19.05.2021 – Enge Grenzen – weiter Raum

Quelle: StockSnap, Pixabay
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Enge Grenzen – weiter Raum

Meine engen Grenzen“ – im Liedbuch „Singen von Hoffnung“ die Nummer 091 – ist ein ziemlich beliebtes Lied im Gottesdienst. Doch immer wenn es angestimmt wird, schauen die Mitglieder meiner Familie belustigt zu mir rüber, denn sie wissen: „Der kann das Lied nicht leiden und ha, ha, jetzt muss er es schon wieder mitsingen.“ Warum ist das eigentlich so? Was stört mich an diesem Lied mit seiner getragenen Melodie in d-moll? „Mei-ne -en-gen-Gren-zen“ geht’s gleich zu Beginn traurig und langsam abwärts. Nur, haben wir überhaupt enge Grenzen? Unterliegen wir mit dieser Zeile nicht einer fatalen Autosuggestion und bilden uns ein, wir wären irgendwie beschränkt mit der Folge, dass wir uns dann genauso verhalten? Und ist es nicht ein bisschen zu bequem, sich hinzusetzen, sich über die vermeintlichen eigenen engen Grenzen zu beklagen und wie es weiter heißt, sie zu Gott zu bringen und zu fordern: Wandle du sie mal in „Weite“. Wie findet Gott das eigentlich?

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ heißt es im ersten Petrusbrief und ja, wir können unsere Probleme vor Gott bringen, wie es im Lied heißt. Das ist gut und das Lied hat da durchaus seine Berechtigung, also wenn man sich zum Beispiel in auswegloser Lage – eben begrenzt – fühlt, nicht mehr weiter weiß und einfach bei Gott Rat sucht.

Nur geht es einem zum Glück nicht immer so und es gibt eben auch die andere Seite, den fordernden Gott, den Gott den die Bibel unzählige Male sagen lässt: „Fürchte dich nicht.“ Ich verstehe das als: Sei aktiv, sehe nicht die Grenzen, sondern die Freiheit, sieh das (halb) volle Glas.

Mir fällt dabei der 31. Psalm ein, das Gebet eines/r ziemlich verzweifelten Beters/Beterin. Die Worte in Vers 9 übertrug Luther und sein Team so ins Deutsche: „Du [Gott] stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Dieser Satz ist oft und wunderbar vertont worden, wie in diesem Lied „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ bei dem es weiter geht in einer fröhlichen Melodie: „ich fasse es kaum“. Ja, so kann man es offenbar auch sehen.

Christian Marquering

PS: Wer – im Unterschied zu mir – weiß, in welchem gängigen Liederbuch das Lied „Du stellst meine Füße“ zu finden ist, kann es gern in die Kommentare schreiben. Danke.

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