03.06.2021 – Fronleichnam

Da sitzen sie alle zusammen um einen großen Tisch. Jeder mit seiner Geschichte. Jeder mit seinen erfreulichen Stärken und auch mit seinen beschämenden Schwächen. Aber weder wird dem Starken ein Platz reserviert, noch dem Schwachen der Platz weggezogen. Alle dürfen hier sein, alle dürfen am Tisch sitzen. Ein Moment der Verbundenheit. Und so sitzen sie da, so verschieden wie sie sind, Ihre Gesichter aus Stein herausgearbeitet.

Immer wenn ich am Altar der Taborkirche stehe, sehe ich auf dieses Abendmahlsbild.

Und es ist ein Gemeindebild, das uns da vor Augen gestellt ist und welches wir lernen sollen, denn es ist keine Selbstverständlichkeit, so miteinander umzugehen. Es ist keine Selbstverständlichkeit, Gemeinschaft so zu denken. Und wie leicht wäre es gewesen, die Unangenehmen auszuschließen. Jesus hat es nicht getan: Er ließ sie bei sich sitzen, den Verräter Judas, die unangenehmen „Donnersöhne“, den überheblichen Petrus.

Es ist dabei für die Jünger nicht nur ein Moment der Toleranz, sondern der Liebe. Und vielleicht ist dies das wichtigste Fundament für wahre Gemeinschaft.

Für die Jünger wurde dieses Beisammensein heilig. Und immer, wenn sie gemeinsam Abendmahl feierten, vergewisserten sie sich – „Hier ist ein Platz für mich, hier darf ich sein!“ – und wurden darin neu an Gemeinschaft erinnert – „Du darfst hier sein! Du bist willkommen!“. Ein heiliger Moment der Erinnerung und der Ausrichtung. Wir dürfen an dieser Erinnerung teilhaben und uns von ihr ergreifen lassen.

Es grüßt Sie zum Fronleichnam (mittelhochdeutsch für „Leib des HERRN“ / Fest des Abendmahls)

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

 

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