12.03.21 – Nicht nur ein Text aus der Bibel

In der Bibel zu lesen kann so unterschiedlich sein. Ich lese Bekanntes, ich lese Unbekanntes. Einen Text verstehe ich gut, bei dem anderen brauche ich Hilfe.
Es kann sein, dass ich immer weiter und weiter lese – und es kann sein, dass ich aufgebe. Ich lese, weil ich gerade Lust darauf habe oder etwas Bestimmtes
suche. Ich lese, weil ich bald Lektor bin oder weil ich einen Text vorbereiten möchte. Ich lese allein, ich lese gemeinsam mit Anderen. Ich lese zu Hause, in der Kirche, bei Freunden. Ich lese in der Bibel, in den Losungen, auf dem Kalenderblatt, auf einer Postkarte – und ganz aktuell im Fastenkalender mit der Überschrift: „Dir zuliebe?“.

Es gibt Bibelstellen, die ich so gar nicht mag – und es gibt Bibelstellen, die ich besonders mag.
Der erste Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 13, besonders die Verse 1 bis 13, ist so ein Text der Bibel, den ich besonders mag. Es geht um die Liebe als die höchste Geistesgabe. Paulus hat so einfühlsam und eindrücklich darüber geschrieben, dass ich das Gefühl habe, diesen Mann hätte ich gern persönlich kennengelernt und ihn gefragt, wie die Korinther diesen Brief auffassten.

An Stellen meines Lebens war mir der Text besonders nah:

  • Mein Vater hat sehr bewusst für die Traueranzeige meiner jüngeren Schwester Worte des 8. Verses „Die Liebe höret nimmer auf“ ausgewählt. Dies ist so tröstlich, so wahr und hält auch dadurch meine Schwester in meinem Herzen lebendig.
  • Bei einer Montag-Morgen-Andacht des Evangelischen Schulzentrums in der Peterskirche, die ich regelmäßig mit meiner jüngsten Tochter besuchte, fehlte die Klasse, die eine Andacht vorbereiten sollte. Der damalige Direktor bat um zehn Minuten Sammlungszeit und predigte  danach so wunderbar über diesen Text, als hätte er sehr lange Zeit zur Vorbereitung gehabt. Was mich dabei besonders beeindruckte war die Ruhe, die im Raum herrschte. Das war selten so. Die Schüler hörten wirklich zu und waren gebannt.
  • Nach einem Gottesdienst, in dem ein Gastpfarrer diesen Text in seiner Predigt aufnahm und ich als Lektor diesen las, konnte ich mit ihm darüber Gedanken austauschen.
  • Ehrenvoll war für mich, dass ich als Lektor, bei der Prüfung einer Prädikantin, mit der ich mich sehr gut verstehe, diesen Text lesen durfte.
  • Und letztlich war es für mich ein besonderes Geburtstagsgeschenk, dass gerade dieser Text an diesem Tag als Lesung vorgesehen war und ich ihn als Lektor lesen konnte.

In den Diensten als Lektor finde ich es immer wieder in der Vorbereitung spannend, wie unterschiedlich ich die Texte lese, empfinde und verstehe, wenn sie nach einiger Zeit wieder in der Agende vorgesehen sind. Das geht mir auch mit dem Korinther-Brief so, der doch so eindeutig zu sein scheint.

Versuchen Sie es doch auch, lesen Sie Ihren (Lieblings)Text immer mal wieder. Sie werden Neues entdecken, Vertrautes anders verstehen und sich immer mehr hinein vertiefen. Und vielleicht entdecken Sie auch (Lebens)Beziehungen zu Ihrem Text.
„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ 1. Kor. 13/13

Baberina Müller

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