06.07.2021 – Einer trage des anderen Last,. . . .

. . . .  so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Gal 6,2

Irgendwie ändern sich die Zeiten. Oder doch nicht? Da gab es einen DEFA Film gleichen Namens. Gezeigt 1988 und spielt in den 50iger Jahren. Zwei junger Männer haben Tuberkulose und sind in einem Zimmer eines Sanatoriums untergebracht. Der eine, Herr Joseph Heiliger ist glühender Marxist und Volkspolizist. Der andere, Herr Hubertus Koschenz ist evangelischer Vikar und nicht weniger von seiner Sache überzeugt. Während der eine die Genossen zusammenruft, hält der andere Bibelstunden ab. Wenn sich Marxist Heiliger rasiert singt der die Internationale. Der Vikar hält mit dem Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“, dagegen.

Sie ertragen sich nicht.

Bitten um Verlegung in andere Zimmer. Es wird abgelehnt, weil Marxist und Christ lernen sollten, miteinander auszukommen. Wir haben den Film damals eingesogen. Ein Theologe in einer der beiden Hauptrollen. Das hat es bis dahin nicht gegeben. Wir waren in dieser Auseinandersetzung und wollten nicht plump nur Anti sein. Ja, wir kannten die humanistischen Gemeinsamkeiten, aber eben auch das, was klar trennte. Während wir als Christen sagen, wir brauchen Vergebung von außen, weil wir sie uns nicht selbst geben können, war auf der anderen Seite immer klar, wir ändern die Verhältnisse und der Mensch wird gut. Letztlich verbindet sie ihre Last der Krankheit und sie nehmen sich als Menschen in den Blick. Sie werden menschlich. Angst vor dem Tod. Angst vor der Zukunft öffnet ihren Blick füreinander. Und wenn ich den Menschen vor mir sehe, der an seiner Situation zu tragen hat, dann ist es menschliche Zuwendung ohne falsch und ohne Eigeninteresse. Einfach nur da sein.

Den Prozess der Annäherung vom Genossen und vom Vikar steht beispielhaft dafür, dass wir uns brauchen, weil wir alle Lasten tragen. Und dass wir uns nicht vor dem anderen, vielleicht auch fremden oder widerborstigen abwenden können. Wir entgehen der Last nicht und brauchen selbst Träger.

Für unsere Päckchen aus der Vergangenheit, die drücken,

für unsere Not in der Gegenwart, die plagen und

für spürbare Zukunftsangst, die lähmt.

Es geht heute nicht nur um einen Konsens zwischen Marxist und Christ. Das haben wir damals natürlich schon gewusst. Es geht um die Würde des Menschen, um Empathie, um ein Reden in der Gesellschaft, damit wir an den Fragen der Zeit nicht auseinanderbrechen. Das Gesetz Christi erfüllen ist, ehrlich oder in Wahrheit beieinanderbleiben und ein Hoffen aufzeigen, das stärker ist als die Angst.

Ich bin für dich da.

Der Krankheitsverlauf bei Heiliger nimmt einen besorgniserregenden Verlauf. Der Vikar bekommt Medikamente aus dem Westen. Ohne das Wissen von Herrn Heiliger gibt Koschenz ihm die Medizin des Klassenfeindes. Wenn ich mich recht erinnere, wird Heiliger für den Vikar eine Predigt schreiben, weil der Vikar damit Probleme hat. Aber da bin ich mir nicht so sicher. Klar. So was will man sich ja als Theologe nicht merken, dass ein Kommunist einem Vikar die Last des Predigtschreibens abnimmt.

Ich bin für dich da.

Das hat auch eine andere Seite. Ich lasse es zu. Dann wird es Erfüllung. Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Amen.

Martin Staemmler-Michael

 

 

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