01.10.2021 – Fehlt Ihnen etwas an dieser Stelle?

Liebe Leser der Texte “Worte zum Tag”!

Ab dem 01.Oktober 2021 wird das “Wort zum Tag” nicht mehr erscheinen. Aber wir würden uns sehr freuen, wenn Sie in den Kommentarbereich Ihre Meinung, Ihre Erfahrungen und Ihre Gedanken dazu mitteilen. Vielleicht können wir es irgendwann aufleben lassen, denn es ist mit viel Arbeit, Fleiß, Kreativität verbunden und benötigt die entsprechende Motivation.

In diesem Zusammenhang allen Autoren, Verteilern, “Ins-Netz-Stellern” (ich meine auch die weiblichen !) vielen Dank.

Im Archiv finden Sie die Text 2021 zum Nachlesen.

Reinhard Bartsch

30.09.2021 – Sünder 2.0

Ich habe im Rahmen der Worte für den Tag bereits einmal über das Thema Sünde geschrieben. Dieser Text war keineswegs abschließend. Und dieser hier wird es auch nicht sein. Doch Tageslosung und Lehrvers fordern wieder zum Nachsinnen über dieses Thema auf:

Losung: Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst – HERR, wer wird bestehen? (Psalm 130,3)

Lehrvers: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. (2. Korinther 5,19)

Am Anfang steht eine bald verzweifelte Ungewissheit: Wenn Gott auf die Idee kommt, Sünden anzurechnen, wenn er anfangen würde, die Menschheit anhand ihrer Taten nach einem Maßstab der Vollkommenheit zu bewerten, wie soll dann überhaupt irgendein Mensch diesen Test bestehen? Wie können wir auch nur darauf vertrauen, von Gott liebevoll angesehen zu werden, angesichts unseres alltäglichen Scheiterns im Umgang miteinander, in all unserem Streit und unserer Achtlosigkeit? In dem Wort „willst“ steckt die essenzielle Unsicherheit christlichen Sündenglaubens: Wenn Gott nur will, dann kann er uns ohne weiteres Verdammen und all unser Hoffen wäre vergebens.

Wer wird bestehen? Was ist einer solchen Erkenntnis entgegenzusetzen?

Der Lehrvers bietet hier ein „Wort der Versöhnung“ an. Doch was beinhaltet dieses Wort? Es ist vielleicht genau das gleiche Wort, dass so verunsichert hat: „Willst“. Der Wille Gottes ist bekanntlich unergründlich. Er lässt sich nicht erforschen. Aber in der Person Jesus, in seiner Geschichte wird uns etwas deutlich: Gott will Sünden nicht anrechnen. Er sucht die Versöhnung. Er sucht sie und wird dabei selbst Mensch. Er sucht die Nähe zu den verunsicherten Menschen und macht sich dabei auch verletzlich bis zum Kreuzestod. Und überwindet damit den Maßstab der Vollkommenheit, an dem wir nur scheitern können, denn es obliegt Gottes Willen, Sünden anzurechnen. Und das Leben Jesu zeigt: Er will es nicht.

Schalom Ben-Chorin findet im Lied Nummer 237 im Evangelischen Gesangbuch schöne Worte dazu:

Und suchst du meine Sünde,
flieh ich von dir zu dir,
Ursprung, in den ich münde,
du fern und nah bei mir.

In der Auseinandersetzung mit meiner Sünde lande ich schlussendlich immer wieder bei Gott und bei seinem Wort der Versöhnung.

Und mit dem Wort der Versöhnung schließt auch vorerst diese Reihe der Worte für den Tag. Ich denke ich kann im Namen aller WortfinderInnen sprechen wenn ich Ihnen werte Leser und Leserinnen für Ihre Aufmerksamkeit danke und Ihnen von Herzen wünsche, dass sie die Gewissheit des mit-Gott-versöhnt-Seins durchs Leben trägt und sie aufrichtet, wenn die Suche nach Wert und Sinn schwer fällt.

