26.05.2021 – Pfingsten ist schon ein eigenartiges Fest.

Pfingsten ist schon ein eigenartiges Fest.

So ohne Gesicht, kein Kind wie Weihnachten oder der Auferstandene zu Ostern.

Auch die Konsumwelt ist ratlos, der Heilige Geist lässt sich nicht vermarkten, nicht in Schokolade oder Marzipan pressen.

Pfingsten, da ist alles in Bewegung. In der Bibel wird von einem berauschenden Fest erzählt. Von einer Kraft, die unsichtbar und doch zu spüren ist. Von Feuer ist die Rede und von vielen Menschen, die einander wieder begegnen können.

Nach Wochen ohne Halt und Zuversicht, eingeschlossen in Angst und den eigenen vier Wänden mit der bangen Frage: “Wie wird es weiter gehen, ohne ihn, ohne Jesus von Nazareth?”, erlebten die Menschen Unglaubliches: Trost, Mut, Lebendigkeit, Gemeinschaft.

Da war es endlich wieder da, das Brennen für das Leben, die Leichtigkeit und das Zutrauen zu Gott. Diese Erfahrung haben unsere Väter und Mütter im Glauben als heiliges und unver-fügbares Geschenk Gottes verstanden. Ich staune immer wieder, wie aktuell biblische Texte sind. Sie beschreiben schmerzhafte Erfahrungen, die wir alle in der letzten Zeit machen mussten. Aber das Großartige ist, sie geben Raum für Zuversicht und dass sich etwas verändern kann.

Pfingsten steht für das Gespür, das kann doch nicht alles gewesen sein; so hat mein alter Lehrer dieses Fest beschrieben.

Wie haben Sie Pfingsten in diesem Jahr erlebt?

Haben sich die Türen wieder geöffnet?

Sind Sie zum Gottesdienst gegangen?

Pfingsten, diese Erfahrung, dass Neues beginnen kann, ist ja zum Glück nicht auf ein Datum begrenzt. Denn das haben wir schmerzlich lernen müssen in dieser Zeit der Pandemie: Nichts ist planbar oder berechenbar. Wir brauchen den langen Atem.

Unsere Väter und Mütter im Glauben haben ihr Vorhaben und Planen unter ein Bibelwort gesetzt: “So Gott will und wir leben.” Eine ältere Dame in der deutschen Gemeinde in Jerusalem hatte einen schönen Versprecher: “So ich will und Gott lebt, sehen wir uns wieder.”

Ja, das wollen wir, uns wiedersehen, frei atmen, durchatmen und aufatmen. Ohne Angst.

Im ZOOM-Gottesdienst ging es auch um die Geschenke zu Pfingsten. “Was bekomme ich Pfingsten geschenkt?”, fragt mich mein Neffe nach dem Gottesdienst. “Den heiligen Geist”, sage ich und erwarte eine längere Diskussion. Aber er sagt nur: “Ach so”, und singt: “Komm Heiliger Geist mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft”, und setzt hinzu: “Hab ich aus der Kinderkirche.”

Angela Langner-Stephan

(mit Ideen der Radioandacht vom NDR)

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