22.Mai 2021 – Viele Lieder haben mich bis jetzt in meinem Leben begleitet

Wort für den Tag – 22.Mai 2021

Viele Lieder haben mich bis jetzt in meinem Leben begleitet. Das waren nicht nur Kirchenlieder.

Und doch bleiben diese für mich etwas Besonderes. Ich halte mich an ihren Worten fest und merke, welcher Reichtum an Inhalt und Kraft in ihnen steckt. Das folgende Lied ist ein solches.

Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir,

führt mich durch alle Straßen, da ich sonst irrte sehr.

Er reicht mir seine Hand, den Abend und den Morgen

Tut er mich wohl versorgen, wo ich auch sei im Land. (EG 365, Strophe 1)

Das ist ein Lied von einer festen Beziehung. Vom Nicht-Loslassen-Können.

Da ist eine ausgestreckte Hand. Ich bin geborgen. Wie und wo auch immer.

Es ist ein Lied auf Lebensstraßen. Eben und uneben sind diese.

Mit schönen Momenten, lauernden Gefahren, Erkenntnis und Irrtümern.

Ludwig Helmbold ist der Autor des Textes. Seine Wirkungsstätten waren Mühlhausen und Erfurt.

Als Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Erfurt erlebte er in den Jahren 1563/64

die Pest. Diese führt zur zeitweisen Schließung der Universität und damit zur Einstellung des Lehrbetriebes. Geschichte wiederholt sich.

Das Lied verschweigt nichts. Es nennt vielfältige Nöte beim Namen, Zwänge der Zeit und die Gefährdung von Miteinander und Zuwendung.

Es ist ein Lied, in welchem man aktuelle Zeitgeschehnisse zu spüren scheint; solche,

die Leib und Seele angreifen, das Erdenleben bedrohen.

Das können nicht nur Alltagsplänkeleien sein. Dafür sollte ein Stoßgebet genügen.

Hier geht es um Ängste der eigenen Existenz. Dies schließt den Tod als Mitspieler des Lebens

ganz selbstverständlich ein.

Ihm sei es heimgestellt; mein Leib, mein Seel, mein Leben. (Strophe 3)

Wesentliches des Liedes steckt für mich im Anfang, in der ausgestreckten Hand.

Ich greife zu und lasse auf meinen Wegen nicht mehr los.

Ich halte die Verbindung auch dann noch, wenn ich angekommen bin.

Die Erfahrungen so mancher Wegstrecken behalte ich im Blick.

Ludwig Helmbold dichtet mit dem Lied seine Antwort auf die Zeit. Es ist, als wollte er ein großes „Trotzdem!“ aussprechen. Aber er bleibt dabei nicht protestierend stehen, sondern eröffnet hoffnungsvolle Blicke.

In den ersten vier Strophen formuliert er kurze Merkworte der Zuwendung Gottes.

Er reicht mir seine Hand.

Er hilft aus aller Not.

Er wendet alles Leid.

Er meints gut mit uns allen.

Es lohnt, in dem Lied nachzulesen.

Da sind wunderbare Zusagen, die Ludwig Helmbold in Strophenform bringt.

Schön, dass es solche Lieder gibt.

Stephan Paul Audersch

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