09.04.2021 – Man sollte kein „Wort zum Tag“ schreiben …

Man sollte kein „Wort zum Tag“ schreiben, wenn man selbst ninglig ist. Aber ich bin „dran“ und suche krampfhaft nach einem positiven Impuls. In einer von mir sehr geschätzten Zeitschrift lese ich: „Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen zusammen – das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit …“.

Ich kann ein Gähnen nicht unterdrücken. Das pausenlose Beschwören von der „Chance in der Krise“ macht mich echt müde. Obwohl ich es – an nicht-ningligen Tagen eigentlich auch so sehe. Ein immer nur heiteres, unbeschwertes Leben ist wie immer Schokolade essen. Irgendwann wird mir der Brechreiz kommen, wenn ich schon die Verpackung sehe und dann werde ich mich nach Porreesuppe mit Brathering sehnen und jemanden, der mir Schokolade anbietet, unflätig anschreien. Der Arme. Er hat ja nicht wissen können, dass ich einfach zu viel Schokolade hatte.

Kann man wirklich zu viel an Gutem, Leichtem, Heiterem, Gelingendem haben?

Neulich bekam ich glatt mal zu hören: „Bleib mir weg mit deinem Optimismus. Ich habe ein Recht darauf, einfach mal nur wütend zu sein oder traurig.“ Es fiel mir schwer, nicht wenigstens eine klitzekleine positive Bemerkung fallen zu lassen, denn ich war blendender Laune und wollte gerne davon etwas abgeben.

Zum Glück fielen mir dann die gut gemeintesten und gleichzeitig am schlechtesten ankommenden „Positiv-Sätze“ ein: „Du schaffst das schon.“ und „Das wird schon wieder!“
So konnte ich an mich halten.

Wenn man nämlich zum Beispiel verkabelt im Krankenhaus an irgendwelchen Maschinen hängt und sich alles um die Frage dreht: Werde ich jemals wieder alleine auf die Toilette gehen können? und der gut angezogene, um Zuversicht bemühte, Besucher sagt diese Worte, setzt das echte Kräfte frei. Leider vernichtende.

Es gibt Situationen, die kann man nur mit dem Anderen durchhalten. Am besten in der Stille. Ein kluger Professor der Theologie sagte mal in Bezug auf die Hiobsgeschichte: Die Freunde von Hiob machten seelsorgerlich alles richtig – bis zu dem Moment, wo sie den Mund auftaten.
Alles vorher – das Kommen, Dasein, Mitfühlen, Zuhören war echte Zuwendung. Das Reden über Warum und Wieso, eigene Schuld und womöglich fehlendes Gottvertrauen machte Hiob noch unglücklicher als er ohnehin schon war. „Wird schon wieder“ oder „Krise als Chance“ – eine echte Katastrophe!

Also, versuchen Sie nicht, mich heute in meiner Ningligkeit zu trösten. Ich weiß, dass der Frühling herrlich ist, dass es immer wieder Grund zu Freude gibt und dass Krise auch Chance bedeutet. Aber heute mal nicht. Heute sind selbst meine fleißig im Nistkasten werkelnden Kohlmeisen nur balkonbekackselnde Piepmätze und die herrlichen Tulpen auf meinem Küchentisch blühen einfach nur zum Hohn. Danke, Merkel !

Zum Glück muss ich über mich selbst lachen, während ich das vor mich hin grummelnd schreibe. Sie sehen also, man sollte unbedingt ein „Wort zum Tag“ schreiben, wenn man ninglig ist!

Siehste, Claudi, wird schon wieder … Was steht an solchen Stellen immer in Comics ?

Stöhn, Ächz, Seufz, Würg …

Schönen Tag noch! Ihre Claudia Krenzlin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.