10.02.21 – Ein Modell der Ewigkeit

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.      

Hebräer 13,8

Heute ist es kalt. Ich laufe mit Winterjacke am Bürgerbahnhof vorbei. So ist es heute.

Ich weiß, dass es vor einem halben Jahr warm war. Und ich weiß, dass es in einem halben Jahr wieder warm werden wird. Doch wie es ist, im Warmen mit dem T-Shirt den selben Weg zu gehen, das kann ich mir nicht mehr vorstellen. Oh, wie begrenzt mein Erleben doch ist! Meine Wirklichkeit ist gebunden an den konkreten Moment, gebunden an den einen Punkt in der Zeit.

Doch Gott, er ist von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Um diesem Satz nachzuspüren hat der Naturwissenschaftler Professor Dr. Dr. Dr. A. E. Wilder-Smith mathematische Formen bemüht und diese als Gleichnis verwendet:
Da gibt es die Flachländer, die in einer Welt mit zwei Dimensionen leben (als Linie etwa). Aber das ist nicht die ganze Wirklichkeit. Denn es gibt auch noch Formen, die aus drei Dimensionen bestehen: Höhe, Breite, Tiefe (Kugeln, Würfel usw.). Könnten nun aber die Flachländer die Wirklichkeit der dritten Dimension verstehen? Wohl eher nicht. Umgedreht aber schon. (Die Ausführungen zu diesem Gedanken finden Sie weiter unten)

Taugt dieses Modell, um das menschliche Erleben und Gottes Wirklichkeit zu verstehen? Ich weiß es nicht.

Aber vielleicht kann mir dieser Gedanke helfen, mich und meine Sicht in meinem punktuellen Sein nicht als abgeschlossen-ausschließlich zu nehmen. Und außerdem gefällt mir der Gedanke, dass Gott auf mich und mein Leben in seiner Zweidimensionalität blickt und darüber gnädig schmunzelt.

Liebe Grüße
Ihr Dr. Sebastian Ziera

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Hier die Ausführungen für Interessierte:

Man stelle sich eine Welt vor, die ausschließlich aus zwei Dimensionen besteht. Diese zweidimensionale Realität wird von zweidimensionalen, intelligenten Wesen bewohnt.

Da sie aber nur aus zwei Dimensionen bestehen, können sie praktisch bloß aus einfachen Formen bestehen. Man nenne die zweidimensionale Realität „Flachland,“ und dessen Bewohner nenne man „Flachländer“. Obige Abbildung gibt die Verhältnisse in Flachland skizzenhaft wieder.

Flachland besteht also aus DCEF. Wenn man nun eine Linie durch Flachland hindurchzieht, trennt man das Land in zwei Gebiete die absolut hermetisch voneinander versiegelt sind. Die getrennten Gebiete sind ABCD und ABEF. Wichtig ist es zu erkennen, dass ABCD und ABEF absolut hermetisch voneinander abgeschnitten sind. Von einem Gebiet ins andere kann man unter keinen Umständen hinüber, solange man zweidimensional bleibt.

Denn unter der Linie AB kann man zweidimensional nicht graben. Es gibt keine Dimension in Flachland, die wir Tiefe nennen. Und über AB kann man nicht springen, denn in Flachland gibt es keine Höhe, die fürs springen notwendig wäre. Die Linie AB ist also eine Art Ereignishorizont zwischen den beiden Gebieten ABCD und ABEF.

Flachländer, die in ABCD leben, werden auch absolut nichts wissen von Flachländer, die in ABEF wohnen. Die Linie AB ist unpassierbar für die zweidimensionalen Wesen. Obwohl beide Gebiete ABCD und ABEF Flachland sind, und auch in der gleichen Ebene liegen, sind sie derart hermetisch voneinander getrennt, dass sie zwei verschiedene Realitäten darstellen.

Um aber zu zeigen, wie gründlich verschiedene Realitäten voneinander getrennt sind, müssen wir einen weiteren Denkschritt unternehmen. Wir müssen anfangen, mit zwei und drei Dimensionen zu arbeiten. Machen wir unser zweidimensionales Flachland zu einem Teil eines dreidimensionalen Systems – ABCDEFGH – etwa so:

ABCDEFGH ist ein Würfel, also ein dreidimensionales System, das aus Länge, Breite und Höhe besteht. Eigentlich besteht der Würfel aus einer Synthese von sechs Flächen. (ABGF) (HCDE) (ABCH) GFED) (BCDG) und (AHEF) also von sechs Flächen, die alle wie oben Flachland genannt werden können.

