24.04.2021 – (Part 2) Renaissance der Psalmen

Renaissance der Psalmen

Es gibt eine Renaissance der Psalmen. Oder ich bin coronabedingt nun anders aufmerksam. Früher mochte ich das gemeinsame Psalmenbeten nicht besonders. Die Formulierungen waren eigentümlich und dieses Jammern erst und Loben dann schien mir doch sehr unrealistisch.

Aber seit die Pandemie so großen Raum im Alltag einnimmt, spielen Psalmen eine andere, irgendwie nähere, Rolle. Auch in unserer „Wort zum Tag“ – Reihe.

Letzte Woche bekam ich zudem gleich zwei Seminarangebote zu Psalmen (einmal evangelisch und einmal katholisch :-)). Ich entdeckte Büchlein mit Psalmen in modernen Fassungen (Dank unseres Kantors die von Peter Spangenberg, Dank der Grünauer Kantorin die von Gottfried Schleinitz ).

Am Gedenktag für die Opfer der Pandemie hörte ich beides im Wechsel:

Psalmenvers in „Früher“ – Psalmenvers im „Heute“.

Und mehr und mehr spüre ich den Rhythmus unseres – zu allen Zeiten – wechselvollen Lebens: Klage und Freude, Trauer und Jubel, Willkommen und Abschied. Ausgedrückt in „Liedern“, weil man manches besser singen oder spielen als sagen kann. Weil die Musik auch das auszurücken vermag, was – eigentlich unaussprechlich – noch zwischen den Psalmentexten schwebt.

Gestern besuchte ich meine 99-jährige Freundin im Heim. Immer beten wir zusammen Psalm 23, wenn wir uns sehen. Manchmal weint sie, wenn wir an der Stelle „Und ob ich auch wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich“ sind. Auch mit 99 Jahren, nach einer langen Lebenswanderung, braucht man Halt. Einen Stecken und Stab. Einen Trost. Und die Gewissheit, dass man nicht allein unterwegs ist. Sehr fest spricht sie die letzten beiden Zeilen: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang – und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“ Sie muss es ja wissen, denke ich – mit 99 !!!

In aller Einsamkeit, die die Pandemie hervorbringen kann, wird diese es dennoch nicht vermögen, uns GANZ ALLEIN zu lassen. Wir haben immer einen Gesprächspartner in Gott. In Trauer und Zorn, in Angst und Klage. Aber auch in Freude und Glück. Vielleicht versuchen Sie es auch einmal: einen Psalm beten- erst im Original- und dann mit den eigenen Worten.

Ich glaube, jedem von uns würde „gerade in diesen Zeiten“ etwas Eigenes dazu einfallen.

Mir gefällt im Übrigen zur Zeit am besten:

Merkt es doch, ihr Narren im Volk! Und ihr Toren, wann wollt ihr klug werden?“ (Psalm 94,8).

😜

Herzlich grüßt Claudia Krenzlin

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