05.04.2021 – Ostermontag

Liebe alle,

da ihr diese Mail vermutlich frühestens morgen/heute früh lest: Frohe Ostern!

Wort zum Tag für Ostermontag, 05.04.2021

Ab und an gehen mir Melodien durch den Kopf die mich über den Tag begleiten. Sie singen dann in meinem Kopf und in meinem Herzen. Gerade erst war da ein Choral, den ich mit besonders schönen Erinnerungen verbinde und der mir immer wieder Hoffnung gibt. „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ (EG 369) stammt von Georg Neumark, einem Lieddichter des 17. Jahrhunderts. Geboren und aufgewachsen in Langensalza in Thüringen kurz nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges, erlebte er in verschiedenen Stationen Krieg, Leid, Tod und Krankheit. Er hatte sich damals gerade aufgemacht mit all seinen Habseligkeiten nach Hamburg umzuziehen, als er beraubt wurde. Dabei verlor er alles, was er besaß. Völlig mittellos erreichte er schließlich sein Ziel, allerdings konnte er sich dort nur knapp über Wasser halten. Als auch das nicht mehr funktionierte, versuchte er sein Glück in Kiel. Seine letzte Hoffnung war diese Stadt. Auf dem Weg dorthin, hatte er eine Art Offenbarung. Über seiner Traurigkeit schien plötzlich ein Licht. In all dem Leiden, in all der Not, spürte er sich von Gott gehalten. Mich hat das sehr beeindruckt, wie er dann dichten konnte: „Was helfen uns die schweren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, dass wir alle Morgen, beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit.“ Ja, recht hat er. Das ganze Lesen und Nachdenken, Diskutieren und Lamentieren über die aktuelle Situation macht das Problem nur größer. Es ist gut sich umzuhören was passiert, aber ebenso gut und wichtig ist es auch innezuhalten und aufhören zu können. Das Fenster zu öffnen und das Licht hereinzulassen, wie das Licht in die Dunkelheit des Grabs fiel als der Stein weggerollt war. Neumark dichtet weiter: „Denk nicht in deiner Drangsalhitze, dass du von Gott verlassen seist, […]. Die Folgezeit verändert viel und setzet jeglichem sein Ziel.“ Manches Mal habe ich das in den letzten Monaten heimlich gedacht, ob da noch jemand ist oder Gott die Dinge einfach nur laufen lässt, ganz ohne Sinn. Da ruft mich Georg Neumark zurecht: Gott wird sich schon noch zeigen und auch sein Ziel für dich wird dir irgendwann offenbar. Das wäre gut. Ich hoffe, dieses Ziel bald zu erkennen und, dass die gleiche Sonne für uns leuchtet, die auch Georg Neumark das Vertrauen in seine furchtbare Situation spendete. In Kiel erlebte er tatsächlich seine Rettung. Gleich nach der Ankunft fand er eine Anstellung, die seinen Lebensunterhalt sicherte. Glück und Freude über seine Rettung packte er nicht nur in die letzte Strophe seines Lieds: „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu.“ Das habe ich selbst doch immer wieder in meinem Leben und meinem Umfeld erlebt. Es eröffnen sich neue Wege, wo vorher Mauern standen. Das wünsche ich mir für uns, dass Gott unsere Steine wegrollt und unsere Leben neu macht wie den Ostermorgen.

Herzliche Grüße
Nicole Oesterreich


    

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.