Die Synthese von sechs zweidimensionalen Flächen („Flachlande“) ergibt eine neue Dimension, die wir Volumen, (Würfel) nennen und die aus drei Dimensionen besteht. Die intelligenten Wesen, die wir Flachländer genannt haben, könnten auf allen Flächen – auf allen sechs Flächen – die wir oben schon zitierten, leben. Aber sie würden keinen „innerflachländischen“ Kontakt miteinander pflegen können denn jede Kante von jeder Fläche müsste wie ein Ereignishorizont funktionieren.

Wenn man das nicht einsieht, nehmen wir zum Beispiel ein Exempel. Die Flachländer auf der Fläche ABGF wollen mit den Flachländern auf der benachbarten Fläche GFED Kontakt aufnehmen.

Sie gehen alle bis zur Linie GF um in das benachbarte Land GFED „hinüberzublicken“ und hinüberzuwinken. Um aber gerade dies zu tun müssen die ABGF-Flachländer in Richtung GFED schauen, was für sie „unten“ wäre. Weil es aber für die Flachländer auf ABGF keine solche Dimension wie „unten“ gibt, können sie sich diese Richtung gar nicht vorstellen, sie ist für sie ein Unsinn. Um nach unten zu schauen, müsste man sie in dreidimensionale Wesen umformen. Solange sie zweidimensional bleiben, muss also die Linie GF wie ein Ereignishorizont, der für sie unvorstellbar und nicht passierbar ist, funktionieren.

Wir schließen also, dass alle sechs Flächen Flachländer beherbergen können, ohne dass die Flachländer auf einer Fläche irgendwelche Kenntnisse über die Flachländer auf den anderen Flächen haben.

Alle sechs Flächen des Würfels könnten Flachländer beherbergen, aber alle sechs Flächen wäre hermetisch abgedichtete Realitäten, die keine Beziehung zu der Wirklichkeit der anderen Flächenbewohner hätten.

Wir sind also jetzt soweit, dass wir einsehen können, dass eine dreidimensionale Wirklichkeit sechs zweidimensionale Realitäten beherbergen könnte, ohne dass die zweidimensionalen Wirklichkeiten irgendwelche Kenntnisse voneinander hätten. Sie sind sich gegenseitig unerforschliche Mysterien. Wir sind aber jetzt imstande, einen weiteren Denkschritt zu tun. Bauen wir noch ein Flachland in unser Würfelsystem ABCDEFGH ein. Wir können das leicht tun, indem wir die Linie PQRS einbauen. PQRS ist also ein Flachland mitten im Würfelsystem und kann Flachländer beherbergen. Diese Flachländer werden aber absolut keine Beziehung zu den andern sechs zweidimensionalen „Flachlanden“ pflegen. Denn diese sechs anderen zweidimensionalen Wirklichkeiten liegen „unten“ oder „oben“ im Würfelsystem. Da es für diese sechs Flachlanden kein „oben“ und „unten“ gibt, sind sie durch Ereignishorizonte hermetisch getrennt. Wir können also Flachland PQRS in unser Würfelsystem einbauen, ohne das die anderen zweidimensionalen Systemen irgendetwas davon merken.

Jetzt können wir noch einen letzten Denkschritt unternehmen, der ganz große Folgen nach sich zieht. Es handelt sich um folgenden Schritt: Flachland PQRS besitzt also absolut keine Höhe und absolut keine Tiefe. Deshalb besitzt Flachland PQRS keine „Dicke“. Die Linie PQRS ist also unendlich dünn. Sie besitzt gar keine Dicke. Aus diesem Grund könnte man zwischen B und C , G und D, E und F und A und H unzählige Anzahlen von „Flachlanden“ einbauen, ohne dass man irgendwelche Schwierigkeiten hätte. Unendliche Mengen von „Flachlanden“ könnten also im Würfelsystem eingebaut werden. Hier finden wir demnach theoretisch die Möglichkeit einer unendlichen Anzahl von Realitäten in einem endlichen Würfelsystem. Keine von dieser unendlichen Anzahl von zweidimensionalen Wirklichkeiten würde irgendwelche Beziehung zu einer anderen zweidimensionalen Wirklichkeit pflegen, denn sie sind alle durch Ereignishorizonte voneinander hermetisch getrennt.

