08.02.21 – Das verstockte Herz

Heute, wenn ihr seine Stimmer hört, verstockt eure Herzen nicht!

Hebräer 3,15

Immer mal wieder stößt man in der Bibel auf die Wendung „das Herz verstocken“. Ich habe mich oft gefragt, was genau damit eigentlich gemeint ist. Nun habe ich mir diesen Wochenspruch zum Anlass genommen, ein wenig auf Spurensuche zu gehen.

Man findet zum Wort „verstocken“ in einschlägigen Wörterbüchern folgende Bedeutungen:
verhärtet, halsstarrig, trotzig, hartnäckig und im höchsten Grade uneinsichtig werden.
Das griechische Wort, das an dieser Stelle im Neuen Testament steht, kann übersetzt werden mit: trocken, hart, fest, spröde und streng.
Auch im Alten Testament, das ursprünglich auf Hebräisch verfasst wurde, kommt die Wendung vor. Dort bedeuten die angewandten hebräischen Worte eher „schwer sein, hart sein“ oder auch „Stärke, Kraft und Gewicht“. Dort stellt sich also der verstockte Mensch mit Stärke, Kraft und Gewicht gegen z.B. Gottes Willen.

Beachtenswert an dieser Stelle ist auch, dass das Herz in der Zeit, in der die Bibel geschrieben wurde, nicht das Organ der Gefühle war, sondern das Organ des Verstands und des Willens. Also das, was für uns heute der Kopf ist. Wenn biblisch jemand sein Herz verstockt, dann entscheidet er sich aktiv gegen etwas. Das ist kein diffuses Gefühl im Herzen, sondern ein klarer Wille, der sich gegen einen Vorschlag richtet.

Hier ruft der Autor des Hebräerbriefes uns dazu auf, unser Herz nicht zu verstocken, wenn Gott mit uns spricht. Wir sollen also wach bleiben für Gottes Willen und unseren Willen nicht mit all unserer Kraft dagegen stellen. Eigentlich ist das doch relativ selbstverständlich?
Das ist eine Botschaft, die uns schon so oft gesagt wurde, dass sie kaum überrascht. Wir hoffen ja genau darauf, dass „dein Wille geschehe“. Wieso muss uns das hier also wieder so deutlich gesagt werden?

Das Wort „verstocken“ kommt übrigens aus dem Althochdeutschen von „steif wie ein Stock werden“. Ein Stock „verstockt“ nicht von einem Tag auf den anderen. Es braucht je nach Holz Jahre bis der fleixble Ast zum harten Stock geworden ist. Und so ist es wohl auch mit uns Menschen. Routine, Erfahrung und damit einhergehende Enttäuschungen, lassen uns mitunter desillusioniert und misstrauisch werden oder eben auch: trocken und hart, streng und halsstarrig.

Der Autor des Hebräerbriefes ruft uns dazu auf, flexibel zu bleiben: Flexibel wie ein junger Ast. Das wiederum ist gar nicht so leicht und selbstverständlich. Es ist ein Aufruf, uns immer wieder gegen unsere Erfahrung zu entscheiden und neu auf Gottes Wort zu hören. Vielleicht geht damit auch eine gewisse Naivität einher, eine Beweglichkeit im Denken und der Mut zu Visionen. Trotz unserer verworrenen und dunklen Welt sind wir Christen dazu aufgerufen, die Hoffnung nicht zu verlieren und uns jeden Tag mit neuem Elan für Gottes Willen zu entscheiden.

Charlotte von Ulmenstein

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