19.03.21 – … viel gut Gesang, der lautet wohl

Sie meinen, diese Überschrift passt gerade nicht? Singen ist doch in dieser so sonderbaren Zeit nicht erlaubt, jedenfalls nicht gemeinsam. Wo soll denn der gut Gesang zu hören sein? Dann lauschen Sie, überall ist Musik in der Luft. Die Vögel singen den Frühling ein, Insekten brummen um die Nase, die Frösche fangen zu quaken an, die Enten schnattern, die Bäume rascheln im Wind – auch wenn es noch recht kühl ist.

Der Frühling beginnt für mich ganz intensiv mit diesen Gesängen. Meine Gedanken gehen dabei immer zu der wundervollen Nacht des Frühlingsanfangs vor vierzig Jahren. Die Fenster des Kreißsaales standen offen, die Frösche im Gartenteich des Elisabethkrankenhauses quakten um die Wette, die Vögel im Baum vor dem Fenster zwitscherten, ein lauwarmer Wind streifte mein Gesicht. Mir schien, als würde die ganze Natur sich mit mir über die Geburt meines ersten Kindes freuen und laut jubilieren. Frühling – ein Anfang – ein Beginn – etwas ganz Neues – etwas so Wunderschönes – etwas ganz Eigenes – etwas ganz Persönliches – alles ein Geschenk Gottes.

„Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang. Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt.
Dank für die Lieder. Dank für den Morgen. Dank für das Wort, dem beides entspringt.“

Diese Zeilen der ersten Strophe des Liedes 455 im evangelischen Gesangbuch erklingen in mir beim Gedanken an diesen besonderen Tag.

Menschen kamen zu Besuch, die Jacken über die Schulter geschwungen. Sie genossen die Wärme des Tages. Das Glück eines so herrlichen Frühlingtages war in ihren Gesichtern zu sehen – und das Glück neuen Lebens in dieser Wöchnerinnenstation. Zugegeben, als wir einige Tage später nach Hause durften, war es wieder winterlich, auf die Blütenpracht warteten wir noch geraume Zeit. Aber in meinem Herzen war es Frühling, war Wärme, war Sonne, war Licht, war Freude, war Glück, war Stolz, war Dankbarkeit. In meiner Seele ist die Musik des beginnenden Frühlings mit dem beginnenden Leben fest verbunden.

Im Lied 319 des evangelischen Gesangbuches ahnt man, dass Martin Luther die Natur und wohl auch den Beginn des Frühlings ganz besonders erlebt haben muss. Seine Worte darin sind voller Lebenslust und Dankbarkeit:

„Die beste Zeit im Jahr ist mein, da singen alle Vögelein,
Himmel und Erden ist der voll, viel gut Gesang, der lautet wohl.
Voran die liebe Nachtigall – macht alles fröhlich überall –
mit ihrem lieblichen Gesang, des muß sie haben immer Dank.
Vielmehr der liebe Herre Gott, der sie also geschaffen hat,
zu sein die rechte Sängerin, der Musica ein Meistern.
Dem singt und springt sie Tag und Nacht, seins Lobes sie nichts müde macht:
den ehrt und lobt auch mein Gesang und sagt ihm einen ewgen Dank.“

Wünschen wir uns, dass der Frühling in diesem Jahr nicht nur Neues, sondern auch Vertrautes (zurück)bringt. Wünschen wir uns, dass wir die Lieder wieder gemeinsam, immer und überall, voller Freude und Dankbarkeit singen dürfen und dabei so jubilieren wie die Vögel, Frösche und alle Lebewesen, welche unter dem Himmel wohnen.

Baberina Müller

 

(Foto: privat)

 

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