23.06.2021 – „Lobet und Preiset…“

Ich will dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben.” Psalm 63,5Dieser Vers der heutigen Tageslosung beschreibt ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit gegenüber Gott. Einer Dankbarkeit, die so groß in den Betenden wächst, dass sie gar nicht aufhören möchten diese Dankbarkeit mit Loben und Preis auszudrücken – selbst mit für alle sichtbar erhobenen Händen. Die Worte erinnern mich an eine Streit in christlichen Gemeinschaften, der mich schon seit der Zeit meiner Konfirmation begleitet. Er dreht sich um die Fragen, wie ein „angemessenes“ Gotteslob aussieht, welche Gottesdienstformen die „richtigen“ sind und oft in erster Linie um das „richtige“ Liedgut.Aufgewachsen in landeskirchlicher Tradition war mir lange Zeit nicht bewusst, dass in Gottesdiensten auch andere Lieder als aus dem Evangelischen Gesangbuch gesunden werden können. Dass auch andere Instrumente als lediglich Orgel und vielleicht mal eine Gitarre diese Lieder begleiten können. Als ich das erste mal mit dem Lobpreis von Freikirchen in Berührung kam, atmete ich regelrecht auf: Moderne Texte, gerne auch auf Englisch und begleitet mit E-Gitarren und Schlagzeug, gaben meinem von landeskirchlicher Gottesdiensttradition angeödeten Bedürfnis nach Gotteslob und –preis eine Form, die sich endlich gut anfühlte. Die mich berührte.Und sie führten mich mitten hinein in den Streit zwischen freikirchlichen und landeskirchlichen Gottesdienstformen. Ich habe oft die hergebrachte Liturgie und die Liederauswahl in den Landeskirchen belächelt, durch die sich die vereinzelten Gottesdienstbesucher mit wankendem Selbstverständnis stotterten. „Wo ist da die Inbrunst, die Überzeugung? Hierbei soll Gott gelobt werden? Überzeugt uns das eigentlich selbst?“ (Manchmal geht mir das noch heute so.) Ich habe viele Diskussionen über diese Fragen geführt.Und irgendwann, so ganz allmählich, entdeckte ich auch die Lücken freikirchlicher Gottesdienste. Da war eine Einseitigkeit der Lieder, die sich nicht füllen ließ. Da waren Vereinfachungen der Predigten, die sich trotz aller Rhetorik nicht mehr verbergen ließ. Da blieben meine Glaubensfragentrotz all der Inbrunst unbeantwortet und mein Bedürfnis nach Ausdruck für meinen Glauben unerfüllt.Heute sitze ich zwischen den Stühlen bzw. Kirchenbänken. Ich kenne keine Lösung dieses Streits. Ich finde sie auch nicht in der Bibel. Der Vers aus Psalm 63 kennt auch keine bestimmte Form und kein konkretes Liedgut. Er kennt nur die Freude, die Dankbarkeit und das dringende Bedürfnis zu Loben. Und diese Gefühle müssen einfach raus. Egal wie.

Ulrich v. Ulmenstein

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