06.06.2021 – D-Day und Freiheit

Die Besichtigung der Gedenkstätten für die Landung der Alliierten am 6. Juni 1944 stand eigentlich erst am Ende unserer Reise durch Südengland und Nordfrankreich auf dem Programm. Bis dahin waren es vor allem die großartigen Kathedralen von Canterbury, London, Salisbury, Winchester, Wells und Exeter, die unsere Reiseroute bestimmten.

Doch dann kam es anders: Als wir am ersten Tag nach der Überfahrt von Dünkirchen nach Dover die Kathedrale von Canterbury besichtigten, entdeckte ich im Innern an eine schlichte Steintafel mit einem Wappen der Normandie-Veteranen-Vereinigung. Mit roten und zum Teil goldenen Buchstaben stand dort (frei übersetzt und etwas gekürzt):

Zur Erinnerung an die Tausende der alliierten Streitkräfte, die während der Invasion von Westeuropa im Juni 1944 ihr Leben verloren. Damit begann die Rückkehr der Freiheit nach Europa!

Der zweite Satz mag uns vielleicht heute etwas pathetisch klingen, aber er hat mich sehr bewegt.

Nach vielen wunderbaren touristischen Erlebnissen in Cornwall erreichten wir die kleine Hafenstadt Poole an der Südküste, um nach Cherbourg überzusetzen. Eine Bronzetafel im Hafen von Poole erinnerte an die Besatzung von 60 Holzbooten der United States Coast Guard, die an der Invasion beteiligt waren – ein kaum vorstellbares Detail der gewaltigen Aktion!

Zwei Tage später standen wir in der Nähe der nordfranzösischen Stadt Caen auf einem Friedhof, auf dem die alliierten Opfer der Invasion begraben worden waren: weiße Marmorkreuze – und Marmorsterne für die jüdischen Gefallenen – soweit das Auge reichte. Und in dem sehr gut besuchten Dokumentationszentrum wurde die totale Stille nur durch gelegentliches Schluchzen unterbrochen . . .

45 Jahre später ging es im Herbst 1989 wieder um die Freiheit. Der Leipziger Künstler Matthias Klemm hat dazu Tagebuchblätter gestaltet, mit denen er einen weiten Bogen spannt vom Putsch in Chile, über die Ereignisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking bis zu dem, was in Leipzig und Berlin geschah und – Gott sei Dank! – eben auch nicht geschah.

Diese Tagebuchblätter sind für mich ebenso wie die Gedenktafeln in Canterbury und Poole oder die Gedenkstätten in der Normandie eine nachdrückliche Mahnung und Motivation, sich stets für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen.

Übrigens stand unten auf der Tafel in der Kathedrale von Canterbury – in einer anderen Schrift – noch folgender Satz (Joh. 15,13; hier in der Übersetzung der Luther-Bibel von 2017): Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.

Martin Meigen

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