03.07.2021 – Gottesferne aushalten

Gott ist nicht fern einem jeden von uns“. Es gibt Lebenslagen, da erscheint diese heutige Tageslosung aus Apg 17,27 wie Hohn. Wenn Menschen so dermaßen gebeutelt werden vom Leben und eins zum andern zu kommen scheint, ein Schicksalsschlag dem anderen folgt – dann kann man als Gegenüber, der trösten will, einfach nur verstummen. Dann erscheint dieser Satz wie billiger Trost, wie ein Schulterklopfen mit einem „ach das wird schon wieder“: „Jaja, Gott ist trotzdem ganz nah, du spürst ihn nur grad nicht.“ „Vielen Dank“, wird sich der Betroffene denken, „was ist das für ein Gott, der da ist, aber nicht eingreift? Der zuschaut und mich leiden lässt?“
Zu oft habe ich diesen Gott schon um die Ohren gehauen bekommen, wenn Menschen am Boden waren. In Momenten, in denen da einfach kein Gott war. Ich habe mir angewöhnt, das auszuhalten. Ja, vielleicht gibt es im Leben Zeiten der Gottesferne. Es gibt Zeiten, in denen das Gespräch zwischen ihm und uns verstummt. Es gibt Zeiten, in denen unsere Beziehung abbricht. Ich habe mir auch angewöhnt, dann die Blickrichtung zu ändern. Zu sagen „Ja, ich bin gerade fern von Gott“. Und dann vertraue ich darauf, dass wir seine Perspektive getrost ihm überlassen können. Denn „ich bin fern von Gott“ heißt Gottseidank nicht zugleich „Gott ist fern von mir“.

Johanna Stein

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