30.05.2021 – Mir fehlen die Worte

Seit meiner Kindheit hab ich es geliebt – seit einigen Jahren ist es verschwunden: mein Lieblingswort im Gottesdienst, speziell vor dem Abendmahl. Es kann schon sein, dass ich nur um des Wortes Willen so gern die Einleitung dazu hörte.

Desselbigengleichen nahm er auch den Kelch …

Welch wunderbares Wort, welch weicher Klang, welch wahrhaftige Bedeutung. Wer oder was gleicht hier wem? Genau wie Jesus das Brot nahm, nahm er auch den Kelch – mit der gleichen Hand, der gleichen Geste? Besagt das Wort, das eben beides zusammen gehört – Brot und der Wein im Kelch? Oder sollte sich es auf Jesus und Gott, beziehen? Ich weiß es nicht. Mir gefällt das Wort einfach nur. Bei jedem Abendmahl, welches ich miterleben darf, besonders wenn es in mir nicht so vertrauten Kirchen ist oder von mir unbekannten Menschen gesprochen wird, hoffe ich, dass der Pfarrer, die Pfarrerin, es spricht.

In bestimmten Übersetzungen der Bibel kann man das Wort siebenunddreißigmal finden, an fünf Stellen im Alten Testament in drei Büchern Moses und zweiunddreißigmal in zwölf Schriften im Neuen Testament. Es ist also gar nicht so einmalig. Gehört habe ich es aber doch bewusst nur beim Abendmahl.

Seit einiger Zeit gibt es einen Sprecher bei MDR-Kultur, der solche alten Worte zu lieben scheint. So hörte ich von ihm justament, hanebüchen, allenthalben, blümerant. Ich liebe ihn dafür. Vielleicht sollte ich ihm mal meinen Hörerwunsch nach desselbigengleichen aufgeben (was durchaus auch im übertragenen Sinn, also um selbige solche Wörter, zu verstehen sein kann).

Gut vorstellen kann ich mir, dass für Schauspieler und Menschen, die viel mit Worten umgehen, dies wunderbare Übungsobjekte sein können. Man kann sie so schön im Mund formen, ja fast kauen, die vielen Vokale und Konsonanten auf der Zunge spüren, verschieden betonen – und eben immer wieder vor sich her sagen.

Geschrieben findet man sie kaum noch im Duden, aber in alten Wörterbüchern und Lexika. Daher hab ich das Bild unserer alten Konversations-Lexikon-Bände als Blickfang gewählt.

Und Sie ahnen es, mit meinen Worten zum Tag, kommt auch der Wunsch, dass ich vielleicht doch mal überrascht werde.

 

Baberina Müller

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.