11.08.2021 – Ein Stein im Mosaik

Im Rahmen der Expo 2000 gab es eine Aktion einer Umweltstiftung. Sie baten Menschen um eine Spende und jede wurde mit einem Mosaikstein mit Spender-Namen „honoriert“. Die Mosaiksteine aus Keramik fügten sich zusammen zu einem Bild der Welt. Alle Kontinente wurden kunstvoll zusammengesetzt, farben- und hoffnungsfroh.  Meine Freundin gehörte zu den Spendern. Nun waren wir zusammen in Trier und erfuhren, dass diese Mosaike in einem Nachbarort – Mettlach – ihren „Nachnutzungsort“ in einem Park gefunden hatten. Natürlich fuhren wir hin und freuten uns an den unverwüstlichen farbenfrohen Bildern, aber – den Namen meiner Freundin fanden wir nicht. Wir ärgerten uns nicht (okay, ich mich ein klitzekleines bisschen ). Denn natürlich gibt es eine Sehnsucht nach dem „Wiederfinden“, nach dem Erkennen des Eigenen im Puzzle des Lebens. Aber meine Freundin sagte: Es macht nichts. Ich weiß, dass ich Teil dieser Spenderfamilie bin und nicht nur einmalig bei solch einer Aktion, sondern seit über dreißig Jahren regelmäßig.

Ich musste daran denken, als ich vorgestern, am 79. Jahrestag der Ermordung von Edith Stein in Auschwitz folgendes Gebet von ihr las:

Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen leg ich meinen Tag in deine Hand.
Sei mein Heute, sei mein Morgen, sei mein Gestern, das ich überwand.
Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen, bin aus deinem Mosaik ein Stein.
Wirst mich an die rechte Stelle legen, deinen Händen bette ich mich ein.“ 

Edith Stein

Was für ein Vertrauen.
Ich bin traurig. Kann es die „rechte Stelle“ sein, wenn man in Auschwitz in die Gaskammer getrieben wird? Die ewige Frage … nach dem Warum des Leids.

Ich bin dankbar. Viel Kluges, Liebenswertes, Zuversichtliches begegnet mir immer wieder von Edith Stein. Sie lebt weiter. Und auch wenn wir evangelischen Christen es nicht so mit der Heiligenverehrung haben: Ihr Name als Ordensfrau war: Teresia Benedicta vom Kreuz. Als solche lebte sie, starb sie, lebt sie, und nicht nur wegen der Heiligsprechung, … als Mosaikstein im bunten Bild des Lebens, dessen Platz sie trotz allem mit Vertrauen angenommen hat.

Ich bin hoffnungsvoll. Gott weiß, welcher Stein ich in seinem Mosaik bin, auch wenn ich den Namen nicht finde, die Stelle nicht weiß. Ich bin nicht allein.

Claudia Krenzlin

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.