Ulrich von Ulmenstein

29.09.2021 – Michaelistag

Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.“ (Psalm 34,8)

Heute feiern wir den Tag des Erzengels Michael und aller Engel. Michael, der Satan in Gestalt des Drachens bezwungen und aus dem Himmel verstoßen hat, ist der Schutzpatron der Deutschen. Er ist unser Schutzengel. Über dem Eingang zum Völkerschlachtdenkmal blickt er in gigantischer Größe und in heroischer Pose auf uns herab. Er ist untrennbar mit der Hierarchie der Engel verbunden. Auch wenn die Weihnacht noch fern ist, kommt mir der von aufgeregten Kinderstimmen vorgetragene Quempas in den Sinn:

Freut euch heute mit Maria
in der himmlischen Hierarchia,
da die Engel singen alle
in dem Himmel hoch mit Schall.“

Ich löse mich von der majestätischen Statue am Denkmal und, indem ich mich schon ein bisschen auf Weihnachten freue, denke ich an die Hierarchie der Engel: an den Verkündigungsengel, an „die Menge der himmlischen Heerscharen“ und an unsere Schutzengel. Ich bin dankbar dafür, dass ich mit einem Schutzengel rechnen kann. Er ist verborgen, aber mit ihm fühle ich mich geborgen. Er hilft mir heraus, wenn ich nicht weiterkomme.

Gehen Sie mit dem Erzengel Michael und Ihrem Schutzengel froh durch diesen Tag!

Klaus Kruczynski

28.09.2021 – Krisen, Werte und Visionen

Die mit großer Spannung erwartete Wahl zum 20. Deutschen Bundestag ist gelaufen. Es scheint nicht übertrieben, wenn gesagt wird, dass damit ein neues Kapitel der deutschen Geschichte beginnt. Das hängt vor allem mit dem Ende der 16-jährigen Regierungszeit von Angela Merkel zusammen, die von den einen als weltweit anerkannte Krisenmanagerin gelobt und von anderen als inhaltslose Verhinderin neuer Visionen kritisiert wird. In diesen Urteilen stoßen zwei Positionen aufeinander, die diametral entgegengesetzt zu sein scheinen. Es gehört zu den guten Gepflogenheiten der Kirche, sich nicht direkt parteipolitisch zu positionieren, sondern auf das Verantwortungsvermögen und die Urteilskraft der Menschen zu setzen und in die damit verbundenen öffentlichen Diskurse den Erkenntnisgewinn des christlichen Glaubens einzubringen. In diesem Sinne scheint mir die Frage wichtig, ob die Konzentration auf aktuelle Probleme und Krisen einerseits und die Verfolgung von größeren Zielen und Visionen andererseits wirklich solche Gegensätze sind, wie es hier offensichtlich den Anschein hat. Wenn es um die (immer) begrenzte Kraft einer (jeder) einzelnen Person geht, leuchtet es wohl ein, dass sich diese in der großen Fülle täglicher Aufgaben nicht allem gleichzeitig mit gleicher Intensität zuwenden kann. Sachlich betrachtet gibt es aber eine wichtige Verbindung zwischen dem Umgang mit Krisen und Visionen: die Werte. Wie Probleme bewältigt und welche Ziele angestrebt werden, hängt vor allem von den zentralen Werten ab, die jedem bewussten Handeln zugrundeliegen. Es sind die leitenden Werte, die über die Wahl der Mittel und Wege entscheiden. Deshalb müssen wir, wenn wir das Verbindende suchen, über unsere Werte sprechen. Das ist im Großen der Politik wie auch im Kleinen der Familie wichtig.  Apropos Familie: Wir werden ja höchstwahrscheinlich eine Regierungskoalition aus drei Parteien bekommen. Vielleicht kann das Modell der Familie auch dafür hilfreich sein: Man muss sich zusammenraufen und darauf achten, dass keiner unter die Räder kommt, weil sonst alle darunter leiden. Da klingt es doch ganz hoffnungsvoll, wenn die beiden „Halbstarken“, wie sie im ZDF genannt wurden, mit ihren gegensätzlichen Positionen schon einmal das Gespräch suchen. Und wenn die Dominanz einer einzelnen elternähnlichen Zentralperson ein Korrektiv findet,  das in einem gemeinsamen Aushandeln von Kompromissen auf der Basis gemeinsamer Werte besteht, für die sich alle miteinander verantwortlich wissen, dann werden wir vielleicht doch noch erwachsen.

