05.02.21 – Und wenn es nicht klappt?

Was ich gerade mache? Ich sitze nachmittags in unserer gemütlichen Küche, mit dem Rücken an der Heizung, und schreibe diese Zeilen auf unserem Laptop, der nebenbei gerade auflädt. Wenn ich fertig bin, werde ich den Beitrag auf die Internetseite der Taborgemeinde hochladen und die Zeit der Veröffentlichung auf den 05.02.21, 00.01 Uhr einstellen. So können Sie, liebe Leserin und lieber Leser, schon eine Minute nach Mitternacht das neue “Wort für den Tag im Gespräch” auf Ihrem Computer, Tablet oder auch Smartphone lesen und – wenn Sie mögen – danach auch gleich selbst einen Kommentar dazu abgeben, der wiederum von vielen anderen gelesen und auch beantwortet werden kann. Möglich macht das eine weltweit tätige Firma mit Hauptsitz in San Francisco, Kalifornien.

Wir haben uns längst an all das gewöhnt, wovon selbst wir heute Lebenden früher noch nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Wie eine gut geölte Maschine – nein, das ist ein veraltetes Bild! – hocheffizient und geräuschlos wird unser modernes Leben von zahllosen Informations-, Energie-, Geld- und Warenströmen durchzogen, die uns allerlei Annehmlichkeiten bescheren, welche wir gern in Anspruch nehmen, obwohl wir ihre genaue Funktionsweise in den allermeisten Fällen gar nicht verstehen und nicht selten auch beargwöhnen. Unsere ganze Existenz ist darauf ausgerichtet, dass das alles funktioniert. Damit hat sich auch unsere Erwartungshaltung und Mentalität verändert: Es muss funktionieren, sonst bricht hier das Chaos aus!

Entsprechend aufgeregt wird diskutiert, wenn einmal etwas schiefläuft. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf! Und natürlich hat es oberste Priorität, das Rädchen, das sich nicht richtig dreht, sofort zu finden und auszutauschen. Das kann auch ein Mensch sein, der unfähig und ganz offensichtlich am falschen Platz  ist. Solche Menschen gibt es, und – wie viele meinen – sind sie da oben, wo man die echte Lebenswirklichkeit gar nicht mehr kennt, besonders häufig anzutreffen! Was machen die da nur? Da müsste man doch…!

Kommentare und Gespräche dieser Art gehören zu unserem Alltag. Fast pausenlos werden unsere Nerven von entsprechenden Eilmeldungen und Schlagzeilen aufgepeitscht. Erregung und Empörung scheinen der Normalzustand geworden zu sein, weil…

so vieles nicht klappt! Dieses laaaangsame Internet! Und jetzt die Sache mit den Impfdosen…  Da sieht man’s wieder!

Und sonst? Fällt uns sonst noch etwas ein, außer mehr oder weniger lautstark oder auch resignierend darauf hinzuweisen? Denken wir auch einmal über die Spirale unserer Ansprüche nach, die Kehrseite unserer Errungenschaften? Und haben wir noch im Blick, was dieses Es muss funktionieren! für unsere Menschlichkeit und für unsere Gesellschaft bedeutet?

Was ist, wenn es nicht klappt?
Was machen wir da
am besten?

Was meinen Sie, fragt Sie heute herzlich grüßend

Ihr Heinz Schneemann

 

PS
Am Sonnabend können Sie dazu eine Fortsetzung in einem Extra-Wort lesen:   “Gibt es einen Plan B?”

Sie finden es dann auf  www.evangelium.art.blog

One thought on “05.02.21 – Und wenn es nicht klappt?

  1. “Und wenn es nicht klappt?” Dann haben wir gerade jetzt die phantastische Möglichkeit vor die Haustür zu treten, mit unseren Augen das wunderbare Weiß aufzusaugen, durch den knirschenden Schnee zu stapfen,
    tief durchzuatmen und die herrliche von Gott gegebene Natur mit allen Sinnen aufzunehmen.
    Und wenn es in diesem Jahr nicht klappt mit dem Schiurlaub in Tirol, so haben wir doch auch hier einen wunderbaren Ersatz. Also cool down im Lock down, Baby!
    Herzlichst Andreas Purschwitz

  2. Danke für Ihren sehr persönlichen Kommentar, in dem Sie von sich und Ihrem kranken Mann erzählen und auch davon, wie Sie damit umgehen.

    Es ist, wie Sie es beschreiben: Wenn wir Schweres durchleben müssen, wenn wir etwa um einen lieben Menschen bangen und das über längere Zeit auf unserer Seele lastet, dann bleibt das nicht ohne innere Folgen. Angst, Grübeln und fehlender Schlaf sind Zeichen und Hilferufe unserer Seele.
    In den biblischen Psalmen wird diese Erfahrung manchmal sehr direkt ausgesprochen:
    “Meine Hand ist des Nachts ausgereckt und lässt nicht ab; denn meine Seele will sich nicht trösten lassen. Ich denke an Gott – und bin betrübt; ich sinne nach – und mein Herz ist in Ängsten.” (Psalm 77,3-4)

    In solchen Situationen suchen wir nach Worten und Gedanken, die uns aus der engen Grube des “Grübelns” heraushelfen können. Wie komme ich da raus?
    Ein wichtiger Schritt ist, die Gedanken herauszulassen und nach Möglichkeit ein Ohr zu finden, dass sie aufzunehmen und mit mir zu teilen bereit ist. Die Worte der Psalmen sind solche herausgelassenen Worte, die zum Gebet geworden sind. Und dort wird auch sichtbar, wie dadurch Raum für neue, positive und wärmende Gedanken entsteht.
    Sich selbst zu positiven Gedanken zu zwingen, kann manchmal sehr schwer und wird nicht immer möglich sein. Aber ein verständnisvolles Ohr zu suchen, das war schon in unserer frühesten Kindheit der beste Weg aus der inneren Not.

    Ich wünsche Ihnen und Ihrem Mann viel Kraft und gute Gedanken für Ihren weiteren Weg!
    Und wenn Sie weiter über das sprechen möchten, was Sie bedrückt, sind unsere Seelsorgerinnen und Seelsorger gern für Sie da…

  3. ….. ich habe keine Angst, dass es nicht klappt. Wir haben ja, Corona sei Dank, alle gelernt, der Dinge zu harren, die da kommen.
    „Nichts ist so schlecht, dass es nicht auch etwas Gutes hätte”,
    war das Lebensmotto meiner verstorbenen Mutter,
    und inzwischen mein Lebensmotto.
    Ihr Vater, also mein Großvater, sagte oft zu uns Enkelkindern: „ erst schreien, wenn es weh tut”…..
    Zugegeben manchmal ist es sehr schwer….
    Mein Mann war letztes Jahr nur in einem Monat nicht im Krankenhaus, und ich durfte ihn wegen Corona nicht besuchen und hatte oft Angst,
    dass er dort stirbt, alleine…
    Ja ich hatte wirklich oft Angst und grübelte und konnte nicht schlafen…. dann habe ich mich gezwungen positiv zu denken und sagte mir immer wieder es geht gut..
    Jetzt ist er wieder zu Hause,
    sehr krank, aber wieder bei mir.

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