23.03.21 – Hochmut

Bei der Vorbereitung auf den Musikalischen Gottesdienst passiert es.
(Achtung: gewollte Schleichwerbung … Samstag, 27.03.2021, 17.00 Uhr Bethanienkirche).

Das Thema des Gottesdienstes heißt „Mut & Demut“.

Ich, glühende Liebhaberin von Weisheiten, die nicht von mir stammen, stolpere über einen Satz von Theodor Fontane:

Zwischen Hochmut und Demut steht ein Drittes, dem das Leben gehört – und das ist ganz einfach der Mut.

Herrlich, denke ich. Ja, der Mut. Gerne hätte ich mehr davon, aber wenn ich meinen Mut zur Demut mitzähle, sieht es gar nicht so schlecht aus.

Denn Demut gehört nun mal zum christlichen Lebensverständnis wie die Krokusse zum Frühling. Nicht so attraktiv wie die Pfingstrosen, aber in der Platzierung im Jahreskreis viel weiter vorn.
Leuchtend sozusagen. Wie ich als demütig bekennende Christin. Leuchtend.

Ein Glück, dass ich nicht hochmütig bin. Wer demütig ist, kann ja schließlich nicht hochmütig sein, denn dazwischen steht der Mut. Hat schon Theodor Fontane gesagt.

Und mutig bin ich schon, wenn ich meine Meinung vertrete. Dass die Anderen einfach keine Ahnung haben. Dass die Dummheit leider nicht ausstirbt. Ebensowenig wie die Intoleranz und Besserwisserei.
Aber demütig, wie ich natürlich auch bin, vertrete ich meine Meinung in meinen vier Wänden. Erzähle dem Hund, wie die Welt besser sein würde, wenn wir nur alle recht mutig und demütig wären. Aber der verflixte Hochmut macht das alles zunichte. In wie vielen Menschen doch das Bedürfnis steckt, etwas Besseres zu sein. Klüger oder schöner oder witziger.

„Weißt Du”, sage ich zum Hund, der mich wie keiner sonst versteht, „darüber werde ich mal schreiben im nächsten ‚Wort zum Tag‘.“

Klug und witzig, wie ich es eben drauf habe. Tolerant und mit großer Nachsicht gegenüber der Dummheit der Welt.

Da der Hund sich gähnend zurückzieht, nicke ich dem Theodor-Fontane-Bild über meinem Schreibtisch aufmunternd zu. „Stimmt doch, oder?“

Der Schluck Kaffee, den ich mir in diesem schönen Moment gönne, bleibt mir in der Kehle stecken. Fontane nämlich, zieht die Augenbrauen hoch und spricht mit mir.

Seine Worte lauten:    „Das  – ist ein weites Feld …“

Wie soll ich das wohl verstehen?

In aller Demut denkt darüber nach

Ihre Claudia Krenzlin

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