27.04.2021 – Israel, du sollst mein Knecht sein . . .

Israel, du sollst mein Knecht sein; ich erwähle dich und verwerfe dich nicht.“ (Jes 41,9)

So heißt es in der Losung für den heutigen Tag. Gott sagt dem jüdischen Volk Erwählung und nicht Verwerfung zu.

Wenn ich allerdings in den letzten Tagen und Wochen Bilder und Aufrufe gegen Corona-Schutzmaßnahmen sehe, dann ist oft von Verwerfung des jüdischen Volkes zu hören oder zu lesen. Ich erlebe, dass Menschen jetzt in der Pandemie anfälliger sind für antisemitische Erklärungen.

Es ist einfach, den anderen die Schuld zu zuschieben und sie zu Sündenböcken zu machen, damit werden antisemitische Stereotype aus der Geschichte weitergeschrieben. Erschreckend für mich ist in den Erklärungen und Argumentationen der Perspektivwechsel und gleichzeitig eine Verharmlosung des Holocaust, indem man sich mit Anne Frank vergleicht oder sich einen Judenstern anhängt. Damit machen sie sich zum Opfer und meinen gleichzeitig, sich gegen die Übermacht des Judentums vereidigen zu müssen.

 

Wenn wir in diesen Tagen unsere Meinung sagen – und das ist wichtig – sollten wir genau bedenken, wie wir es sagen. Auch in der Kirche und im Neuen Testament findet sich Antisemitismus, da dieser eng mit der Kulturgeschichte verbunden ist. Antisemitismus darf nicht salonfähig werden, sondern unsere Aufgabe ist es uns gegen Rassismus und für ein demokratisches Miteinander einzusetzen. So hilft es nur wachsam zu sein und aufzuklären.

Mit Paulus müssen wir sagen: „Hat denn Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne!“ (Römer 11,1 Lehrtext für den heutigen Tag)

Ihre Pfarrerin Angela Langner-Stephan

One thought on “27.04.2021 – Israel, du sollst mein Knecht sein . . .

  1. @ Ulrich von Ulmenstein: vielen Dank für die Rückmeldung. Ich will einmal eine Grenzziehung versuchen.

    1. Antisemitismus war bislang für mich ein neuzeitliches Phänomen (= Judenfeindschaft/Judenhass/Judenfeindlichkeit, die in Europa zur Zeit der Aufklärung mit Nationalismus, Sozialdarwinismus und Rassismus auftreten).

    2. Kennzeichen von Antijudaismus im NT sind “negative Aussagen über das Volk Israel oder ‘die Juden’ im NT” (Wikipedia), wobei anscheinend diskutiert wird (von wem?), “ob und wieweit [die einschlägigen Stellen] (zB Mt 27,25; Joh 8,44; 1 Thess 2,15) das Judentum kollektiv ablehnen und prinzipielle Judenfeindlichkeit ausdrücken.”

    Was ich lerne: Je nach dem, wie die Ergebnisse dieser Diskussionen im Rahmen der Antisemitismusforschung ausfallen werden, werden sich für die Aussage von Pfarrerin Langner-Stephan, auch im NT finde sich Antisemitismus, Gründe finden lassen.

  2. @ Gerhard Engel: Wo würden Sie die Grenze ziehen/den Unterschied sehen?
    Die Evangelien sind nach meinem Kenntnisstand ja zum Teil schon von einer anti-jüdischen Polemik geprägt, wenn man etwa auf die Kreuzigungsszene im Matthäusevangelium blickt.

  3. Antisemitismus und Antijudaismus sind zweierlei. Ich bezweifle, dass es im NT wirklichen Antisemitismus gibt, lasse mich aber gern eines Bessern belehren.

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