20.09.2021 – Auch eine Sucht !?

Kennen Sie das auch? Man kommt aus einem Konzert, einer Oper – oder man hat selber musiziert – und kann nicht genug von der Musik bekommen. Man kommt nicht davon los und will immer mehr.

Mir geht es gehäuft so, aber ganz besonders nach dem Genuss einer Oper von Richard Wagner. Von mir aus könnte sie gleich wieder von vorn beginnen. Zu Hause angekommen, leg ich eine entsprechende CD ein – und nur die „Pflicht“, am nächsten Tag wieder zu arbeiten, hilft mir, den Player auszumachen. Ich bin in dem Moment wirklich süchtig und muss mich regelrecht loseisen.

Richard Wagner ist für viele eher ein Schrecken von langen Opernabenden, aber ebenso für viele ein Muss, im gemeinsamen Rausch zu schwelgen. Für Erstere könnte ich empfehlen, sich z.B. das „Lied an den Abendstern“ aus dem „Tannhäuser“ anzuhören. Es dauert keine fünf Minuten. Bei diesem Lied sowie anderen Liebesarien, die Richard Wagner komponiert hat, frage ich mich, wie dieser Mann, der doch eine recht turbulente Lebensart hatte, um es mal vereinfacht auszudrücken, so innige Musik in sich hörte und sie für uns aufgeschrieben hat. All seine Musik steckt voll großer Gefühle, die man gut nachvollziehen kann. So auch beim Trauermarsch für Siegfried in der gleichnamigen Oper. Es geht durch Mark und Bein, und wenn man sich nicht wegen des Nachbarn schämen würde, möchte man am liebsten losschluchzen.

Richard Wagner war kein gläubiger Mann in dem Sinne, hat aber starke Szenen geschrieben, die einen christlichen Glauben und ein Wissen davon zeigen. Man denke nur an den „Karfreitagszauber“. Für mich gehört dazu, am Abend des Karfreitag den „Parsival“ zu hören, und noch lieber, ihn auf der Bühne zu sehen.

Dank meiner Arbeitsstelle kann ich mich ziemlich oft dem direkten Genuss von Musik hingeben, in diesem und dem nächsten Jahr auch vermehrt der von Wagner. Ich freu mich drauf – und weiß jetzt schon, dass ich wohl nicht genug davon bekommen kann. Naja, dann lebe ich ja immer noch in Vorfreude auf mehrere Aufführungen im Festspielhaus Bayreuth. Der Besuch im vorigen Jahr, für das wir nach jahrelanger Wartezeit Karten bekamen, war ja aus bekannten Gründen nicht möglich.

Das obige Bild hab ich aber in dieser Zeit ebenda gemacht, als wir die schöne Stadt und ihre wunderbare Umgebung, eben ohne Festspiele, kennenlernen konnten. Richard Wagner sitzt an einem Fenster der Pianofabrik.

Baberina Müller  (Foto: privat)

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