14.07.2021 – „Verloren“.

Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.  (Lk. 19,10)

Verloren“. Partizip von „verlieren“. Ich habe etwas verloren. Du hast etwas verloren. Synonyme: nicht mehr vorhanden, vermisst, unauffindbar.  Oder in der Version „Du bist verloren“. Synonym: dem Untergang geweiht.  In beiden Fällen kann man von einer tendenziell negativen Situation sprechen. Denn wo etwas verloren wurde oder ist, sorgen wir uns. Wir fragen, wo es sein könnte, in welcher Verfassung es ist und ob wir es reparieren können, sollte es beschädigt worden sein.  Wer schon einmal etwas verloren hat, kennt den fanatischen Eifer mit dem man sich auf den Weg macht und irgendwann nicht mehr weiterweiß, da man inzwischen überall nachgeschaut hat. Und genau in diese Ratlosigkeit kommen Aussagen wie, „Das muss doch hier sein“ und man schaut ein weiteres Mal an genau den gleichen Stellen nach.  Und der Menschensohn ist nun gekommen, um das Verlorene zu suchen.  Und er wird es nicht nur suchen, sondern auch selig machen. Dass er das Verlorene davor erstmal finden muss, steht außer Frage.  Heißt das, dass der Menschensohn uns selbst dann findet, wenn bereits alle kapituliert haben? Wenn die Suche eingestellt wird, weil wir uns eben nicht an den bekannten Orten aufhalten? Und dann wird er auch nicht wütend sein und uns Vorwürfe machen, wie sehr er sich um uns gesorgt hat, sondern er wird uns selig, uns glücklich, machen. Was für eine Wendung!  Es geht nicht darum, dass man den Weg aus den Augen verliert, den falschen Abzweig nimmt und dann als gerechte Strafe dafür auf immer im Finstern wandeln wird. Sich für den falschen Weg zu entscheiden kann passieren, aber es ist nicht das Ende. Denn egal ob wir „unauffindbar“ oder „dem Untergang geweiht“ sind, in beiden Fällen gibt einer die Suche nicht auf. Er gibt uns nicht auf. Und er ruht nicht, bis dass er uns gefunden und umsorgt hat.

Friederike Schönherr

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