16.03.21 – Zeig dich!

Kirchenzeitung “Glaube + Heimat” – Kruzifix von Metallgestalter Peter Hinz (1941–2007)

Was gäben wir dafür, in diesen unsicheren Zeiten Klarheit und Struktur zu bekommen.
Da stehen sie im Altarraum der Taborkirche und erzählen von ihren Erfahrungen nach einem Jahr Corona-Krise. Sie berichten, wie der Schwager im Krankenhaus an dem Virus verstarb, wie die Krankenschwester Menschen in den einsamen Tod begleitet, wie eine Geschäftsfrau dankbar ist, dass die Kundschaft ihr treu geblieben ist und wie ein Bestatter sehr sensibel auf das vergangene Jahr schaut. Zwei Schülerinnen sind dankbar für ihre Schule und erzählen, wie sie sich den Alltag strukturieren. Und doch fehlen die Freunde, die Gruppen, die Berührungen und Feste. Es deutet sich einerseits die große Enttäuschung an, dass sich einige Politiker an der Krise bereicherten, und andererseits sind wir müde bei all den einschneidenden Beschränkungen im Alltag. Eine tiefe Sehnsucht nach Normalität ist zu spüren und doch wissen wir, dass es eine andere Normalität sein wird.

Endlich mal den inneren Kompass bekommen und eindeutig wissen, wie es weitergeht, das wünschte sich der Jünger Philippus und fragt Jesus: „Herr, zeige uns den Vater und es genügt uns. Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch, und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater.“  Joh 14,8f.

Und was sehen wir? Der Inzidenzwert steigt. Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen, das Hoffnungsfest Ostern vielleicht wieder zu Hause und ohne Gottesdienste?
Wie gehen wir mit der Überforderung, der Angst, Trauer und Wut um?

Wer mich sieht, der sieht den Vater.

Ist das ein tragendes Fundament, auf dem wir diese Zeit aushalten? Wer in diesem Glauben seinen Kompass gefunden hat, der spürt dem Lebenswandel Jesu nach. Ich entdecke die Zugewandtheit Jesu, die an keiner Stelle aufhört. Vor keiner Anfeindung, keinem Leid, keiner Ungerechtigkeit und keiner Fremdheit weicht er zurück. Auch den Tod umgeht er nicht und breitet seiner Arme für uns alle aus, damit wir uns nicht verlieren und nicht verloren gehen.

Wer mich sieht, der sieht den Vater.

Was ist mit den Menschen aus unserer Mitte, die all diese Beschränkungen nicht mehr aushalten? Die das Tragen von Masken als Zwang erleben, die die Impfungen als körperliche Bedrängnis empfinden und hinter allem die Macht des Geldes sehen und die Menschen mit dem Virus gefügig machen wollen. Ich rede hier nicht von Hooligans oder Nazis. Es sind Menschen, mit denen wir noch vor zwei Jahren das Gemeindefest zum Thema Bewahrung der Schöpfung feierten.

Wer mich sieht, der sieht den Vater.

Ich sehe den Riss, der durch unsere Gesellschaft, Kirchgemeinden, Familien und Freundeskreise geht.

Sieh uns an, der du uns Vater und Mutter bist. Schenke uns den österlichen Glauben einer Auferstehung mitten im Leben und zu allen Zeiten.

Ihr Martin Staemmler-Michael

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