22.02.21 – Der Rhododendron

Rosenmontag, Faschingsdienstag und Aschermittwoch liegen hinter uns. So leise sind sie vorbeigeschlichen, dass man sie kaum bemerkt hat. Selbst für unsere Breitengerade waren es überraschend normale Tage – keine Narren weit und breit.
Und wie in jedem Jahr, in dem Ostern so zeitig liegt, fühle ich mich vom Aufruf zum Fasten überrumpelt. Haben wir nicht eben noch die Epiphaniaszeit gefeiert? Lichtmess, das offizielle Ende der Weihnachtszeit ist kaum 3 Wochen her und nun soll der frisch geborene Messias schon wieder ans Kreuz genagelt werden?
Und überhaupt: Fasten! In diesem Jahr! Das ist doch blanker Hohn! Was machen wir anderes seit vier Monaten? Freunde fasten, Reisen fasten, Weihnachtsmarkt fasten, Essen gehen und Theater fasten… Und dann kommt das Kirchenjahr um die Ecke mit seinem Aufruf zum Verzicht. 7 Wochen ohne.

7 Wochen lang gedenken wir an den Weg Jesu zum Kreuz. Für Jesus war es ein weiter und verzichtreicher Weg. An seinem Ende lag der Tod.
In diesem Jahr haben wir das Verzichten schon gelernt. Es ist ein täglicher Begleiter geworden. Können wir Jesu Weg dadurch besser nachfühlen? Einige Menschen in unserem Land und in unserer Welt teilen mit Jesus sogar das Ende dieses Weges und werden aus dem Leben gerissen. Und ja, wie Jesus im Garten Gethsemane dürfen auch wir unseren Schmerz vor Gott bringen: „Lass diesen Kelch an uns vorüber gehen!“.

Doch anders als manche aktuellen Versprechen, wird dieser Weg tatsächlich nach 7 Wochen zu einem Ziel kommen. Denn Jesu Weg führte eben nicht in den endlosen Tod, sondern in ein neues Leben.

Meine Großmutter hörte zu Weihnachten unseren Schmerz und unsere Ungeduld. Sie hörte, dass wir die Situation nicht mehr aushielten und der Verzicht einfach zu viel wurde. Da nahm sie uns zur Seite und sagte:
„Ach Kinder, seid doch nicht traurig. Bald blüht der Rhododendron wieder. Das wird eine Freude!“

Bald blüht der Rhododendron wieder. Bald wird die Hoffnung neu geboren. Bald wird Jesus mit uns einen neuen Weg gehen. Es wird kein Weg des Verzichtes, sondern eine Feier des Lebens und sie beginnt mit einem leeren Grab.

Charlotte von Ulmenstein

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