17.06.2021 – Siehe, jetzt ist die willkommene Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils! 2. Korinther 6,2 (Lutherbibel)

Die Kirchenglocke läutet. Menschen stehen vor der Kirche. Die Türen öffnen sich und der Sarg wird herausgefahren. Da kommen der Mann und die erwachsenen Söhne. Groß gewachsen, doch heute gebeugt. So stelle ich mir die Beerdigung unserer lieben Freundin vor.

Am Donnerstag weiß ich, ob ich mit meinen Vermutungen Recht hatte. Nach 2 Jahren hartem Kampf gegen den Krebs, ist ihr Lebenslicht verloschen. 2 Jahre! Damals zu meinem Geburtstag im Mai kam ihr Mann aus dem Krankenhaus mit der Diagnose. CUP (Carcinoma of unknown primary) = Krebs unbekannter Herkunft. Ein Freund, der die genaueren Ergebnisse der Untersuchungen las, meinte genießt die nächsten Wochen, dass wird sehr wahrscheinlich schnell zu Ende gehen.

Doch meine Freundin ist, nein war eine Kämpferin. Bei ihrer Arbeit im Kirchenvorstand genauso, wie jetzt, als es um ihre Gesundheit ging. Irgendwann fiel der Satz: Na, wir denken erst mal bis Weihnachten. Diesem Weihnachten folgte noch eins und noch einige Monate.

Es waren schwere Zeiten dabei. Beispielsweise, als sie sich irgendwann eingestehen musste: Nein, ich werde nicht mehr arbeiten gehen können.

Aber es waren auch noch viele schöne Tage dabei. Wie im letzten Sommer in einem Ferienhaus an ihrer geliebten Nordsee.

Was hat das alles mit dem Spruch aus dem Korintherbrief zu tun?

Für mich dreierlei. Einmal weil ich glaube, dass es nun für sie Erlösung von ihren Schmerzen und ihrer Schwäche gibt. Für sie ist jetzt der Tag des Heils. Ob sie ihn willkommen geheißen hat? Ich weiß es nicht.

Aber zum anderen sagt es mir: Lebe jetzt. Lebe heute! Bewusst! Nimm dir Zeit, die Stunden am Computer, beim Autofahren, Einkaufen, … als einen Tag deines Lebens zu begreifen.

Meine Freundin strahlte immer und immer wieder Kraft und Zuversicht aus. Machte Mut.

Sagte mir, als ich sie eine Woche vor ihrem Tod besuchte: Du schaffst das schon!

Erst auf dem Nachhauseweg wurde mir dies deutlich. Sie lag so geschwächt da, dass sie sich nicht mehr aufsetzte, was sie sonst immer getan hatte. Aber spricht mir Mut zu! Was für eine innere Stärke. Das war auch nichts aufgesetztes, keine leere Floskel.

Siehe, jetzt ist die willkommene Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“

Zum dritten Gedanken: Der Tag des Heils, der Erlösung. Natürlich hängt das mit dem zweiten Gedanken zusammen, setzt aber für mich noch einen anderen Aspekt. Gott kommt mir jeden Tag entgegen. Jeden Tag bietet er mir an erlöst zu werden oder besser zu sein. Nicht gesund und kräftig. Das ist Gott, meiner Meinung nach, überhaupt nicht wichtig. Meine Seele darf glücklich werden.

Mit Gott kann ich es schaffen Ansichten und Blickwinkel zu ändern.

Wahrzunehmen was ist wirklich wichtig.

Ich wünsche uns das Erkennen: „Jetzt ist sie da, die ersehnte Zeit, jetzt ist er da, der Tag der Rettung.“ (2. Korinther 6,2 Züricher Bibel)

Susanne Schönherr

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