Dazu helfe uns Gott, ja und Amen!

Heinz Schneemann

 

27.09.2021 – Dicke Luft

Manchmal ist es echt nervig: im Großen, wie im Kleinen. Türenschlagen und Gezicke. Schlechte Laune, schlechte Stimmung und schlechte Worte. Und ich frage mich: Muss das denn sein?

Der Entwicklungspsychologe Robert Keagen hat herausgearbeitet, dass Entwicklungsschritte mit schlechter Laune einhergehen. Er nennt das „Krisen“; Entwicklungskrisen.

Diese Botschaft hat es mir leichter gemacht, meine schlechten Launen und die meiner nächsten Lieben besser zu ertragen: Sie (die Krise) gehört halt dazu, zu einer Entwicklungsgeschichte. Und das klingt doch gut. Immer wenn nun bei uns zu Hause wieder dicke Luft ist, es mal wieder etwas lauter und nerviger zugeht als sonst auch schon, dann sagen wir: „Entwicklungsschub“; auch wenn sich wohl nicht jede schlechte Laune am Ende als Fortschritt in der Persönlichkeitsentwicklung herausstellt. Aber manche vielleicht doch: hoffentlich!

Es ist übrigens spannend, dass Hans-Joachim Maaz politisch-gesellschaftliche Ereignisse auf Grundlage psychologischer Erkenntnisse betrachtet. Und so könnte man hoffnungsvoll fragen: Deutet sich da vielleicht auch gesellschaftlich ein „Entwicklungsschub“ an und wir nehmen bisher nur die Krise wahr?! Schön wäre es.

In diesem Sinne grüße ich Sie mit einer spannenden Losung für diesen Tag:

Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort. (Psalm 119,67)

Die Betrübnis, die nach dem Willen Gottes ist, bewirkt eine Umkehr zum Heil, die niemand bereut. (2.Korinther 7,10)

 

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

 

 

 

 

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

24.09.2021 – Erntedankfest

Am Sonntag feiern wir in der Taborkirche und in der Heilandskirche Erntedank. „Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit“ so heißt der Spruch für das Erntedankfest aus Psalm 145. Das zum Leben Notwendige verdanken wir Gott, seiner Güte. Diese Güte rühmt der Psalmbeter: „Gnädig und barmherzig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.“ Gott schenkt reichlich, wir dürfen nehmen, empfangen mit offenen Händen – das täglich Brot, um das wir im Vaterunser bitten.

Aller Augen warten…“ Doch viele warten vergeblich. Der Spruch des Erntedankfestes deckt unsere Schuld auf, denn die Erde trägt genug Nahrung für alle. Aber während wir mehr als genug zu essen haben und in Wohlstand leben, verhungern auf dieser reichen Erde Menschen und mehr als 800 Millionen weltweit leben unter der Armutsgrenze. Wir wissen das – wir sehen die Bilder aus den Hungergebieten und von Menschen, die in Mülltonnen nach Essensresten suchen – und versuchen auch zu helfen. Doch trotz „Brot für die Welt“ und Welthungerhilfe bleibt es ein Skandal. Diese Ungerechtigkeit ist menschengemacht, denn Gott will es anders! „Er sättigt alles, was lebt, mit Wohlgefallen. Er ist gerecht in allen seinen Wegen.“ Das Erntedankfest erinnert uns daran, miteinander zu teilen; die empfangenen Gaben nicht eigensüchtig festzuhalten, sondern weiterzugeben.

