10.04.2021 – Die biblische Ostergeschichte vom leeren Grab …

Die biblische Ostergeschichte vom leeren Grab hat unzählige andere Ostergeschichten hervorgebracht. Von einer möchte ich ihnen hier erzählen. Max von der Grün hat sie geschrieben. Sie handelt von zwei Menschen, Frau Gmeiner und Herrn Burger. Sie begegnen einander auf dem Friedhof, wo beide die Gräber ihrer verstorbenen Ehepartner pflegen. Sie treffen sich dann regelmäßig dort, helfen sich gegenseitig bei der Grabpflege, sitzen auf der Friedhofsbank und erzählen einander aus ihrem Leben. Oder schweigen, ihren Erinnerungen nachhängend. Vielleicht ahnen Sie bereits wie die Geschichte weitergeht und worauf sie hinausläuft; die Geschichte von Frau Gmeiner und Herrn Burger, beide verwitwet, beide nicht mehr ganz jung – beide regelmäßig zum Friedhof unterwegs, um ihre Gräber und ihre Erinnerungen zu pflegen. Zwischen ihnen entsteht Zuneigung, Liebe. Beide wagen es, gemeinsam noch einmal anzufangen. „Späte Liebe“ nennt Max von der Grün seine Erzählung. Für mich ist es eine Ostergeschichte. Weniger deshalb, weil sie – wie die erste Ostergeschichte – am Grab, auf dem Friedhof beginnt, als vielmehr deshalb, weil es in ihr um einen Neuanfang geht. Um einen Neuanfang von Menschen, deren Leben vom Ende bestimmt ist – von Menschen, die an einen Anfang gar nicht mehr geglaubt haben.

Ostern werden wir erleben, wenn wir dem Tod nicht das letzte Wort lassen – und den vielen kleinen Toden vor dem Tod. Die schweren Steine, die das Lebendige verbergen, einmauern und gefangen halten wollen, die müssen angepackt und weggeräumt werden. Manchmal müssen wir das selbst tun; das kann harte Arbeit sein. Manchmal finden wir die Steine aber auch bereits weggewälzt. Wie auch immer – erst dann kann Neues in Gang kommen. Ostern ist: sich nicht mit den Leben verhindernden Steinen abfinden. Ostern ist: mit der aufgehenden Sonne gehen. Ostern ist: Umkehren – weg vom Grab zurück in den Alltag, denn dort werden wir Jesus finden. Mitten im Tag, mitten im Alltag, können wir Auferstehung erleben. Überall da nämlich, wo wieder Leben möglich wird – wo Leben neu beginnt.

Pfarrer Matthias Piontek

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