Genau das gleiche können wir mit allen anderen sechs Flächen unseres Würfelsystems tun. Zwischen A und F, B und G, C und D und E und H könnte man wiederum unendliche Anzahlen von zweidimensionalen Realitäten einbauen, ohne dass eine Realität eine Ahnung hätte von der anderen. Alle sind von Ereignishorizonten voneinander getrennt. In unserem Würfelsystem könnte man also unendliche Anzahlen von Realitäten in unendlichen Anzahlen von Flächen einbauen, ohne das die verschiedenen Realitäten sich stören oder gar Kenntnis voneinander hätten. Der Würfel könnte in allen Lagen und Winkeln voll von zweidimensionalen Realitäten sein, ohne dass diese voneinander wüssten! So könnten die universellen Multidimensionen voll von kleineren Dimensionen sein.

Der Einfluss von einer Realität auf eine andere

Es wird jetzt klar sein, dass ein Flachland auf ein anderes Flachland keinen Einfluss ausüben kann. Dafür sorgen die Ereignishorizonte. Könnte aber ein dreidimensionales Wesen, dass im Würfelsystem wohnte, einen Einfluss auf alle Flachlande haben? Könnten also höhere Dimensionen einen Einfluss auf tiefere ausüben? Aus folgenden Gründen müssen wir positiv antworten:

Wenn ich zum Beispiel als dreidimensionales Wesen im Würfelsystem einmal spazieren ginge, könnten meine Füße gerade auf Flachland PQRS laufen. Da würden die PQRS Flachländer die zweidimensionalen Formen meiner Fußspuren wahrnehmen. Für die Flachländer würden meine Füße plötzlich aus dem Nichts hervortreten und auch plötzlich wieder im das Nichts verschwinden.

Die Flachländer würden das Erscheinen und Verschwinden meiner Fußspuren nie erklären können, sie würden sie für Wunder im wahrsten Sinne des Wortes halten. Denn jede Einwirkung eines dreidimensionalen Phänomens in einer zweidimensionalen Welt, muss wie ein Wunder wirken. Man kann sie anhand der Gesetze der zweidimensionalen Welt nicht erklären.

Die Flachländer PQRS könnten mich während meines Spaziergangs nie sehen, denn Höhe und Tiefe können sie als zweidimensionale Wesen nicht wahrnehmen. Doch können sie die zweidimensionalen Auswirkungen meines dreidimensionalen Spaziergangs wahrnehmen – sie sehen meine zweidimensionalen Fußspuren. Dort, wo meine drei Dimensionen sich mit ihren zwei Dimension decken, da können sie meine Auswirkungen wahrnehmen. Obwohl sie also meine dreidimensionale Wirklichkeit nicht sehen können, können sie etwas von meiner Kausalität – meiner Auswirkung in zwei Dimensionen – sehen, obwohl sie meinen Spaziergang in drei Dimensionen nie erklären können.

Ich – in meinen drei Dimensionen – durchdringe die Flachländer. Ich umgebe sie auf meinem Spaziergang im Würfelsystem förmlich von allen Seiten, doch können sie mich nicht sehen.

Sie können ausschließlich zweidimensionale Auswirkungen meiner dreidimensionalen Tätigkeit wahrnehmen. Mich können sie nie sehen, obwohl ich sie von allen Seiten umgebe und durchdringe.

Sie können zweidimensionale Muster (Fußspuren), Ordnung sehen, mich aber sehen sie nie. Weil ich dreidimensional bin, umgebe und durchdringe ich sie von allen Seiten, ohne dass ich sie irgendwie störe. Ereignishorizonte trennen meine drei Dimensionen von ihnen und sie von mir.

(zitiert nach: www.nowakpredigtbuch.de/74.html; zuletzt abgerufen am 08.02.2021 11.00 Uhr)

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