03.08.2021 – Nur ein Spiel

Der August ist unser Ferienmonat. Ferien – das bedeutet vor allem mehr freie Zeit in einem Stück. Das nehmen wir doch gern an, um endlich wieder einmal mehr mit der Familie oder guten Freunden unternehmen zu können oder auch um zurück zu uns selbst, zu unserer Mitte oder zu unseren Hobbys zu finden.

Manche haben für diese kostbare Zeit tausend Ideen und Pläne im Kopf und wissen gar nicht, wie sie das alles umsetzen oder in die Reihe kriegen können. Reisen ist natürlich eine besonders beliebte Ferienbeschäftigung, weil es spannend ist, weil wir dabei in Bewegung kommen und Neues entdecken und weil sich unsere Tage dabei schnell – oft zu schnell! – und wie von selbst auf angenehme Weise mit schönen, anregenden und erholsamen Erlebnissen füllen.

Und wenn wir nicht verreisen, oder wenn die Wanderschuhe bzw. der Fahrradsattel der Blasen wegen dringend einen Ruhetag benötigen, oder wenn es schlechtes Wetter gibt, von dem ganz Hartgesottene behaupten, dass es so etwas gar nicht geben würde, oder wenn…?

Manchmal taucht dann doch auch die Frage auf: Und was machen wir heute?

Klar, fernsehen oder smartphönen oder auch lesen geht immer – aber als WIR, in Gemeinschaft, da könnte es schon noch etwas Schöneres geben. Gute Gespräche zum Beispiel. Nur lassen die sich bekanntlich nicht so einfach jederzeit aus einer Schachtel nehmen.

Sie merken schon, liebe Leserin und lieber Leser, jetzt steuere ich zielstrebig auf mein Thema zu: ein Spiel! Wer mit Kindern unterwegs ist, weiß aus Erfahrung, wie ratsam es ist, da etwas dabeizuhaben.

Und bei den Großen? Da scheiden sich die Geister – und das nicht erst seit heute!

In der Bibel kommen Spiele praktisch gar nicht vor – es sei denn, man rechnet auch die Musik als eine besondere und auch besonders erfüllende Form des Spielens mit ein. Und dann darf dazu sogar noch getanzt werden!

Aber so „richtige“ Spiele, die es in einer Schachtel gibt? Manche finden dabei stundenlang Freude – ein spannendes kleines Leben im großen! Und andere winken genervt oder gelangweilt ab.

Den einen möchte ich hier ein feines und gut verdauliches Bonbon schenken, das Sie wahrscheinlich noch nicht probiert haben und für das Sie auch nicht schon wieder 49,99 € ausgeben müssen: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Lines_of_Action

Und den anderen möchte ich – selbstverständlich auch augenzwinkernd – ein gehaltvolles Wort aus Friedrich Schillers 15. Brief Über die ästhetische Erziehung des Menschen von 1795 zuspielen:

Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.

 

Herzliche Feriengrüße

Ihr Heinz Schneemann 

 

One thought on “03.08.2021 – Nur ein Spiel

  1. Sehr geehrter Herr Pfarrer Dr. Schneemann,
    man merkt Ihrem Wort zum Tage an, dass Sie zur Spezies des homo ludens gehören. Sie teilen richtigerweise die Menschheit von ihren Veranlagungen her in Spieler und Nichtspieler. Spiele fördern den sozialen Zusammenhalt und die kognitiven Fähigkeiten, können jedoch auch latente Konflikte zum Ausbruch bringen lassen. Spiele sind durchaus als Lebensschule zu sehen. Ein Suchtpotenzial können sie mithin auch enthalten.
    Ihr Zitat von SCHILLER möchte ich jedoch nicht nur auf Karten- oder Würfelspiele beschränkt sehen. Gewiss meint er vorrangig das kreative Spielen mit Worten, Tönen, Linien, Farben und Formen auch ohne Mitspieler. Insofern sollten wir alle den homo ludens in uns suchen.
    Mit freundlichen Grüßen Andreas Purschwitz

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