Das Erntedankfest ist Anlass zum Danken und zum Nachdenken, denn: Danken und Denken

gehören zusammen. Und: wer dankt und denkt – nachdenkt -, der wird auch handeln. Das ist auf mancherlei Weise möglich, z.B. auch durch die Wahrnehmung des Rechts auf politische Mitbestimmung. Am Sonntag feiern wir nicht nur Erntedank, es ist auch Bundestagswahl. Wir können mitbestimmen, wer künftig regiert und in welche Richtung sich unser Land in den kommenden Jahren entwickeln wird. Es ist unsere Entscheidung, unsere Stimme denjenigen zu geben, die sich für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen, für gerechte Verhältnisse bei uns und weltweit sowie für den Schutz unserer bedrohten Umwelt einsetzen – für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

Ich gehe am Sonntag wählen, gleich nach dem Erntedankgottesdienst.

Pfarrer Matthias Piontek

23.09.2021 – Friedlich aufgewacht?

Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Joh 14,27

Waren Sie schon mal auf dem Kyffhäuser?

Was für ein monströses Denkmal, um zu zeigen, dass wir Deutsche eine Nation sind. Und wer wird gezeigt: Kaiser Friedrich I Barbarossa, der natürlich nur Kriege führte, um Frieden zu bringen. Wie viele vor ihm und nach ihm. So, wie er dargestellt wird, sieht er eher wie ein betrunkener Alter aus. Aber wir haben ja noch über ihm das gewaltige Bronzedenkmal mit dem Kaiser der Deutschen Wilhelm I. Mit Pickelhaube – Na klar Krieg, um Frieden zu bringen. Selbst der Afghanistaneinsatz war ja eine Friedensmission mit tödlichem Ende. Was für ein Irrtum.

“Ich gebe euch den Frieden. Meinen Frieden, nicht den Frieden, den die Welt gibt.”

In einer Biografie über Napoleon Bonaparte findet sich folgende Anekdote: Nachdem Napoleon die Völkerschlacht bei Leipzig und damit seine Macht verloren hat, sitzt er mit seiner Mutter zusammen, spricht über die Ablehnung, die er nun überall erfährt und sagt: “Eigentlich wollte ich doch diesem Kontinent und der Welt nur den Frieden schenken.” Darauf seine Mutter:
“Mag sein, mein Sohn, doch die Menschen mochten wohl das blutrote Band nicht, mit dem du dein Geschenk verpackt hast.” Diese Szene ist historisch nicht gesichert. Doch Mutter Bonaparte hat Recht:
Die Menschen mögen das blutrote Band nicht. Es ist die Blutspur, die die Feld- und Kriegsherren dieser Welt immer wieder gezogen haben. Darin sind sie alle gleich gewesen, die sogenannten Großen der Geschichte, ob Alexander, Caesar, Friedrich, Napoleon – Stalin und Hitler sowieso: immer haben sie andere für sich und ihre Ziele benutzt und geopfert. In ihrem Namen, im Namen eines Volkes oder einer Idee oder im Namen Gottes hat das vielen Millionen Menschen den Tod gebracht.

Wer heute Hass und Hetze verbreitet und andere zur Gewalt anstiftet ist nicht besser und schwingt sich als mieser, kleiner Feldherr im Netz auf.

“Ich gebe euch den Frieden. Meinen Frieden, nicht den Frieden, den die Welt gibt.”

Das hat Jesus von Nazareth gesagt. Und nicht nur gesagt, sondern auch gelebt. Der rote Faden seines Lebens war die Liebe in Wort und Tat. Er opferte nicht andere für sich und seine Ideen, sondern hat sich selbst hingegeben. Er ist am Kreuz gestorben, um uns seine grenzenlose Liebe zu zeigen und dieser Welt den wirklichen Frieden zu schenken.

