15.04.2021 – „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“

Neulich stand ich wieder einmal am Grab meiner Eltern auf dem Friedhof in Großzschocher. Beide hatten sich zu Lebzeiten Sprüche für ihren gemeinsamen Grabstein ausgewählt. Jedes Mal, wenn ich diese Sprüche lese, fühle ich mich besonders mit ihnen verbunden, eben weil ich weiß, dass diese Worte für sie wichtig waren.

Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“ steht unter den Geburts- und Sterbedaten meines Vaters. Darunter die Bibelstelle: Hiob, Kap. 19. Als ich zum ersten Mal wahrnahm, dass diese Worte aus dem Buch Hiob stammen, war ich etwas irritiert. Hiob – das ist doch der, auf den der Begriff „Hiobsbotschaft“ für eine schlechte Nachricht zurückgeht? Inzwischen weiß ich, dass Hiob nicht nur ein geplagter und leidender, sondern auch ein zuversichtlicher Mensch war, der nicht aufgehört hat, Gott zu loben.

Viele Christen verbinden – gerade jetzt in der Osterzeit – diese Worte mit der Osterbotschaft, obwohl das Buch Hiob mehrere hundert Jahre vor der Geburt Christi entstanden ist.

Musikliebhabern sind diese Worte aber noch aus einem anderen Grund sehr vertraut: Mit der wunderbaren Sopranarie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“ beginnt der dritte Teil des Oratoriums „Der Messias“ von Georg Friedrich Händel, dessen Text ausschließlich aus Bibelsprüchen zusammengestellt wurde.

Über die Entstehung des Oratoriums „Der Messias“ hat Stefan Zweig eine großartige, emotionale und ergreifende Erzählung geschrieben und dieses Ereignis den „Sternstunden der Menschheit“ zugeordnet (so hat er auch die Sammlung von 14 historischen Miniaturen genannt). In der kaum vorstellbar kurzen Zeit von 22 Tagen hat Händel die Partitur niedergeschrieben und sich dabei wohl auch körperlich total verausgabt.

Doch noch einmal zurück zu der oben genannten Sopranarie, die auch mein Vater sehr geliebt hat. Da heißt es am Schluss: „Denn Christ ist erstanden von dem Tod, …“, womit wir wieder in der Osterzeit angekommen sind.

Über den QR-Code kann man eine sehr schöne und schlichte Aufnahme dieser Arie – sozusagen Corona-konform – mit nur drei Künstlern hören und sehen. Oder hier klicken:  Arie

Martin Meigen

 

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