weltweit anerkannte Krisenmanagerin gelobt und von anderen als inhaltslose Verhinderin neuer Visionen kritisiert wird. In diesen Urteilen stoßen zwei Positionen aufeinander, die diametral entgegengesetzt zu sein scheinen. Es gehört zu den guten Gepflogenheiten der Kirche, sich nicht direkt parteipolitisch zu positionieren, sondern auf das Verantwortungsvermögen und die Urteilskraft der Menschen zu setzen und in die damit verbundenen öffentlichen Diskurse den Erkenntnisgewinn des christlichen Glaubens einzubringen. In diesem Sinne scheint mir die Frage wichtig, ob die Konzentration auf aktuelle Probleme und Krisen einerseits und die Verfolgung von größeren Zielen und Visionen andererseits wirklich solche Gegensätze sind, wie es hier offensichtlich den Anschein hat. Wenn es um die (immer) begrenzte Kraft einer (jeder) einzelnen Person geht, leuchtet es wohl ein, dass sich diese in der großen Fülle täglicher Aufgaben nicht allem gleichzeitig mit gleicher Intensität zuwenden kann. Sachlich betrachtet gibt es aber eine wichtige Verbindung zwischen dem Umgang mit Krisen und Visionen: die Werte. Wie Probleme bewältigt und welche Ziele angestrebt werden, hängt vor allem von den zentralen Werten ab, die jedem bewussten Handeln zugrundeliegen. Es sind die leitenden Werte, die über die Wahl der Mittel und Wege entscheiden. Deshalb müssen wir, wenn wir das Verbindende suchen, über unsere Werte sprechen. Das ist im Großen der Politik wie auch im Kleinen der Familie wichtig.  Apropos Familie: Wir werden ja höchstwahrscheinlich eine Regierungskoalition aus drei Parteien bekommen. Vielleicht kann das Modell der Familie auch dafür hilfreich sein: Man muss sich zusammenraufen und darauf achten, dass keiner unter die Räder kommt, weil sonst alle darunter leiden. Da klingt es doch ganz hoffnungsvoll, wenn die beiden „Halbstarken“, wie sie im ZDF genannt wurden, mit ihren gegensätzlichen Positionen schon einmal das Gespräch suchen. Und wenn die Dominanz einer einzelnen elternähnlichen Zentralperson ein Korrektiv findet,  das in einem gemeinsamen Aushandeln von Kompromissen auf der Basis gemeinsamer Werte besteht, für die sich alle miteinander verantwortlich wissen, dann werden wir vielleicht doch noch erwachsen.

Dazu helfe uns Gott, ja und Amen!

Heinz Schneemann

 

27.09.2021 – Dicke Luft

Manchmal ist es echt nervig: im Großen, wie im Kleinen. Türenschlagen und Gezicke. Schlechte Laune, schlechte Stimmung und schlechte Worte. Und ich frage mich: Muss das denn sein?

Der Entwicklungspsychologe Robert Keagen hat herausgearbeitet, dass Entwicklungsschritte mit schlechter Laune einhergehen. Er nennt das „Krisen“; Entwicklungskrisen.

Diese Botschaft hat es mir leichter gemacht, meine schlechten Launen und die meiner nächsten Lieben besser zu ertragen: Sie (die Krise) gehört halt dazu, zu einer Entwicklungsgeschichte. Und das klingt doch gut. Immer wenn nun bei uns zu Hause wieder dicke Luft ist, es mal wieder etwas lauter und nerviger zugeht als sonst auch schon, dann sagen wir: „Entwicklungsschub“; auch wenn sich wohl nicht jede schlechte Laune am Ende als Fortschritt in der Persönlichkeitsentwicklung herausstellt. Aber manche vielleicht doch: hoffentlich!

Es ist übrigens spannend, dass Hans-Joachim Maaz politisch-gesellschaftliche Ereignisse auf Grundlage psychologischer Erkenntnisse betrachtet. Und so könnte man hoffnungsvoll fragen: Deutet sich da vielleicht auch gesellschaftlich ein „Entwicklungsschub“ an und wir nehmen bisher nur die Krise wahr?! Schön wäre es.

In diesem Sinne grüße ich Sie mit einer spannenden Losung für diesen Tag:

Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort. (Psalm 119,67)

Die Betrübnis, die nach dem Willen Gottes ist, bewirkt eine Umkehr zum Heil, die niemand bereut. (2.Korinther 7,10)

 

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

 

 

 

 

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

24.09.2021 – Erntedankfest

Am Sonntag feiern wir in der Taborkirche und in der Heilandskirche Erntedank. „Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit“ so heißt der Spruch für das Erntedankfest aus Psalm 145. Das zum Leben Notwendige verdanken wir Gott, seiner Güte. Diese Güte rühmt der Psalmbeter: „Gnädig und barmherzig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.“ Gott schenkt reichlich, wir dürfen nehmen, empfangen mit offenen Händen – das täglich Brot, um das wir im Vaterunser bitten.

Aller Augen warten…“ Doch viele warten vergeblich. Der Spruch des Erntedankfestes deckt unsere Schuld auf, denn die Erde trägt genug Nahrung für alle. Aber während wir mehr als genug zu essen haben und in Wohlstand leben, verhungern auf dieser reichen Erde Menschen und mehr als 800 Millionen weltweit leben unter der Armutsgrenze. Wir wissen das – wir sehen die Bilder aus den Hungergebieten und von Menschen, die in Mülltonnen nach Essensresten suchen – und versuchen auch zu helfen. Doch trotz „Brot für die Welt“ und Welthungerhilfe bleibt es ein Skandal. Diese Ungerechtigkeit ist menschengemacht, denn Gott will es anders! „Er sättigt alles, was lebt, mit Wohlgefallen. Er ist gerecht in allen seinen Wegen.“ Das Erntedankfest erinnert uns daran, miteinander zu teilen; die empfangenen Gaben nicht eigensüchtig festzuhalten, sondern weiterzugeben.

Das Erntedankfest ist Anlass zum Danken und zum Nachdenken, denn: Danken und Denken

gehören zusammen. Und: wer dankt und denkt – nachdenkt -, der wird auch handeln. Das ist auf mancherlei Weise möglich, z.B. auch durch die Wahrnehmung des Rechts auf politische Mitbestimmung. Am Sonntag feiern wir nicht nur Erntedank, es ist auch Bundestagswahl. Wir können mitbestimmen, wer künftig regiert und in welche Richtung sich unser Land in den kommenden Jahren entwickeln wird. Es ist unsere Entscheidung, unsere Stimme denjenigen zu geben, die sich für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen, für gerechte Verhältnisse bei uns und weltweit sowie für den Schutz unserer bedrohten Umwelt einsetzen – für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

Ich gehe am Sonntag wählen, gleich nach dem Erntedankgottesdienst.

Pfarrer Matthias Piontek