Und der fängt in mir an. Er ist in mir. Meine Lebensaufgabe ist es, ihn zu entdecken und zu leben. Stück für Stück. Für mich, für meine Mitmenschen und überall dort, wo ich bin. Vielleicht gelingt es mir. Und vielleicht gelingt es uns, aus uns selbst ein Denkmal der Menschenwürde entstehen zu lassen. Wie würde das aussehen?

“Ich gebe euch den Frieden. Meinen Frieden, nicht den Frieden, den die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Ich wünsche Ihnen einen friedvollen Tag.

Ihr Martin Staemmler-Michael

21.09.2021 – „Täglich rühmen wir uns Gottes und preisen deinen Namen ewiglich.“

Täglich rühmen wir uns Gottes und preisen deinen Namen ewiglich.“ (Psalm 44, 9)

Tageslosung für den 21.09.2021

Na, machen wir das wirklich? Täglich Gott rühmen und ihn preisen oder uns rühmen, Gott zu kennen? Es ist nie eine schlechte Idee, einen Blick dafür zu entwickeln, wofür wir dankbar – Gott – dankbar sein können und das dann auch in Worte zu fassen oder gemeinsam ein Danklied anzustimmen. Im Gesangbuch sind die Danklieder (es) vielleicht die schönsten Lieder: „Lobe den Herren, den mächtigen König“ im Evangelischen Gesangbuch (EG) Nr. 316, „Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren…“ EG Nr. 320, „Nun danket alle Gott“ EG Nr. 321 und viele mehr. Ein schöner Vers ist das heute, könnte man meinen. Er erinnert daran, das Loben und die Dankbarkeit nicht zu vergessen, denn wer dankbar ist, ist ja irgendwie auch glücklich und das ist doch schon mal eine gute Sache.

Doch handelt es sich bei Psalm 44 gar nicht um ein Lob- oder Danklied. Der Psalm ist ein verzweifelter Ruf, eine Bitte um Gottes Zuwendung in höchster Not. Dabei stellt der Satz der heutigen Losung „Täglich rühmen wir uns Gottes und preisen deinen Namen ewiglich“ klar, dass der Grund der Verzweiflung, die Bedrängnis durch die Feinde der Psalmbeter nicht in der fehlenden Hinwendung zu Gott zu suchen ist. So zeigt uns der Psalm und die heutige Losung mehr. Nicht nur dann, wenn es uns rundum gut geht, sondern auch in großer Not können wir Gründe finden, Gott dankbar zu sein und Gott zu loben und gleichzeitig können wir, wenn es mal nicht so gut läuft, zu Gott kommen und um seine Hilfe bitten.

Christian Marquering   (Foto: pixabay)

20.09.2021 – Auch eine Sucht !?

Kennen Sie das auch? Man kommt aus einem Konzert, einer Oper – oder man hat selber musiziert – und kann nicht genug von der Musik bekommen. Man kommt nicht davon los und will immer mehr.

Mir geht es gehäuft so, aber ganz besonders nach dem Genuss einer Oper von Richard Wagner. Von mir aus könnte sie gleich wieder von vorn beginnen. Zu Hause angekommen, leg ich eine entsprechende CD ein – und nur die „Pflicht“, am nächsten Tag wieder zu arbeiten, hilft mir, den Player auszumachen. Ich bin in dem Moment wirklich süchtig und muss mich regelrecht loseisen.

Richard Wagner ist für viele eher ein Schrecken von langen Opernabenden, aber ebenso für viele ein Muss, im gemeinsamen Rausch zu schwelgen. Für Erstere könnte ich empfehlen, sich z.B. das „Lied an den Abendstern“ aus dem „Tannhäuser“ anzuhören. Es dauert keine fünf Minuten. Bei diesem Lied sowie anderen Liebesarien, die Richard Wagner komponiert hat, frage ich mich, wie dieser Mann, der doch eine recht turbulente Lebensart hatte, um es mal vereinfacht auszudrücken, so innige Musik in sich hörte und sie für uns aufgeschrieben hat. All seine Musik steckt voll großer Gefühle, die man gut nachvollziehen kann. So auch beim Trauermarsch für Siegfried in der gleichnamigen Oper. Es geht durch Mark und Bein, und wenn man sich nicht wegen des Nachbarn schämen würde, möchte man am liebsten losschluchzen.

