17.05.2021 – Ich sehe ihn noch vor mir……..

Ich sehe ihn noch vor mir, meinen Großvater: Er wohnte damals als Witwer schon bei meinen Eltern und zu Beginn jeder Geburtstagsbescherung stand er mit in der Runde. Mit geschlossenen Augen, die Hände über dem deutlich hervorstehenden Bäuchlein gefaltet, betete er als erstes den 121. Psalm. Dieser Psalm beginnt mit den Worten „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen …“ und endet mit „Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“ Meine Schwestern und ich haben diese Tradition aufgenommen und so haben wir einen „Geburtstagspsalm“, der die Zuversicht auf die Hilfe des Herrn und die guten Wünsche anlässlich eines Geburtstages sehr schön zusammenfasst.

Als meine Frau und ich 1991 erstmals mit einer Gemeindegruppe die Partnergemeinde in Hilversum besuchen konnten, saßen wir eines Abends bei Ben, dem holländischen Initiator dieser Gemeindepartnerschaft, in einer kleinen Runde zusammen, als er mich unvermittelt aufforderte: „Martin, lies uns doch mal etwas aus der Bibel vor!“ Ich gebe zu, dass ich im ersten Augenblick etwas verunsichert war. Was sollte ich vorlesen? Ich entschied mich für den 121. Psalm und erzählte dann auch von unserer Familientradition. Daraufhin berichtete Ben davon, dass dieser Text in Holland vor allem als Reisepsalm gebetet wird – und schon waren wir in einem interessanten Gespräch „über Gott und die Welt“ gelandet.

Zahlreiche Komponisten haben diesen Psalm vertont. Eine besonders schöne Vertonung der ersten vier Verse dieses Psalms hat Felix Mendelssohn Bartholdy mit dem Engelsterzett in seinem Oratorium „Elias“ geschaffen. Es ist ein schlichtes dreistimmiges Stück ohne instrumentale Begleitung, das auch von ein wenig geübten Chorsängern „für den Hausgebrauch“ dargeboten werden kann. Und so gehört das Engelsterzett zu den Musikstücken, die meine Schwestern und ich – gelegentlich auch mit Unterstützung von Gästen – bei Familienfeiern sehr gern singen.

Und wer sich das Video anschaut und vor allem anhört, kann eine sehr schöne Aufnahme dieses Terzetts, allerdings gesungen von einem Chor – also etlichen „Engeln“ – erleben.

Martin Meigen

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