11.04.21 – Mensch, Thomas!

Bei Kirchens ist jetzt wieder viel von Auferstehung und vom Sieg des Lebens die Rede.

Klar, zu Ostern steht das ja immer wieder fest auf dem Programm. Da kann passieren, was will:

Ob Massenarbeitslosigkeit, ob Flutkatastrophe oder jetzt Corona, wo doch zahllose Existenzen vernichtet werden und viele Menschen ihr Leben verlieren – erst reden sie wochenlang vom Leiden Christi und vom Leiden heute, und dann: drei Tage nachdem mit diesem Jesus alle Hoffnung begraben wurde, heißt es auf einmal: Er lebt. Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden! Und nun ist schwuppdiwupp Freude und Hoffnung angesagt.

Kann das jemand begreifen? Oder leben die, die so etwas glauben, in einer anderen Welt?

In der Bibel wird ja viel erzählt. Da heißt es auch, dass die Jünger dem Auferstandenen begegnet sind. Kann man ihnen das so einfach abnehmen?
Bei allen österlichen Freudengesängen und Hallelujas: Man will ja kein Spielverderber sein, aber bei so großen und wichtigen Dingen, wenn es um Tod und Leben geht, da wird man doch wohl mal fragen dürfen… Oder vielleicht sogar müssen, wenn man es wirklich ernst meint und nicht einfach nur zu allem Ja und Amen sagen will.

Und wenn ich mich dann so ein wenig umschaue, dann merke ich, dass es anderen ähnlich geht.
Da ist z.B. dieser Thomas aus Johannes 20, einer von den Jüngern Jesu. Als ihm die anderen erzählen, dass sie Jesus nach seinem Tod wiedergesehen haben, da antwortet er ihnen:
Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht glauben.

Dann nimmt die Geschichte mit diesem Thomas allerdings eine eigenartige Wendung. Es wird nämlich erzählt, dass Jesus sich ihm zeigt und alle seine Bedingungen erfüllt.
Verständlich, dass Thomas dann auch an die Auferstehung glaubt.

Aber der letzte Satz, den Jesus dann noch sagt, der hat es in sich:
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Ist das nicht eine ziemliche Zumutung für alle anderen, die ebenso wie Thomas ihre Zweifel haben, aber nicht so eine Sondervorführung kriegen?

Ich weiß ja nicht, ob man diese Frage bei Kirchens so gerne hört: Aber was würde uns Thomas wohl sagen, wenn er so wie wir ohne dieses besondere Privileg auskommen müsste?

Ich komme jedenfalls nicht um diesen Schluss herum: Ostern scheint die Gesellschaft zu spalten.
Und damit mag ich mich nicht so einfach abfinden. Ich glaube, dass Jesus das ähnlich sieht. Oder wie soll ich es sonst verstehen, was er zum Schluss bei Matthäi am Letzten sagt (Matthäus 28,18-20)?

Sie sehen, liebe Leserin und lieber Leser, dass Ostern über die Feiertage hinaus spannend bleibt. Mich jedenfalls lassen diese Fragen nicht los, und was mir dabei noch so durch den Sinn geht, teile ich an diesem Sonntag gern mit Ihnen auf www.evangelium.art.blog

Ihr Heinz Schneemann

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