19.07.2021 – Happy Birthday und mazal tov!

Auf deutsch: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und alles Gute!
Die Überschrift könnte aber auch sein: Die Koffer sind gepackt!

Doch wie hängen diese beiden Sätze zusammen. Ich möchte in meinem Wort zum Tag heute an die Gründung des Zentralrates der Juden in Deutschland hinweisen. Damals stand eine Hilfe jetzt und konkret im Mittelpunkt. Nach der Shoah suchten erst einmal die folgende Fragen eine Antwort: Kann es ein Weiterleben in Deutschland für die wenigen Überlebenden geben? Wie kann dieses aussehen bei 6 Millionen ermordeter jüdischer Menschen?
Kann es eine Zukunft im Land des Nationalsozialismus geben? Ja – schon 2 Monate nach Kapitulation und der Befreiung Deutschlands formierte sich das Zentralkomitee der befreiten Juden in der amerikanischen Zone. Ähnliche Zusammenschlüsse bildeten sich in den anderen drei Besatzungszonen. Jüdische Gemeinden wurden wiedergegründet. 1946 waren es schon 67 Gemeinden. Es ging so kurz nach der Shoah vorrangig um die Begleitung der Zeit bis zur Ausreise nach Israel. Doch auch von den Menschen, die vor oder im Holocaust emigriert waren, kamen einige zurück nach Deutschland.  Und am 19. Juli 1950 gründete sich in Frankfurt am Main der Zentralrat der Juden in Deutschland. Dieser sollte die Interessen der jüdischen Gemeinden in den 4 Zonen vertreten. Für die meisten war die Ausreise nach Israel genau im Blick. Deshalb die Rede von den gepackten Koffern. Doch in den folgenden Jahren wurden die Koffer für die Emigration ausgepackt. Lebensperspektiven entwickelten sich in Deutschland. Und heute – in diesem Land und in dieser Stadt! Jüdinnen und Juden haben wieder Angst und werden angegriffen. Da wundert es nicht, wenn die Koffer wieder gepackt werden! Das wäre ein großer Verlust für unsere Gesellschaft, deshalb heißt es sich jedem Antisemitismus mit Worten oder Gewalt entgegenzustellen! Aber das sollten wir nicht nur in Gegenwart von Jüdinnen und Juden, sondern auch im Gespräch auf der Straße, am Stammtisch, bei Diskussionen, in den Medien, …. Tun! Also los – damit wir auch noch zum 75., 100., 125., ……. Geburtstag gratulieren können und unsere Gesellschaft nicht ärmer wird. Ich wünsche allen eine gute Woche – oder auf Hebräisch Schawua tov!

Angela Langner-Stephan

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