12.06.2021 – Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind. (2. Kor. 1,-3)

Am vergangenen Wochenende durfte ich zwei Gottesdienste mitgestalten. Meine Predigt sollte durchaus nachdenkenswert, aber auch heiter sein. Ich war ja auch nachdenklich und heiter. Das Lied, welches in der Predigt zum Mittelpunkt wurde (kein Kirchenlied, sondern ein Schlager aus den 60er Jahren – oje :-)) war nachdenkenswert, aber auch heiter.

Es waren schöne Gottesdienste, es gab gute, fröhliche Rückmeldungen. Ich war glücklich.

Nach dem zweiten Gottesdienst winkte mir eine Frau zu und ich trat zu ihr. Die Augen über der Maske sahen mich an. Groß und dunkel. Die Haut ringsum war bleich. „Geht es ihnen nicht gut?“ fragte ich besorgt. „Nein, gar nicht“ sagte sie. „Dieses Lied, um das sich ihre Worte drehten, hat so unendlich viel in mir aufgewühlt, der Gottesdienst wurde mir zur Qual.“

Ich bin zutiefst erschrocken. Meine Freude wandelte sich in einen schweren Kloß, der sich auf mein Herz legte. Das war doch nicht das, was ich wollte. Wir sprachen noch eine Weile miteinander. Zwischen uns war alles gut. Sie wusste ja, dass ich keine böse Absicht hegte.

Aber mir hing es an. Da wollte ich Gutes, Heiteres – und sah Tränen und Traurigkeit.

Am Nachmittag ging ich über einen Friedhof. Das Vogelzwitschern, der herrlich blühende Rhododendron, das satte Grün – alles tat mir gut. Natürlich betrachtete ich auch die Grabsteine. An diesem blieb mein Blick haften.

(Foto: privat)

Die trauernde Frau stützt sich auf. Die Namen derer, um die sie trauert, sind nicht mehr leserlich. Aber ganz deutlich zu lesen sind die Worte: „Gott ist die Liebe“.

Ja“, dachte ich. „Das ist das, was bleibt. Das ist das Wichtigste. Meine Worte vergehen wie die Namen auf dem Stein, so wichtig sie mir erschienen. Manches Wort war gut, manches schmerzhaft. Alles hat seine Zeit. Aber was beständig ist, ist Gottes Liebe. Und er vermag alles zu wandeln, auch das, was ich – unbefangen –‚angerichtet‘ habe.“

Ich war in diesem Moment so beruhigt und getröstet. Und ich wusste, so lange ich getröstet werde von Gott, kann auch mein Tun und Lassen, mein Reden und Schweigen Gutes bewirken und bestenfalls trösten, auch wenn es manchmal nicht danach aussieht.

Am anderen Morgen schlug ich mein Büchlein auf, welches mir zur Losung oft gute Texte schenkt. Dort stand:

Wenn man glücklich ist, so gibt es noch viel zu tun: das Trösten der anderen.

Jules Renard (franz. Schriftsteller)

Da war ich doch wieder so glücklich …. Möge mir und dir und uns allen, immer Gottes Trost zu teil werden. Möge Gottes Liebe uns allen so spürbar bleiben. Damit in uns die Kraft zum Trösten ist und wächst.

Claudia Krenzlin

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.