11.07.21 – Man muss das schon persönlich nehmen

Wenn es um den Glauben geht, sagen die einen, dass er ihnen sehr viel bedeutet, weil sie durch ihn Halt, Kraft und Orientierung für ihr Leben finden. Und andere, die Näheres darüber erfahren wollen und sich die wichtigsten Zusammenhänge erklären lassen, kommen dann oft zu dem Schluss, dass sie damit doch nichts anfangen können.

Warum ist das so? Warum ist es möglich, Wissensinhalte wie Mathematik, Astronomie und sogar Einsteins Relativitätstheorie anderen so erklären, dass sie das Gesagte mehr oder weniger schnell verstehen und sich zu eigen machen können, während das beim Glauben so viel schwieriger ist? 

Es gibt zwischen beiden einen ebenso klaren wie tiefen Unterschied: Beim Wissen geht es um ETWAS, das man abspeichern oder weitergeben oder anwenden kann, ohne dass es sich dadurch verändert. Beim Glauben geht es dagegen um MICH, um eine persönliche Beziehung, die ich zu Gott eingehe und die mein Leben verändert. Das Wissen ist gegenständlicher Natur und lässt sich deshalb auch gut vergegenständlichen. Glauben ist ein Prozess oder ein Weg, den man mitgehen muss, um seine besondere Wirklichkeit erfahren zu können. Man muss das schon persönlich nehmen, um Zugang dazu zu finden.

Diese Besonderheit des Glaubens findet im Sakrament der Taufe ihren sichtbaren Ausdruck. Daran werden wir am 6. Sonntag nach Trinitatis, dem Taufsonntag im Kirchenjahr, erinnert. Worum es dabei geht, kommt in dem Wochenlied Ich bin getauft auf deinen Namen (EG 200) zum Ausdruck. Es stammt von Johann Jakob Rambach aus Halle und wurde erstmals 1734 als Tauferinnerungslied in dessen “Erbaulichem Handbüchlein für Kinder” veröffentlicht.  

Wie sehr der Glaube mit der Taufe persönlich genommen werden will und sich als ein Prozess durch das ganze Leben zieht, ist dabei deutlich zu erkennen:

1) Ich bin getauft auf deinen Namen,
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist;
ich bin gezählt zu deinem Samen,
zum Volk, das dir geheiligt heißt;
Ich bin in Christus eingesenkt,
ich bin mit seinem Geist beschenkt.

2) Du hast zu deinem Kind und Erben,
mein lieber Vater, mich erklärt;
du hast die Frucht von deinem Sterben,
mein treuer Heiland, mir gewährt;
du willst in aller Not und Pein,
o guter Geist, mein Tröster sein.

3) Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe,
Treu und Gehorsam zugesagt;
ich hab, o Herr, aus reinem Triebe
dein Eigentum zu sein gewagt;
hingegen sagt ich bis ins Grab
des Satans bösen Werken ab.

4) Mein treuer Gott, auf deiner Seite
bleibt dieser Bund wohl feste stehn;
wenn aber ich ihn überschreite,
so lass mich nicht verloren gehn;
nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an,
wenn ich hab einen Fall getan.

5) Ich gebe dir, mein Gott, aufs Neue
Leib, Seel und Herz zum Opfer hin;
erwecke mich zu neuer Treue
und nimm Besitz von meinem Sinn.
Es sei in mir kein Tropfen Blut,
der nicht, Herr, deinen Willen tut.

6) Lass diesen Vorsatz nimmer wanken,
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist.
Halt mich in deines Bundes Schranken,
bis mich dein Wille sterben heißt.
So leb ich dir, so sterb ich dir,
so lob ich dich dort für und für.

Wir würden heute – nach fast dreihundert Jahren – sicher manches anders als in diesem Lied formulieren. Aber wir können darin möglicherweise auch manches wieder neu entdecken, was uns zwischenzeitlich vielleicht etwas aus dem Blick geraten ist. Nehmen Sie es doch bitte nicht nur persönlich, sondern auch als einen Impuls zur Besinnung und für weitere Gespräche.

Eine gesegneten Taufsonntag!

Ihr Heinz Schneemann 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.