22.06.2021 –

Es ist noch nicht lange her, da wurde ich darauf angesprochen, dass in unserer Bethanienkirche an der Decke ein paar Wasserflecke zu sehen sind und sich – bei genauerem Hinsehen – an kleinen Stellen auch die Farbe gelöst hat. Dann stand die Frage im Raum, wann die Kirche zum letzten Mal gestrichen wurde. Dass ich mich daran sehr genau erinnere, ist nicht etwa auf ein gutes Gedächtnis zurückzuführen, sondern hängt mit den begleitenden Umständen zusammen.

Unsere Tochter wurde am Sonntag Palmarum 1988 konfirmiert. Einige Monate zuvor war es noch gar nicht sicher, dass sie 1988 und nicht erst 1989 konfirmiert wird. Bis auf eine katholische Freundin von ihr hatten sich alle Jugendlichen ihrer Klasse zur Jugendweihe angemeldet. Sollte man im Interesse eines sicheren Zugangs zur Erweiterten Oberschule dieses Zugeständnis an das politische System machen und ihr, die damals eher etwas ängstlich war, Auseinandersetzungen ersparen? Noch konnte niemand ahnen, dass es anderthalb Jahre später das System nicht mehr geben würde.

Heute freuen wir uns über große Konfi-Gruppen und niemand von den Jugendlichen muss befürchten, dadurch irgendwelche Nachteile zu haben. Trotzdem sind in Leipzig die Jugendlichen, die sich konfirmieren oder firmen lassen, in der Minderheit. Für viele Eltern, die selbst vor 1990 an der Jugendweihe teilgenommen haben und auch keiner Kirche angehören, kommen Konfirmation oder Firmung nicht in Frage. Ich finde es deshalb gut, dass beide großen Kirchen diesen Jugendlichen mit einer Jugendwendefeier eine Alternative zur Jugendweihe anbieten.

Übrigens hat unsere Tochter einen für sie sehr passenden Konfirmationsspruch zugesprochen bekommen: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

Und auch weil unser Chor in diesem Gottesdienst in einer frisch gestrichenen Kirche die entsprechende Motette von J. S. Bach gesungen hat, kann ich mich so gut an die Konfirmation unserer Tochter und daran erinnern, dass unsere Kirche 1988 letztmalig einen Anstrich erhalten hat.

Über den Link können Sie mal in diese herrliche Motette hineinhören:

Martin Meigen

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