Richard Wagner war kein gläubiger Mann in dem Sinne, hat aber starke Szenen geschrieben, die einen christlichen Glauben und ein Wissen davon zeigen. Man denke nur an den „Karfreitagszauber“. Für mich gehört dazu, am Abend des Karfreitag den „Parsival“ zu hören, und noch lieber, ihn auf der Bühne zu sehen.

Dank meiner Arbeitsstelle kann ich mich ziemlich oft dem direkten Genuss von Musik hingeben, in diesem und dem nächsten Jahr auch vermehrt der von Wagner. Ich freu mich drauf – und weiß jetzt schon, dass ich wohl nicht genug davon bekommen kann. Naja, dann lebe ich ja immer noch in Vorfreude auf mehrere Aufführungen im Festspielhaus Bayreuth. Der Besuch im vorigen Jahr, für das wir nach jahrelanger Wartezeit Karten bekamen, war ja aus bekannten Gründen nicht möglich.

Das obige Bild hab ich aber in dieser Zeit ebenda gemacht, als wir die schöne Stadt und ihre wunderbare Umgebung, eben ohne Festspiele, kennenlernen konnten. Richard Wagner sitzt an einem Fenster der Pianofabrik.

Baberina Müller  (Foto: privat)

17.09.2021 – „Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.“

Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.“

Matthias Claudius 1783 (in: Ev. Gesangbuch Nr. 508,2)

Anfang September hatte ich Lust, am „Grünen Gleis“ in Kleinzschocher Brombeeren zu pflücken. Dort wuchern hohe Brombeerhecken. Allerdings war die Ausbeute gering, weil schon viele vor mir die gleiche Idee hatten, und vielleicht war es auch schon etwas zu spät im Jahr. Immerhin, etwa 200 g brachte ich nach Hause. Genug, um Brombeergelee zu kochen? Eigentlich nicht, aber ich hatte es mir nun mal in den Kopf gesetzt. Warum? Ich wollte mal etwas essen, was ich mit eigenen Händen hergestellt habe. Und es ist gelungen. Der Saft ist geliert, und für ein schönes Glas voll hat es gereicht. Wissen Sie, das kurze Wort von Matthias Claudius wird einem dadurch viel bewusster. Klar, vieles, was wir im Supermarkt aus dem Regal in unseren Wagen legen, ist auch durch viele fleißige Hände gegangen, aber nur wenige von uns machen sich das bewusst, weil wir die Menschen, die für uns arbeiten, niemals kennenlernen werden. Überhaupt geht uns durch unsere durchorganisierte Wirtschaft, die uns solche Vielfalt an Auswahl ermöglicht, etwas Wichtiges verloren: Wir achten es nicht, weil wir ja dafür bezahlen. Und an die göttliche Mithilfe denken nur die Allerwenigsten, weil etwaige Ernteausfälle durch ungünstige Witterung bei uns sofort durch Importe aus anderen Ländern kompensiert werden können. – Heute wird viel von wiedererwachender Spiritualität geredet, und viele Leute machen weite Reisen oder teure Kurse, um sie zu erlangen. Aber eigentlich ist es doch ganz einfach: Das Einfache ist das Wesentliche. Ich verdanke mich und meinen Lebensunterhalt der Güte und dem Fleiß meiner Mitmenschen und der Güte und Großzügigkeit Gottes, der uns einen wunderbaren Planeten zum Leben geschenkt hat.

Ach, Mensch, all‘ die Scheiß-Konflikte und Probleme, die mich täglich wütend machen und runterziehen, das ist doch alles unsere Schuld, weil wir nicht gottgefällig leben. Kann nicht jeder mal an seinem Platz ein bisschen die Kurve kriegen und seinen Lebensstil ändern?

Viele Grüße

Ihr Günther Jacob