24.09.2021 – Erntedankfest

Am Sonntag feiern wir in der Taborkirche und in der Heilandskirche Erntedank. „Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit“ so heißt der Spruch für das Erntedankfest aus Psalm 145. Das zum Leben Notwendige verdanken wir Gott, seiner Güte. Diese Güte rühmt der Psalmbeter: „Gnädig und barmherzig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.“ Gott schenkt reichlich, wir dürfen nehmen, empfangen mit offenen Händen – das täglich Brot, um das wir im Vaterunser bitten.

Aller Augen warten…“ Doch viele warten vergeblich. Der Spruch des Erntedankfestes deckt unsere Schuld auf, denn die Erde trägt genug Nahrung für alle. Aber während wir mehr als genug zu essen haben und in Wohlstand leben, verhungern auf dieser reichen Erde Menschen und mehr als 800 Millionen weltweit leben unter der Armutsgrenze. Wir wissen das – wir sehen die Bilder aus den Hungergebieten und von Menschen, die in Mülltonnen nach Essensresten suchen – und versuchen auch zu helfen. Doch trotz „Brot für die Welt“ und Welthungerhilfe bleibt es ein Skandal. Diese Ungerechtigkeit ist menschengemacht, denn Gott will es anders! „Er sättigt alles, was lebt, mit Wohlgefallen. Er ist gerecht in allen seinen Wegen.“ Das Erntedankfest erinnert uns daran, miteinander zu teilen; die empfangenen Gaben nicht eigensüchtig festzuhalten, sondern weiterzugeben.

Das Erntedankfest ist Anlass zum Danken und zum Nachdenken, denn: Danken und Denken

gehören zusammen. Und: wer dankt und denkt – nachdenkt -, der wird auch handeln. Das ist auf mancherlei Weise möglich, z.B. auch durch die Wahrnehmung des Rechts auf politische Mitbestimmung. Am Sonntag feiern wir nicht nur Erntedank, es ist auch Bundestagswahl. Wir können mitbestimmen, wer künftig regiert und in welche Richtung sich unser Land in den kommenden Jahren entwickeln wird. Es ist unsere Entscheidung, unsere Stimme denjenigen zu geben, die sich für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen, für gerechte Verhältnisse bei uns und weltweit sowie für den Schutz unserer bedrohten Umwelt einsetzen – für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

Ich gehe am Sonntag wählen, gleich nach dem Erntedankgottesdienst.

Pfarrer Matthias Piontek

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