16.05.2021 – Unser Leben währet siebzig Jahre

Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn´s hoch kommt, so sind´s achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.

(Psalm 90,10)

Wie schnell die Zeit vergeht. Wir Menschen leben in der Zeit. Und die Vergänglichkeit, die damit verbunden ist, kann in manchen Momenten schon ganz schön zu schaffen machen.

Eine Frau sagte zu mir und ihre Sicht ist mir im Gedächtnis geblieben: „Immer, wenn der Bärlauch anfängt zu blühen, werde ich traurig, weil ich weiß, dass Frühjahr und Sommer vergehen und bald wieder Winter ist.“ Der (ver)blühende Bärlauch und unser Dahinfliegen aus der Losung liegen nahe beieinander.

Doch vielleicht ist die Vergänglichkeit nur die halbe Wahrheit. Das Griechische kennt noch eine weitere Hälfte.

Die gleichförmige Zeit, die sich bemessen lässt in Minuten, Tagen und Jahren wird „Chronos“ genannt. Chronos, das ist Werden und Vergehen. Chronos, das ist Vergänglichkeit und die eine Hälfte der Wahrheit.

Auf der anderen Seite der Wahrheit steht „Kairos“. Kairos ist ein besonderer Moment in der Zeit. Es ist die Gunst der Stunde, der Punkt an dem das Ewige in unsere Zeit hereinbricht. Man könnte sagen: Kairoi (pl. Kairos) sind die ausgefüllten und erfüllenden Momente unseres Lebens, die bleiben, auch wenn der Bärlauch verblüht ist.

Ja, wir leben eine begrenzte Zeit und unser Leben fliegt dahin: Das ist die eine Seite der Wahrheit.

Aber wir dürfen diese Zeit ausfüllen: Und das ist die zweite Seite.

Was erfüllt Sie und was soll Ihren Tag heute ausfüllen?

Es grüßt Sie an diesen Tag des blühenden und duftenden Bärlauchs

 

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera​

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